Filmpionier Méliès Der Magier mit der Kamera
Das haut ins Auge: Die unsanfte Landung der Mondlandefähre im Auge des Mondes ist eine Ikone der Filmgeschichte. Doch "Die Reise zum Mond" ist bei weitem nicht der einzige Klassiker des Filmpioniers Méliès.
Runterfallen auf die Erde: "Die Reise zum Mond" von 1902 gilt als erster Sci-Fi-Film der Geschichte. Seine Inszenierung fasziniert bis heute - mitunter auch durch die herrliche Naivität, mit der der Stoff behandelt wird.
So können die Wissenschaftler von der Erde etwa auch auf dem Mond ganz selbstverständlich atmen. Und das Projektil, mit dem sie auf den Mond geschossen wurden, fällt von dieser Mondklippe einfach wieder auf die erde zurück. Doch erst, wenn der Außerirdische (rechts im Bild) abgehängt ist.
Der Bühne verbunden: Georges Méliès verstand die Magie des Films wohl wie kein anderer Zeitgenosse. Doch trotz aller filmischen Effekte, sind seine Filme sehr dem Theater verhaftet.
Während andere Regisseure draußen filmten, richtete er seine Kamera stets starr auf das Geschehen auf einer Bühne. Er ließ aufwendige Dekorationen herstellen, häufte einen gigantischen Fundus an Verkleidungen und Kulissen an, ließ seine Figuren gerne auch mal durch eine Falltür verschwinden. Auch die Raucheffekte, die er immer wieder in seinen Filmen einsetzte, waren letztlich ein Bühnentrick.
Schustern, zaubern, filmen: Bis zu seinem 28. Lebensjahr schuftet Georges Méliès im Geschäft seines Vaters. Mit einem Laden für edles Schuhwerk hat es die Familie zu Reichtum gebracht - doch Méliès schielt nach einem anderen Handwerk als der Schusterei.
Nachdem er auf einer Reise nach London die Show eines Magiers besucht hat, lernt er in seiner Freizeit das Zaubern. Als sein Vater sich 1888 zur Ruhe setzt, zieht auch Georges sich aus dem Familiengeschäft zurück. Seinen Anteil verkauft er an seine Brüder und übernimmt das legendäre Theatre Robert-Houdin.
Bald treten dort einige der berühmtesten Illusionisten Frankreichs auf. Méliès selbst arbeitet als Direktor, Produzent, Autor und Kostümdesigner. Zudem tritt er regelmäßig als Zauberkünstler auf und kreiert mehr als 30 eigene Zaubertricks. Sein erfolgreichster Trick ist der Mann, der seinen Kopf verliert - und dennoch weiterspricht. Doch dieses Kunststück war nichts im Vergleich zu den Illusionen, mit denen er die Zuschauer seiner Filme verzaubern sollte.
Der doppelte Méliès: Im Jahre 1896 nahm die Entwicklung des "Kinematographen" eine entscheidende Wendung. Georges Méliès machte den Film zum Schauspiel. In seinem Studio in Montreuil entstanden mehr als 500 Filme, die den Weltruhm des Regisseurs begründeten.
Filmausschnitt aus der Arte-Sendung "Der erste Magier der Leinwand: Georges Méliès" (1997)
Früher Farbfilm: Méliès war ein Perfektionist. Dazu gehörte auch, dass er von einigen seiner Filme schon sehr früh, sehr detailliert gestaltete Farbkopien anfertigen ließ. Allerdings nur wenige. Denn jeder einzelne Filmstreifen musste Bild für Bild, Detail für Detail von Hand koloriert werden.
Dieser Filmstreifen ist die einzige Farbkopie, die bisher von "Die Reise zum Mond" von 1902 aufgetaucht ist. Die Filmrolle wurde in den neunziger Jahren in Barcelona entdeckt. Vor Kurzem wurde sie restauriert.
Fast vergessen: Das Bild zeigt Georges Méliès vermutlich 1929. Zu dieser Zeit hatte der französische Filmpionier seit mehr als 15 Jahren keinen Film mehr gedreht. Stattdessen betrieb der Kinovisionär einen mäßig laufenden kleinen Laden für Spielzeug und Naschwerk in der Metrostation Montparnasse.
Bewegt vom Film: Am 28. Dezember 1895 war Méliès im Grand Café in Paris bei einer der bedeutendsten Premieren in der Geschichte der Unterhaltung anwesend. Dort veranstalteten die Brüder Lumière die erste öffentliche Kinovorstellung. Méliès erkannte das Potential der Erfindung sofort. Direkt nach der Vorstellung stürmte er nach vorn und bot den Erfindern sofort die unglaubliche Summe von 10.000 Francs für ihre Kamera.
Szene aus Georges Méliès' "Cyclone" von 1905
Ganz großes Kino: Zu einer Zeit, als andere Regisseure sich noch mit dem Abfilmen von spärlich inszenierten Alltagsszenen begnügten, machte Méliès aufwending gestaltete Filme voller Tricks und Dekorationen.
Leuchtende Augen: Kurz nach der Erfindung des Films hatten die großen Pioniere des neuen Mediums Thomas Edison und die Brüder Lumière kein großes Vertrauen in ihre Erfindung. Beide versuchten, mit dem Kinematographen Geld zu verdienen, so lange der Hype dauerte. Erst Méliès erkannte die magischen Möglichkeiten des neuen Apparats und führte sie zur Meisterschaft.
Ein Porträt des französischen Filmpioniers Georges Méliès, 1930