Filmkult "Bruceploitation" Angriff der Klonkrieger
Gib dem Drachen Feuer: Mit seinem Film "Enter the Dragon" von 1973 schaffte der in Hongkong aufgewachsene Kampfsportler Bruce Lee seinen Durchbruch in der westlichen Welt. Der Film war die erste Kooperation zwischen einem chinesischen Filmstudio, der Firma Golden Harvest, und einem großen Hollywoodstudio, Warner Brothers. Das Experiment glückte: Der Film löste in den USA und Europa einen wahren Kung-Fu-Boom aus und machte Lee zum Superstar. Leider hatte er jedoch keine Gelegenheit, diesen Ruhm mitzuerleben, denn...
...Lee verstarb nur sechs Tage vor der Premiere: Am 20. Juli 1973 beklagte sich der Schauspieler, hier in einer Szene aus seinem Erfolgsfilm "Enter the Dragon", über Kopfschmerzen und bekam von einer Kollegin eine Schmerztablette. Er legte sich hin und konnte nicht mehr aufgeweckt werden. Die Ärzte stellten später fest, dass er an einem Gehirnödem verstorben sei, das durch eine Unverträglichkeit mit dem Schmerzmittel ausgelöst worden sein könnte.
Unsterblicher Star: Das Ableben Lees stellte die asiatische Filmindustrie vor ein Problem - gerade jetzt, wo es ihnen gelungen war, ein westliches Massenpublikum anzusprechen, war ihnen der Star abhanden gekommen. Sofort bemühten sie sich, Bruce-Lee-Doppelgänger aufzustöbern, mit denen sie auch ohne den verstorbenen Schauspieler Bruce-Lee-Filme drehen konnten. Dabei bemühten sich die Filmemacher, ihr jeweiliges Double als die einzig wahre Bruce-Lee-Kopie herauszustellen: In "Exit the Dragon, Enter the Tiger" von 1976 etwa befiehlt der verstorbene Bruce Lee - der in Aufnahmen von seiner realen Beerdigung gezeigt wird - in einer Vision einem seiner Lehrlinge, seine Mörder zu finden. Die Rolle verlangte Hauptdarsteller Ho Chung Tao einiges ab,...
...unter anderem seinen Namen: Für sein neues Leben als Aushilfs-Bruce-Lee musste Tao, hier auf dem deutschen Cover von "Exit the Dragon, Enter the Tiger" sich das Pseudonym "Bruce Li" zulegen. Offenbar hatten die Filmemacher nichts dagegen einzuwenden, dass das Publikum ihn mit dem echten Bruce Lee verwechseln könnte. Entsprechend erinnerte auch der Titel des Films frappierend an den Bruce-Lee-Kinohit "Enter the Tiger", der in Deutschland als "Der Mann mit der Todeskralle" lief.
Seelenwanderung: Als Bruce Li wurde Ho Chung Tao, der eigentlich Turnlehrer werden wollte, zum beliebtesten unter der stetig wachsenden Armee von Bruce-Lee-Klonen, die das asiatische Kung-Fu-Kino bevölkerten. Er trat in etlichen abstrusen Bruceploitation-Filmen auf, wie hier 1977 in "Soul Brothers of Kung Fu". In dem Film nehmen zwei illegale Einwanderer in die USA den Kampf gegen das organisierte Verbrechen auf, nachdem ein Junge, mit dem sie sich angefreundet haben, sich einer Triade anschließt.
Fettfilm: 1978 lieferte Sammo Hung, der ehemalige Kampfchoreograf Bruce Lees, seinen eigenen satirischen Beitrag zur Bruceploitation-Filmströmung. Der beleibte Hung spielt darin den Schweinefarmer Ah Lung, einen passionierten Bruce-Lee-Fan, der mit seinen Kung-Fu-Künsten das Restaurant seines Onkels vor Bösewichten beschützt. In Deutschland erschien der Film unter dem nicht minder peinlichen Namen...
..."Der kleine Dicke mit dem Superschlag": Der deutsche Titel des hierzulande erst in den Achtzigern erschienenen Films spielte dabei statt auf einen Bruce-Lee-Kampfsportfilm auf die in Deutschland beliebte Klamauk-Komödie "Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh" an. In seinem Entstehungsjahr 1978 war Humor in Kung-Fu-Filmen noch ein völlig neues Konzept. Erst der im gleichen Jahr veröffentlichte Jackie-Chan-Film "Drunken Master" sollte den Kampfsport-Klamauk salonfähig machen - und Chan zum neuen Superstar des Hongkong-Kinos.
