Fernweh vor 50 Jahren - DER SPIEGEL
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200.000 Kilometer Abenteuer Im Goggo um die Welt

Vier Kontinente, 80 Länder und 200.000 Kilometer: Ausgerechnet im Goggomobil brachen Peter Backhaus und Marlotte Aue 1957 zur Weltreise der etwas anderen Art auf. Das Paar chauffierte Massai-Krieger auf der Motorhaube, trank Champagner mit Scheichs und wehrte crackersüchtige Bären ab. Der Kinofilm, der unterwegs entstand, galt als vernichtet - ein halbes Jahrhundert nach dem Abenteuer ist er wieder zu sehen.
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Bärenhunger: In Nordamerika stießen Peter Backhaus und Marlotte Aue auf Bären. "Ich dachte mir, vielleicht lassen sie sich zu einem Abendessen auf unserer Motorhaube überreden", erinnerte sich Marlotte. "Als Hors d'oeuvre tränkte ich Weißbrot in duftendem flüssigen Honig und siehe da, wir mussten sie gar nicht lange bitten, schon kam eine Mamabärin mit ihren drei Jungen zu einer kleinen Mahlzeit vorbei."

Foto: Christian Verlag
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Marlotte und Peter: Im November 1955 lernen sich Peter Backhaus und Marlotte Aue in einem Hamburger Tanzlokal kennen. Peter war schon Anfang 1953 mit einer Horex 350 durch Indien gereist und plante bereits neue Abenteuer - nun mit Marlotte.

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Deutschland grüßt euch: "Ein arabischer Freund riet uns, auf die Ersatzreifenabdeckung 'Alemania tahajekom', also 'Deutschland grüßt euch' zu schreiben", so Marlotte. Die Idee, mit einem Goggo zu reisen kam von Peter. Ein kleines Auto könne er allein aus einem Schlammloch heben, argumentierte er.

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Kamel statt Goggo: Auf der Fahrt durch Jordanien treffen Peter und Marlotte auf eine Gruppe Männer mit einem Kamel - Marlotte darf sogar aufsteigen. "Als ich mir die entwickelten Fotos ansah, bin ich fast ein wenig erschrocken: Was mag der stolzer Araber wohl von meinem Petticoat gedacht haben?", so Marlotte später.

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Floßfahrt mit dem Goggo: "Glücklicherweise tauchte immer ein Boot auf, das uns rettete, wenn Schnüffelchen keinen Weg mehr fand." Schnüffelchen war der Kosename des Goggomobils von Peter und Marlotte, die hier im indischen Assam unterwegs sind.

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Elefantenkind am Goggo: In Darjeeling, einem der bakanntesten Teeanbaugebiete Indiens, wohnen Peter und Marlotte bei einem englischen Ehepaar auf deren Teeplantage. Zur Plantage gehört auch ein kleiner Elefant, der sofort eine Vorliebe für die Besucher und ihr seltsdames Gefährt entwickelt.

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Mit dem Goggo in Kuala Lumpur: Der Airport der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur - 1959 nur ein Wellblechhangar mit einem Doppeldecker davor. Die Pilotenkappe wird der modebewußten Marlotte gut gefallen haben.

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Tankstopp: Marlotte Aue mit ihrem Goggo an einer Tankstelle im US-Bundesstaat Nevada. "Der alte Ford war noch fahrbereit und zugelassen. Von ihm bis zu unserem modernen Goggomobil war es ein weiter Weg", so Marlotte später.

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Bei den Nachfahren der Inka: In Sacsahuaman - nach Machu Picchu die berühmteste Inka-Festung - freunden sich Marlotte und Peter mit direkten Nachkommen der Inkas an. Die Kinder sind vom Goggo begeistert.

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Bei den Massai: Als Peter Backhaus und seine Freundin Marlotte die Umgebung Kibokos erkunden, treffen sie auf zwei Massai-Hirten, die sie auf der Motorhaube ihres Goggo in ihr Dorf fahren - Anlass für ein kleines Fest unter Freunden.

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Transvaal, Südafrika: Gute Bereifung ist in Wüste immer von Vorteil - nicht nur für Aumobile. In Transvaal treffen Marlotte und Peter auf eine Gruppe von Mädchen der Ndebele.

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Autopanne in der Sahara: Häufig bleibt das Goggo im losen Wüstensand stecken, wie hier im Tschad. Dann hilft die lokale Bevölkerung in aller Regel gerne - mit Tat, oder wie in diesem Fall, eher mit Rat.

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SS Tjisadane: Wohl oder übel geht ein Teil der Weltreise im Goggo per Schiff vonstatten - wie hier wird der "Gitano" in Rio de Janiero zur Fahrt nach Afrika verstaut. Auch der letzte Teil der Reise von Lagos in die Heimat fand an Bord eines Frachters statt.

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Empfang im Automobilwerk: Während ihrer gut viereinhalbjährigen Fahrt um die Welt gelten Peter Backhaus und Marlotte Aue beim Goggo-Hersteller, den Glas-Autmobilienwerken, als Testfahrer Nummer Eins. Nach ihrer Rückkehr organisiert Senior-Chef Hans Glas einen großen Empfang im Werk in Dingolfing.

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Großes Kino: Im Cinemascope-Breitwandformat kommt der Farbfilm "Traumreise zu Dritt" mit den reiseaufnahmen von Peter und Marlotte Anfang März 1964 in die deutschen Kinos - wie hier in das Hamburger Holi-Kino. Doch alle Kopien des Films werden kurz darauf vernichtet - erst 2006 wird das Rohmaterial wiederentdeckt und der Film rekonstruiert.

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Reise-Buch: "Im Goggo um die Welt. Eine Traumreise iin den 50er-Jahren" von Peter und Marlotte Backhaus in Zusammenarbeit mit Matthias Kirketerp. Christian Kerlag, München 2007, ISBN 978-3-88472-744-7, 24.95 Euro

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?