Femen expandiert Die deutschen Oben-ohne-Feministinnen
Femen-Aktivistin Josephine Witt beim Boxtraining: In Hamburg und Berlin haben sich junge Frauen zusammengefunden, um auf Femen-Art gegen das Patriarchat zu kämpfen.
Blumenkränze und fliegende Fäuste: Die Hamburger Femen-Frauen wie Antonia trainieren für ihre Oben-ohne-Aktionen bei einem Hamburger Boxverein: Schnelligkeit, Falltechnik, mehr Selbstbewusstsein wollen sie lernen.
Josephine, 19 Jahre alte Philosophiestudentin, sagt: "Wir sind keine Philosophengruppe. Die feministische Szene redet viel über Theorie, wir bringen den Aktivismus zurück."
Boxtrainerin Clarissa war erst skeptisch, ob die Femen-Frauen zu aggressiv für das Leichtkontaktboxen in ihrem Verein sein würden. Am Ende sagt sie, sie sei beeindruckt von der Leidenschaft der Aktivistinnen.
Hellen (l.), 23, ist seit der ersten Femen-Aktion in Deutschland dabei.
Vor dem Training posiert die Gruppe am vergangenen Samstag für ein Kamerateam auf dem Hamburger Rathausmarkt. Auch ein eigener Fotograf ist dabei - die Facebook-Seite wird täglich mit neuen Bildern bestückt.
Die Passanten knipsen mit. Dass diese Femen-Aktivistinnen nicht aus der Ukraine kommen, war den wenigsten Passanten klar. Anne fordert: "Destroy Sex Industry" - zerstört die Sexindustrie.
Irina Khanova ist mit 33 die älteste bei der Hamburger Femen-Frauen und gibt die Kommandos. Hier probt die Gruppe ihre Protestaktionen.
Irina protestiert, die anderen spielen die Security-Leute. "Wenn du weggezogen wirst, mach Dich schwer und strample mit den Beinen", sagt Irina.
Antonia ist an der Reihe. Die Femen-Frauen proben, um bei ihren Aktionen möglichst viel Aufmerksamkeit zu erreichen.
Die letzte Aktion der deutschen Femen-Gruppe: Auf der Hannover-Messe am 8. April versucht eine Aktivistin an einem Bodyguard von Wladimir Putin vorbeizurennen.
Eine Aktivistin schaffte es ganz nah an Russlands Präsidenten und die Bundeskanzlerin heran - die Femen-Gründerin Alexandra Schewtschenko.
Femens Aktionen in Deutschland sorgen für Irritation: Anfang April demonstrierten vor der Ahmadija-Moschee in Berlin für ihren "Topless Jihad Day" - den Oben-ohne-Dschihad-Tag. Das sorgte für Missstimmung unter Musliminnen. Man witterte Bevormundung durch Femen und antiislamische Stimmungsmache.
Femen setzt den weiblichen Körper als Waffe ein. In ihrem Manifest heißt es: "Weibliche Nacktheit, frei vom patriarchalen System, ist der Totengräber dieses Systems, als ein militantes Manifest und ein sakrales Symbol zur Befreiung der Frauen."
Femen-Aktivistinnen vor der Herbertstraße in Hamburg-St. Pauli: Ende Januar zogen die Frauen durch die Rotlicht-Straße. Auf das Tor zur Straße sprühten sie: "Arbeit macht frei." Sie wollten die Zwangsprostitution mit der Zwangsarbeit im "Dritten Reich" vergleichen.
Dann zogen sie mit Fackeln über die Herbertstraße, zu der Frauen der Zugang untersagt ist.
Im November protestierten sie vor dem größten Bordell Europas, dem "Pascha" in Köln. Im Femen-Manifest heißt es, das Patriarchat stütze sich auf politische Gewaltherrschaft, Sexindustrie und Religion.
Die erste Femen-Aktion in Deutschland: Im Oktober in einem Hamburger Ikea-Haus. Der Anlass: Der Möbelkonzern hatte Frauen aus seinem Katalog für Saudi-Arabien retuschiert. Die Resonanz: eher dürftig.