Bruce schlägt zurück: In Bruceploitation-Filmen wurde jeder noch so zurechtgebogene Anlass dazu genutzt, die Handlung irgendwie mit dem echten Bruce Lee in Verbindung zu bringen. "Bruce Lee Fights Back from the Grave" von 1976 etwa beginnt damit, dass ein Blitz das Grab von Bruce Lee trifft. Ohne erkennbaren Zusammenhang mit diesem Ereignis verbringt dann den Rest des Filmes der Kung-Fu-Lehrer Wong Han damit, den Tod eines Freundes zu rächen.
Superbruce rettet die Welt: In "Bruce Lee Against Supermen" von 1975 rettet Aushilfs-Bruce-Lee Bruce Li den entführten Dr. Ting, der eine Geheimformel gefunden hat, um Hungersnöte zu besiegen. Unterstützt wird er dabei von zwei Superhelden-Freunden in Strumpfhosen, die sich beide als "die grüne Hornisse" bezeichnen. Zu absurd, um geklaut zu sein? Von wegen: Der Film bediente sich kräftig bei der Fernsehserie "The Green Hornet", in der der echte Bruce Lee von 1966 bis 1967 auftrat.
Ein Bruce kommt selten allein: Ein echtes Feuerwerk der falschen Bruce Lees war der Bruceploitation-Streifen "The Clones of Bruce Lee" von 1977, der in Deutschland als "Bruce Lee - seine Erben nehmen Rache" lief. Hier spielten die populären Bruce-Lee-Doubles Bruce Le und Dragon Lee Seite an Seite mit dem weniger bekannten Bruce Lai und Bruce Thai. Diese geballte Bruce-Power war durch die Handlung des Films erforderlich geworden: Im Film war es nämlich Wissenschaftlern mit Zellen aus dem Körper des toten Kung-Fu-Stars gelungen, ein Einsatzteam von Bruce-Lee-Klonen zu züchten.
Meisterwerk des Schwachsinns: Der ungekrönte König der abwegigen Bruceploitation-Plots ist "The Dragon Lives Again" von 1977. In dem bizarren Streifen kommt Bruce Lee nach seinem Tod in die Hölle, eröffnet dort ein Fitness-Center und muss gegen Clint Eastwood, James Bond und Dracula kämpfen.
Neue Dimensionen der Leichenfledderei: Der Ruhm, den Bruce Lee 1973 posthum mit "Enter the Dragon" erntete, färbte auch auf die Nebendarsteller ab. Oft versuchten sie anschließend, mit Bruceploitation-Filmen ihre Karriere auszubauen - wie im Fall von Darsteller Jim Kelly: Er hatte in "Enter the Dragon" den schwarzen Bürgerrechtsaktivisten Williams gespielt, der auf der Flucht vor rassistischen Polizisten auf die Insel des exzentrischen Millionärs Han geflohen war. 1978 versuchte er, mit dem Science-Fiction-Film "Death Dimension" einen weiteren Kampfsporthit nachzulegen. Und auch, wenn man sich die Mühe gemacht hatte, mit einem Bruce Lee erinnernden Portrait in der Ecke des Plakats zu suggerieren, der Meister sei für diesen Film noch einmal auferstanden, blieb der große Erfolg aus: Weder "Death Dimension" noch einer von Kellys anderen Filmen sollte je wieder die Popularität von "Enter the Dragon" erreichen.
Von allen guten Geistern verlassen: Einer der Profiteure des Kung-Fu-Booms, den Bruce Lees "Enter the Dragon" auslöste, war zweifellos David Carradine, Hauptdarsteller der kurz vor dem Kinofilm angelaufenen Fernsehserie "Kung Fu". Im Zuge des beginnenden Kampfsportfiebers in den USA und Europa wurde die Serie zum Kult - und Carradine zum Star. Auch er versuchte, in Bruceploitation-Filmen seine Karriere auszubauen - wie hier in dem Fantasy-Kung-Fu-Film "Circle of Iron" von 1978. Obwohl Bruce Lee bereits seit fünf Jahren tot war, wurde einmal mehr irgendwie sein Name mit auf das Plakat gemogelt - in diesem Fall mit dem Gütesiegel "Bruce Lee's Geist lebt weiter in... Circle of Iron".
Nicht von Pappe: Als Bruce Lee im Sommer 1973 starb, ließ er den halb vollendeten Film "Game of Death" zurück. Die Produzenten beschlossen, den Film trotz des Ablebens seines Hauptdarstellers fertigzudrehen - mit Archivaufnahmen, Doubles, deren Gesichter nicht gezeigt oder mit Sonnenbrillen bedeckt wurden - und sogar Pappfiguren von Bruce Lee, die bei einigen Szenen im Hintergrund aufgestellt wurden. Der Film wurde 1978 veröffentlicht - und ein so großer Hit, dass 1981 sogar noch eine Fortsetzung gedreht wurde.
