Februarrevolution: "Es wird viel Blutvergießen geben" - DER SPIEGEL
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Februarrevolution "Es wird viel Blutvergießen geben"

Erst flogen Schneebälle, dann wurden Polizisten gelyncht und Paläste gestürmt: Rasend schnell fegte vor 100 Jahren die Februarrevolution die Herrschaft der Zaren hinweg. Chronik von acht Tagen, die die Welt veränderten.
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Massenproteste: Vor allem in den industriellen Zentren Russlands und in der Hauptstadt Petrograd, dem heutigen Sankt Petersburg, kam es im Februar 1917 zu Demonstrationen, an denen sich bald Hunderttausende beteiligten. Anlass waren zunächst die durch den Weltkrieg ausgelösten Hungersnöte - doch schnell änderten sich die Schlachtrufe: Aus "Brot für die Arbeiter" wurde: "Nieder mit dem Zaren!" "Die Revolution überraschte uns im tiefen Schlaf", gestand später ein führender Sozialrevolutionäre. So erging es allen Parteien, der Duma und dem Zaren, der im fernen Hauptquartier der Armee weilte. Wenige Tage genügten, um die jahrhundertelange Herrschaft der Zaren zu beenden.

Foto: imago/ ITAR-TASS
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Staatsgewalt: Geschützstände der russischen Armee während der Februarrevolution. Am 26. Februar 1917 hatte Zar Nikolai II. einen Schießbefehl gegen die Aufständischen gegeben.

Die Revolution begann nach dem damals in Russland verbreiteten julianischen Kalender am 23. Februar - der nach dem gregorianischen Kalender auf den 8. März fällt - und sich nun zum 100. Mal jährt. Alle Jahrestage in dieser Bildergalerie beziehen sich auf den julianischen Kalender.

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Narben der Geschichte: Menschen versammeln sich nach Ausbruch der Februarrevolution vor den Ruinen des Nikitski-Tors in Petrograd. Bereits Ende Januar 1917 hatten die Spannungen im Volk anlässlich des Jahrestages des Blutsonntags von 1905 zugenommen. Damals war ein friedlicher Arbeiter-Sternmarsch blutig von den Truppen des Zaren Nikolais II. zerschlagen worden. Während der Februarrevolution kam es ...

Foto: AP
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... zu einem zweiten Blutsonntag, als regierungstreue Soldaten wild in die Menge feuerten. Sie erschossen am 26. Februrar allein auf einem Platz der Prachtallee Newski-Prospekt 50 Aufständische; insgesamt töteten Soldaten an diesem Tag etwa 150 Menschen. Für viele Soldaten war das ein Schlüsselerlebnis: Fortan widersetzen sie sich solchen Schießbefehlen, zielten absichtlich daneben - oder meuterten gleich. Nach dem Gewaltexzess ...

Foto: imago/ United Archives International
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... gingen Hunderte Trauernde auf die Straße; diese Aufnahme zeigt einen Gedenkmarsch nach der Revolution im April 1917. Zunächst zeigte die Gewalt damals aber Wirkung. Ein britischer Journalist beschrieb, dass "die Straßen sich von besorgteren und ängstlicheren Bürgern leerten".

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Zwischen den Umstürzen: Berittene Soldaten halten nach der Februarrevolution 1917 vor einem Tor des Moskauer Kreml Wache. Vor allem während der Oktoberrevolution des selben Jahres sollte der Gebäudekomplex erheblichen Schaden nehmen.

Foto: Keystone/ Getty Images
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Verbarrikadiert: Rebellen haben 1917 eine Straßensperre auf dem Petrograder Litejnyj Prospekt errichtet. Wichtig war auch die Litejnyj-Brücke, die aus den aufständischen Außenbezirken im Norden der Stadt über den Fluss Newa ins Zentrum führte und am zweiten Tag der Revolution erobert werden konnte. Die revoltierenden Arbeiter forderten neben der Herausgabe von Lebensmitteln und der Beendigung des Krieges auch den Rücktritt des herrschenden Zaren Nikolai II.

