Filmfotograf Vollmer - DER SPIEGEL
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Fotograf am Set "Ich versuchte immer, unsichtbar zu sein"

Zickige Schauspieler, strahlend schöne Diven, schreiende Regisseure - der Hamburger Jürgen Vollmer hatte in seinen 40 Jahren als Filmfotograf einige denkwürdige Begegnungen am Filmset. Auf einestages erzählt er von seinen Erlebnissen mit den Stars - und zeigt seine besten Aufnahmen.
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Vornehme Zurückhaltung: Johnny Depp, mit dem Vollmer 2000 für "From Hell" zusammenarbeitete, war begeistert von dem Fotografen und wollte ihn für seinen nächsten Film "Don Quijote" buchen. Doch daraus wurde nichts: Der Regisseur Terry Gilliam hatte schon eine andere Fotografin engagiert. "Der Produzent sagte mir zwar, dass Johnny Depp für den Film wichtiger sei, und wenn der mich wolle, könne ich aufs Set. Aber gegen den Willen des Regisseurs den Platz seines Fotografen einzunehmen - das fand ich unerträglich. Da habe ich abgesagt", erinnert sich Vollmer.

Foto: Jürgen Vollmer
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Blick hinter die Kulissen: Regisseur Allan Hughes im Gespräch mit seiner Hauptdarstellerin Heather Graham am Set des Films "From Hell" im Jahr 2000. Fotos wie diese heißen "candid shots". Es sind "heimliche Aufnahmen von den Stars in irgendeiner privaten Situation", wie Setfotograf Jürgen Vollmer erklärt.

Foto: Jürgen Vollmer
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Traumjob: 1981 fotografierte Vollmer die Französin Isabelle Adjani leichtbekleidet am Set von "Feuer und Flamme" in Paris.

Foto: Jürgen Vollmer
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Versteckspiel: "Einmal haben Heath Ledger und ich furchtbar gelacht", erinnert sich Jürgen Vollmer an die Dreharbeiten zu "Sin Eater" 2002 in Rom. Heath (links) saß da, und ihm gegenüber sein Filmpartner Benno Fürmann (rechts) auf einer Couch. Ich hatte mich hinter der Couch versteckt. Ich wusste, wenn alles perfekt belichtet war, konnte ich von da ein paar Fotos machen. Ich hörte "cut!", ging mit meiner Kamera hoch - und Heath guckte mich genau an und fing schallend an zu lachen. Das muss so komisch ausgesehen haben, wie ich da plötzlich mit dem Kopf hochkam."

Foto: Jürgen Vollmer
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Alle Wege führen nach Rom: Der australische Schauspieler Heath Ledger wandelt durch die Straßen der Ewigen Stadt beim Dreh zu "Sin Eater" im Jahr 2002.

Foto: Jürgen Vollmer
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Film "Herr der Gezeiten" 1990: "Barbra Streisand, obgleich sie dieses Divenhafte hatte, war an sich schüchtern, wenn man sie kennenlernte. Sie bat mich ganz lieb, wie ein kleines Mädchen, sie nur von der linken Seite aufzunehmen."

Foto: Jürgen Vollmer
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Plaudern mit Arnie: "1987 war ich am Set von 'Raw Deal' mit Arnold Schwarzenegger. Ich habe es nicht an die große Glocke gehängt, dass ich Deutscher bin. Aber Arnold hat es rausbekommen und dann wahnsinnig gerne und oft in den Drehpausen mit mir Deutsch gesprochen", erinnert sich Vollmer.

Foto: Jürgen Vollmer
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"Who's that girl?": "Mit Madonna habe ich kein einziges Wort gesprochen. Sie war permanent von einer riesigen Clique aus Hairdressern, Assistenten und Bodyguards umgeben - da kam man gar nicht ran. Ich war aber natürlich der einzige Fotograf, der sie fotografieren durfte, während die Paparazzi konsequent abgeschirmt wurden. Einmal haben wir in Harlem auf einem Dach gedreht, und die Paparazzi lauerten auf den umliegenden Dächern."

Das Bild zeigt Madonna am Filmset von "Who's that girl?" 1987 in New York.

Foto: Jürgen Vollmer
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Auf du und du: Vollmer lernte 1966 bei den Dreharbeiten von "Schornstein Nr. 4" Romy Schneider kennen. "Sie hatte mich einmal zur Cocktail-Party eingeladen. Ich gehe aber nie auf Partys. Ich sagte also zu, wusste aber schon, dass ich nicht hingehe. Ich dachte, sie vergisst es. Aber am nächsten Morgen, als ich aufs Set kam, hat sie mich scherzhaft angeschrien und wollte mich schlagen. Ich habe immer gerufen: 'Romy, ich bin krank!' Sie meinte es auch nur im Scherz, aber ein bisschen beleidigt war sie schon."

Foto: Jürgen Vollmer
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Schadenfreude: 1983 wendete Jürgen Vollmer einen Trick an, um dem mürrischen Tom Cruise fürs Foto ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Er tat so, als würde er das Gleichgewicht verlieren, und ließ sich auf den Allerwertesten fallen - dann drückte er den Auslöser und hielt so Cruises berühmtes Strahlemann-Lächeln fest. An dessen Seite: Filmpartnerin Lea Thomson bei "Der richtige Dreh".