Der Strampelanzug Gottes: Bruce Lee wollte den Film "Game of Death" nutzen, um seine selbst entwickelte Kampfkunstform Jeet Kune Do vorzuführen - im Rahmen eines abendfüllenden Kampfes über die fünf Ebenen einer mit Gegnerscharen gefüllten Pagode. Auf der obersten Ebene erwartete ihn schließlich ein Endkampf gegen den Basketball-Star Kareem Abdul-Jabbar, links. Der gelbe Trainingsanzug, den Lee in dem Film trug, wurde zum Fetisch für Fans und wurde bis heute etliche Male in Filmen kopiert - von Bruceploitation-Streifen wie "Soulbrothers of Kung Fu" bis zu Mainstream-Blockbustern wie "Kill Bill".
Hauptrolle für eine Leiche: Für die Fortsetzung "Game of Death 2" von 1981 wurden aus den Tiefen eines Filmarchivs noch 30 Minuten unveröffentlichtes Bruce-Lee-Material hervorgekramt und ein Film mit neuen Szenen darum gebastelt. Doch nicht nur ein Teil der Filmaufnahmen war geklaut: Auch bei dem Soundtrack hatten sich die Filmemacher kräftig bei älteren Quellen bedient - etwa bei der Filmmusik von "Die Körperfresser kommen" von 1978 und dem Horrorfilm "Voodoo Child" von 1970.
Le Bruce: Während der Bruceploitation-Welle überfluteten zahllose mehr oder weniger überzeugende Bruce-Lee-Imitatoren die Filme des Hongkong-Kinos. Nur wenige brachten es jedoch zu Bekanntheit - wie Bruce Le, der eigentlich Huang Kin Long hieß, und 1982 die Hauptrolle spielte in "Bruce Le Fights Back", einer chinesisch-französischen Co-Produktion. In dem Film reist er als geläuterter Verbrecher um die Welt, um seine entführte Freundin - die Tochter eines amerikanischen Botschafters - aus den Fängen einer Verbrecherbande zu befreien.
"Dragon Lee vs. the Five Brothers": Der Koreaner Dragon Lee, der eigentlich Mun Kyong-sok hieß, zählte neben Bruce Li und Bruce Le zu den bekanntesten Doppelgängern des Bruceploitation-Kinos. 1978 spielte er die Hauptrolle in "Dragon Lee vs. the Five Brothers", der in Deutschland als "Das tödliche Urteil der Eisenfaust" lief. Unter Fans wurde Dragon Lee vor allem beliebt durch seine...
...Übertreibung von Bruce-Lee-Manierismen: Dragon Lee, der auch unter dem Namen Bruce Lei in Bruceploitation-Filmen mitwirkte, war ursprünglich reiner Kampfsportler gewesen, bis ihn eines Tages ein Mann in einem Kino darauf ansprach, dass er verblüffende Ähnlichkeit mit Bruce Lee habe. Über diese Zufallsbekanntschaft knüpfte Lei Kontakte zu einigen Filmproduzenten in Hongkong und schaffte so den Einstieg ins Filmgeschäft. Das Bild zeigt ihn in der Hauptrolle des Films "Bruce Lee - Die Todesklaue des Tigers" von 1980.
Pssst: Diese Ninjas sind wirklich streng geheim - man kann sie weder sehen noch hören. Es sei denn, man ist Dragon Lee in "The Secret Ninja", einem Bruceploitation-Streifen aus dem Jahr 1982. Als Kämpfer Dragon Kong nimmt Dragon Lee hier Teil an einem von einem Millionär veranstalten Kampfsportturnier. Als jedoch unerwartet die liebreizende Tochter des Millionärs entführt wird, wird Dragon zum Gesetzeshüter und stellt den Gangstern nach.
Der Drache explodiert - schon wieder: 1976 spielte Bruce Li in "Bruce Lee - Super Dragon" den Bruce-Lee-Fan Stone, der nach dem Tod seines Idols am Boden zerstört ist. Nachdem er einen Abend lang versucht, seine Trauer im Alkohol zu ertränken, erscheint ihm der verblichene Kampfsportstar in einer Vision - und beauftragt ihn, die Umstände seines Todes zu klären. Die Handlung des Filmes war damit beinahe identisch zu dem Film "Exit the Dragon, Enter the Tiger", der im gleichen Jahr in die Kinos kam - und in dem ebenfalls Bruce Li die Hauptrolle spielte.
Gleicher Drache, neuer Titel: "Bruce Lee - Super Dragon" lief unter diversen verschiedenen Titeln im Kino - unter anderem auch als "Bruce Lee, We Miss You", "Bruce Lee - Er bleibt der Größte" und, wie auf diesem Plakat, "The Dragon Dies Hard". Laut Plakat explodiert hier jedoch nicht nur, wie in "Bruce Lee - Super Dragon", der Drache selbst, sondern gleich auch noch die Wahrheit.