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Symbolische Verbrennung: Bei einer Demonstration im Februar 1917 verbrennen Rebellen einen Doppeladler, das Wappentier des Russischen Reiches. Mit der Oktoberrevolution des selben Jahres sollte das alte Wappen des Zarenreiches durch jenes der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik abgelöst werden.

Foto: imago/ United Archives International
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Eine neue Armee: Rote Garden erstürmen 1917 den Winterpalast von Petrograd. Diese Arbeitermiliz spielte während der Oktoberrevolution von 1917 eine Schlüsselrolle. Die Roten Garden waren unmittelbar nach der Februarrevolution als bewaffnete Truppen der Bolschewiki gegründet worden, die sich nicht allein auf die Unterstützung einer (ehemals vom Zar befehligten) russischen Armee verlassen wollten.

Foto: imago
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Im Revolutionsfieber: Rote Fahnen und rote Banner dominierten schon bald das Stadtbild, die Menschen sangen in Erinnerung an die Französische Revolution die Marseillaise - und fürchteten sich vor einer möglichen Konterrevolution. "Es besteht bei den Massen eine Art instinktive Furcht", schrieb der liberale Politiker Pawel Miljukow, "dass die Revolution zu früh ende. Für einen besonnenen Reformer wie ihn war das ein Problem. "Die Massen haben das Gefühl, die Revolution würde fehlschlagen, wenn der Sieg von den gemäßigten Kräften allein davongetragen würde."

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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Proteste: Während der Februarrevolution versammeln sich 1917 auch Tausende Demonstranten auf dem Vorplatz des Moskauer Bolschoi-Theaters. Viele Offiziere des alten Moskauer Regimes wurden während der Revolte von Aufständischen getötet.

Foto: imago/ Russian Look
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Der Revolutionsverweigerer: Reformieren ja, umstürzen nein - der liberale Politiker Pawel Miljukow misstraute der Massenbewegung auf der Straße. Der angesehene Geschichtsprofessor war Führer der Konstitutionell-Demokratischen Partei in der Staatsduma. Miljukow wollte eine konstitutionelle Monarchie, mehr Macht für die Duma und Regierungen, die vom Parlament und nicht vom Gutdünken des Zaren abhingen. Noch in den Wirren der Revolution hielt er sich an die parlamentarischen Spielregeln, verlor dadurch aber zunehmend an Einfluss. Nach der Revolution war er kurz Außenminister der neuen Provisorischen Regierung, trat im April 1917 aber zurück. So sehr, wie er die Autokratie der Zaren kritisiert hatte, so sehr wetterte er später aus dem Exil gegen die bolschewistische Oktoberrevolution.

Foto: imago/ United Archives International
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Neue Machthaber: Revolutionäre Soldaten der Bolschewiki liegen während der Februarrevolution in Petrograd auf der Lauer, die Waffen im Anschlag. Die durch Beendigung der Zarenherrschaft erkämpfte Souveränität des Volkes sollte allerdings nur wenige Monate anhalten: Im November 1917 (nach gregorianischem Kalender) rissen die Bolschewiki unter Führung Lenins in der Oktoberrevolution die Macht an sich.

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Wortführer: Nikolos Tschcheidse, Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates ("Sowjet") in Petrograd hält während der Februarrevolution 1917 eine Rede vor dem Taurischen Palais. Das prachtvolle klassizistische Gebäude war Sitz der Duma, diente während und nach der Februarrevolution aber auch als Tagungsort des Petrograder Sowjet. Hier wurde am 27. Februar im völlig verrauchten Saal 12 auch das erste Exekutivkomitee des Sowjet gewählt. Die Führung bestand aus sechs Menschewiki, zwei Bolschewiki und fünf parteilosen Intellektuellen.