Foto: Jürgen Vollmer
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New York, 12 Uhr, die Frisur hält: Hier machte Vollmer 1983 für "Zwei vom gleichen Schlag" einen sogenannten "two shot" von Olivia Newton-John und John Travolta - ein Foto, das die Hauptdarsteller zusammen zeigt.

Foto: Jürgen Vollmer
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Ungleiches Paar: Sylvester Stallone und Dolly Parton posieren 1984 beim Dreh zu "Der Senkrechtstarter" in New York für die Kamera.

Foto: Jürgen Vollmer
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Revolution: 1968 fotografierte Vollmer beim Dreh von "La Chamade - Herzklopfen" (im Bild Catherine Deneuve). "Im Mai war die große Rebellion in Paris. Ich habe mitten im Quartier Latin gewohnt, wo alles seinen Ursprung hatte. Es hatte schon ein paar Jahre vorher angefangen. Es rumorte, immer gab es Demonstrationen. 1968 haben wir gerade mit ...

Foto: Jürgen Vollmer
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...Catherine Deneuve gedreht: "Eines Nachmittags bin ich mit einem Freund über den Boulevard St. Germain gegangen, und plötzlich kam die CRS, eine Spezialeinheit der Polizei. Die hatten sich in Hauseingängen und hinter Autos versteckt und kamen nun von allen Seiten und haben auf alle langhaarigen Jugendlichen eingeschlagen. Ich war überall blau. Ich bin dann entwischt, meinen Freund habe ich aus den Augen verloren. Am nächsten Tag bei den Dreharbeiten habe ich ganz stolz meine blauen Flecken gezeigt", erzählt Vollmer. Auch Catherine Deneuve (vorne im Bild), die damals als schönste Schauspielerin der Welt galt, zeigte Vollmer seinen geschundenen Oberkörper.

Foto: Jürgen Vollmer
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Donnerbalken: "Die lustigste Geschichte habe ich beim Dreh von 'Piraten' 1985 in Tunesien erlebt. Für die Besatzung, die auf dem Boot bleiben musste, gab es zum Lunch Sandwiches. Einmal hatten sie offenbar zu lange in der Sonne gelegen. Als wir nach dem Essen vom Hafen zurückkamen, sah ich die Galeone, und über der Reling hingen all diese nackten Hintern. Ich dachte mir, was machen die denn da? Die Sandwiches waren verdorben und alle hatten Durchfall. Es gab aber nur eine oder zwei Toiletten und die waren völlig überfüllt." Das Foto zeigt Walter Matthau als einen der Freibeuter.

Foto: Jürgen Vollmer
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Impulsive Persönlichkeit: "Roman Polanski schrie sehr oft. Er sich die Haare gerauft, und alle waren mucksmäuschenstill", erinnert sich Vollmer an den Regisseur von "Piraten" (im Bild vorne im weißen Unterhemd)."Ich will aber nichts Schlechtes über ihn sagen. Wenn man mich fragen würde, wer der interessanteste Mensch ist, den ich in meinem Leben getroffen habe, würde ich wahrscheinlich Polanski sagen. Er hatte so eine Glamour-Ausstrahlung, war 50, sah aber viel jünger aus. Jeden Tag trainierte er mit einem tunesischen Boxer. Er hatte einen tollen Körper, lief die meiste Zeit nur mit einer kleinen Badehose herum. Furcht konnte man schon vor ihm haben, aber das machte ja auch einen Teil seiner interessanten Ausstrahlung aus."

Foto: Jürgen Vollmer
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Drama beim Dreh: Eleanor Coppola besucht 1987 ihren Mann, den Regisseur Francis Ford Coppola, am Set zum Film "Der steinerne Garten" in Washingthon D. C. Im Jahr zuvor war bei den Dreharbeiten zum selben Film ihr gemeinsamer Sohn Gian-Carlo Coppola bei einem Motorboot-Unfall tödlich verunglückt. "Coppola war natürlich vollkommen am Boden zerstört, aber er sagte: 'Das einzige, was mich ablenkt, sind die Dreharbeiten.' Also gingen sie weiter", erzählt Jürgen Vollmer.

Foto: Jürgen Vollmer
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Sexy mit Schnauzbart: Vollmer fotografierte nicht nur an Filmsets, sondern machte auch Reportageaufnahmen. Hier hielt er 1975 die ausgelassene Stimmung in einem Stripclub in New York fest.

Foto: Jürgen Vollmer
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Paris in den Sechzigern: 1961 zog Vollmer in die französische Hauptstadt. "Ich habe am Anfang jahrelang Rock'n'Roll-Fans fotografiert, das war meine erste große Arbeit. Das machte ich viel lieber, weil es meine völlig eigene Arbeit war, meistens Reportagefotos. Ich konnte da meine Philosophie zum Ausdruck bringen, wie ich das Leben sah. Die Einsamkeit der Menschen, Lebensfreude oder die Sehnsucht nach Sex, dieser Frust, dass man sich ständig in einem Sehnsuchtsstadium befindet und die Erfüllung nur kurzzeitig ist. Deswegen war es natürlich viel interessanter, solche Fotos zu machen, nur konnte ich damit kein Geld verdienen." 1966 begann Vollmer dann als Setfotograf zu arbeiten.

Foto: Jürgen Vollmer
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Im Ruhestand: Von 1966 bis 2006 arbeitete der gebürtige Hamburger Jürgen Vollmer als Setfotograf. Heute gibt er Jugendlichen ehrenamtlich Englischunterricht. Das Bild zeigt ihn im Jahr 2010.

Foto: Papik Manukian
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?