Fernsehgeschichte Als Deutschland auf Sendung ging
Berliner Funkturm in Witzleben: Erster deutscher Fernsehsender und bis heute ein architektonisches Wahrzeichen der Stadt. Hier während einer Veranstaltung 1938.
Paul Nipkow (1860-1940): Aufgewachsen als Sohn eines Bäckermeisters im pommerschen Lauenburg entwickelte er als Student der Mathematik und Naturwissenschaften die Idee einer optisch-mechanischen Zerlegung von Bildern. Nach eigenen Angaben hatte er am Heiligen Abend 1883 plötzlich die Eingebung, mit einer gelochten Scheibe ein Bild in Punkte und Zeilen zu zerlegen - die Geburtsstunde der Nipkow-Scheibe. Seine Entwicklung ließ sich der Tüftler als Rahmen für ein "Elektrisches Teleskop zur elektrischen Wiedergabe leuchtender Objekte" 1885 patentieren. In den folgenden Jahren versuchte er sich immer wieder als Erfinder - erfolglos. Die Abtastscheibe blieb seine einzige große Idee. Die Nazis stilisierten ihn später zum Vater der Television. Nipkow starb 1940 in Berlin und bekam ein Staatsbegräbnis - das vom Fernsehen übertragen wurde.
Historischer Fernseher: Da es in den dreißiger Jahren noch kein geeignetes Aufnahmeverfahren für Live-Sendungen wie die spätere Magnetische Aufzeichnung (MAZ) gab, wurde das Fernsehen der Nationalsozialisten zu einem Medium ohne Gedächtnis. Lediglich wenige vorproduzierte Beiträge auf Film blieben erhalten.
Fernsehen unterm Hakenkreuz: Übertragung auf der Pariser Weltausstellung 1937.
Buntes für die Fernseh-Nation: Anlässlich eines Gastspiels in der Berliner Scala posierten Artisten von Doorlay's Revue "Tropenexpress" im Juli 1938 für die Kamera. Fröhliche Unterhaltung zählte zum Hauptbestandteil des frühen Fernsehprogramms. Ab März 1941 erfreute sich die von Ilse Werner moderierte Varieté-Show mit dem Titel "Wir senden Frohsinn - wir spenden Freude" großer Beliebtheit. Das Live-Programm wurde jeden Freitag aus dem Kuppelsaal des Berliner Reichssportfeldes übertragen.
"Fernsehkanonen" im Berliner Olympiastadion: Olympia 1936 in Berlin - inszeniert als Leistungsschau deutscher Sportler und Technik.
Die Krolloper: Das Gebäude lag am heutigen Berliner Platz der Republik und diente zwischen 1844 und 1951 als Opernhaus, Bühne, Tagungs- und Versammlungsort, während des Nationalsozialismus sogar als Parlament. Hier wurde 1933 das Ermächtigungsgesetz erlassen. Am 18. April 1934 war die Krolloper der Ort der ersten öffentlichen Fernsehübertragung. Im Zweiten Weltkrieg wurde der schlossähnliche Prachtbau schwere beschädigt, die Reste des Komplexes wurden in den fünfziger Jahren gesprengt und abgetragen.
Klavierklänge - jetzt auch im Bild: Henry Halls Gastspiel 1939 in der Berliner Scala gehörte zu den ersten deutschen TV-Übertragungen.
Sommerinterview: Ein Artist aus Doorlay's Revue "Wunder-Rakete" wird im Juli 1939 während eines Gastspiels der Berliner Scala für Fernsehaufnahmen im Sommergarten am Berliner Funkturm interviewt.
Funkausstellung: Reichsminister Joseph Goebbels (rechts am Rednerpult) hält die Eröffnungsansprache. Die Entwicklung des Fernsehens beobachtet er zu dieser Zeit genau. Später wird er in sein Tagebuch notieren: "Phantastisch, was man hier alles zu sehen bekommt. Fernsehen ist die große Zukunft."
Andrang vor der Großbildstelle: Mehr als 160.000 Zuschauer verfolgten in Berlin die Sendungen der Deutschen Reichspost von den Olympischen Sommerspielen 1936.