Foto: imago/ ITAR-TASS
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Die ungeliebte Dynastie: Zar Nikolai II. und sein Sohn und Thronfolger Alexej auf einer Aufnahme von 1914. Rund 300 Jahre regierten die Romanows, bis die Februarrevolution die Zarenherrschaft abrupt beendete. Die Industrialisierung hatte ein Heer an Arbeitern hervorgebracht und die Proletarier waren oft gebildet, politikinteressiert und anders als die Bauern wenig autoritätsgläubig. Viele sahen in den Zaren nur "Vampire", die sie ausbeuteten. Sozialrevolutionäre und Sozialdemokraten träumten von einem Umsturz. Mit dem Ausbruch des Weltkriegs ...

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... wurde Nikolai noch unbeliebter, weil sein Land etliche demütigende Niederlagen kassierte; diese Aufnahme zeigt den Zaren mit seinem Sohn um 1915 bei der Armee, dessen Oberbefehlshaber er war. Der Krieg führte auch zu Brotknappheit und Preisexplosionen bei Salz, Zucker und Mehl, die Bevölkerung sehnte sich nach einem Friedensvertrag - Anlässe, die die Revolution im Februar 1917 auslösten.

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Bitte abdanken! Lange zögerte die bürgerlich dominierte Duma und war unentschlossen, wie sie mit den Unruhen in der Hauptstadt des Zarenreichs umgehen sollte. Erfolglos bat sie den Zaren, der an der Front weilte, eine "Regierung des Vertrauens" bilden zu dürfen - mit Repräsentanten des Volkes und nicht Marionetten des Zaren. Nach und nach nahmen die Depeschen an den Zaren an Schärfe zu. Das Bild zeigt den Vorsitzenden der Staatsduma, Wladimirowitsch Rodzjanko, der schließlich die Verhandlungen über die Abdankung des Zaren führte.

Foto: imago/ United Archives International
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Mit mutigen Frauen begann die Revolution, als Textilarbeiterinnen am Internationalen Tag der Frau in Petrograd streikten und auf die Straße gingen. Sie mobilisierten sie die Männer in den angrenzenden Metallfabriken, sich ihnen anzuschließen; schließlich legten nach einem Bericht der Geheimpolizei rund 85.000 Menschen die Arbeit nieder. Diese Aufnahme zeigt Frauen, die in Petrograd für das Frauenwahlrecht demonstrieren.

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Arbeitskampf: Arbeiter der Petrograder Putilow-Fabrik halten 1917 eine Fahne zur Unterstützung der Februarrevolution. Der in der Rüstungsfabrik ausgebrochene Streik, der zur Aussperrung von 30.000 Arbeitern führte, war einer der Initialfunken der Revolution.

Foto: imago /Russian Look
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Wut und Verzweiflung: Eine Menschenmenge am Bahnhof von Petrograd während der Februarrevolution 1917. Der Revolte gingen Hungersnöte voran, die sich in Folge des Weltkrieges und des besonders strengen Winters von 1916 auf 1917 verschlimmert hatten. Aus der Hungerrevolte wurde eine Revolution gegen das Zarentum.

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Kontrolle wahren: Eine Stadt in Aufruhr - russische Beamten überprüfen während der Februarrevolution in Petrograd die Papiere eines Fahrzeughalters.

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Bildungsmaßnahme: Eröffnungssitzung einer Veranstaltungsreihe an der Universität von Petrograd, in der nach der Februarrevolution 1917 analphabetischen Seeleuten das Lesen beigebracht werden sollte.

Foto: imago/ Leemage
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Nach der Revolution ist vor der Revolution: Der Zar war gestürzt und im März eine Provisorische Regierung eingesetzt, die den Russen Bürgerrechte und neue Freiheiten sicherte. Und doch blieb es eine unruhige Zeit, der Konflikt zwischen gemäßigten Menschewiki und radikalen Bolschewiki verschärfte sich. Schon Monate vor der bolschewistischen Oktoberrevolution kam es zu heftigen Straßenschlachten, wie hier im Juli 1917 in Petrograd. Die Unruhen waren von den Bolschewiki angestiftet worden; etwa 400 Menschen starben.

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Gedenken: Russische Soldaten marschieren zur Feier der Februarrevolution durch die Straßen Zarizyns, das 1925 in Stalingrad umbenannt werden sollte.

Foto: imago/ United Archives International
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