Wahre Begebenheiten Der echte Exorzist
"Ich hasse Schlangen!": Der von Harrison Ford gespielte abenteuerlustige Archäologe Henry Jones erschien erstmals 1981 im Kino - in "Jäger des verlorenen Schatzes". Mit Peitsche und Revolver kämpfte sich der hemdsärmelige Gelehrte durch fremde Dschungel, Horden von Banditen und fallenstarrende Tempelanlagen. Nur eines jagte dem todesmutigen Schatzjäger panische Angst ein: Schlangen. Nicht nur diese Eigenschaft teilte Jones mit seinem realen Vorbild, dem Paläontologen und Entdeckungsreisenden ...
... Roy Chapman Andrews: Andrews arbeitete in den zwanziger und dreißiger Jahren als Hausmeister des American Museum of Natural History in New York. Ständig bemühte er sich, auf eigenen Entdeckungsreisen die Sammlung des Museums zu erweitern: Im Dschungel von Ostindien jagte er nach Schlangen, in der Arktis nach Walen und in der Wüste Gobi entdeckte er 1923 als erster Forscher der Welt versteinerte Dinosauriereier. Der draufgängerische Forscher, der sich schon mal mit Banditen Schussgefechte lieferte oder mit Riesenschlangen kämpfte, galt als ausgesprochener Frauenheld - zahlreiche Affären wurden ihm nachgesagt.
Teuflisch gruselig: William Friedkins "Der Exorzist" von 1973 gilt als einer der furchterregendsten Horrorfilme aller Zeiten. Im Film ergreift der Teufel Besitz von der Seele der zwölfjährigen Regan McNeil (gespielt von Linda Blair) - mit erschreckenden Folgen: Das Nette kleine Mädchen verwandelt sich immer mehr in einen gewalttätigen Zombie, der seine Gliedmaßen auf bizarre Weise verdreht, über dem Bett schwebt, Menschen durch die Luft schleudert und Gegenstände mit Gedankenkraft verschiebt. Schließlich vollzieht Pater Karras einen Exorzismus an ihr und schafft es schließlich, den Leibhaftigen auszutreiben - indem er sein eigenes Leben opfert. So bizarr die Handlung auch klingt, im Kern ...
... geht auch sie auf eine wahre Begebenheit zurück: Im Jahr 1949 wurde in St. Louis ein 13-jähriger Junge exorziert. Die beteiligten Priester (hier in einer Rekonstruktion aus "Geschichte made in Hollywood") hielten in einem detaillierten Tagebuch fest, der Junge habe nicht nur mit verzerrter Stimme gesprochen und übermenschliche Kräfte an den Tag gelegt, auch seien auf seinem Körper unerklärliche Narben und Kratzer erschienen, die zum Teil Wörter gebildet hätten. Nachdem die Geistlichen insgesamt vier Wochen lang jede Nacht stundenlang am Bett des Jungen lateinische Gebete rezitiert hätten, hätte er plötzlich mit der Stimme des Erzengels St. Michael gesprochen und sei erlöst gewesen. Das wenig beachtete Tagebuch gelangte Jahre später in die Hände von ...
... Autor William Peter Blatty: Blatty (hier auf einem Bild aus der Doku "Geschichte made in Hollywood" von 2008) kontaktierte William Bowdern, den Priester, der damals den Exorzismus durchgeführt hatte, und der bestätigte ihm nachdrücklich die Echtheit der Aufzeichnungen. Der Autor, der sich selbst damals in einer Glaubenskrise befand, fühlte sich durch das Dokument erneut in seinem Glauben gestärkt und verfasste davon ausgehend den Roman "Der Exorzist", der 1973 verfilmt und zu einem Horrorklassiker wurde. Bis heute glaubt Blatty an die Echtheit des Falles, doch es gibt auch skeptische Stimmen: So erklärt in der Dokumentation der Neurologe Michael Persinger, das vermeintlich "besessene" Verhalten des Jungen gehe auf krampfartige Anfälle zurück, die durch die Anwesenheit der Priester sogar noch verstärkt worden seien.
Geboren, um zu töten: In dem Actionthriller "Die Bourne Identität" spielte Matt Damon (links) im Jahr 2002 Jason Bourne, der im Rahmen der "Operation Treadstone" von einer illegal operierenden Geheimzelle des CIA zu einem Killer ohne Gedächtnis ausgebildet wurde, der auf Schlüsselreize hin vorprogrammierte Aufträge ausführt. Als Bourne sich jedoch seinen Auftraggebern widersetzt, gerät er selbst ins Kreuzfeuer der Männer, die ihn seines Gedächtnisses beraubt haben. So sehr der Plot auch nach Agentenfilmklischees klingt, er basiert doch ...
... auf mehreren wahren Begebenheiten: Zum einen basieren viele schockierende Details der "Ausbildung" Bournes zum Killer auf realen Trainingsprogrammen der US-Regierung. So wird etwa die Folter, der Jason Bourne im Film unterzogen wird, tatsächlich im Rahmen des SERE-Trainings des amerikanischen Militärs - kurz für "Survival, Evasion, Resistance, Escape" - angewandt: In einer Trainingssituation werden Soldaten hier durch Schlafentzug, extreme Temperaturen und selbst Waterboarding zu Geständnissen genötigt und sollen so lernen, in einer realen Foltersituation später rationaler auf die Misshandlungen reagieren zu können. Doch damit nicht genug, denn selbst die CIA-Gedankenkontrolle in der "Bourne Identität" ...
... hat ganz reale Wurzeln: So wurden im Rahmen des CIA-Projekts MKULTRA 20 Jahre lang Versuche gemacht, bei denen Testsubjekte unfreiwillig Manipulationen unterzogen wurden. Ein mutmaßliches Opfer dieser Misshandlungen im Regierungsauftrag war Karen Wetmore (hier in einem Interview aus der Doku "Geschichte made in Hollywood"), die in den Siebzigern aufgrund einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung im Vermont State Hospital war und dort von Ärzten, die in Verbindung zu MKULTRA standen, unter anderem mit Hilfe von Elektroschocks zweifelhaften Behandlungen unterzogen wurde. Seit über zwölf Jahren kämpft Wetmore, deren Erinnerungen an jene Zeit bis heute lückenhaft ist, darum, Misshandlungen durch die CIA nachzuweisen.
Das Haus mit dem bösen Blick: 1979 kam der Horror-Schocker "Amityville Horror" in die Kinos. In dem Film, der wie der zu Grunde liegende Roman "The Amytiville Horror: A True Story" damit warb, auf wahren Begebenheiten zu beruhen, zog die junge Familie Lutz in ein Haus in der Kleinstadt Amityville, in dem 13 Monate zuvor Ronald DeFeo Jr. seinen Vater, seine Mutter, zwei Brüder und zwei Schwestern getötet hatte. Schon bald nach ihrem Einzug wird die Familie Lutz Zeuge immer beunruhigenderer paranormaler Phänomene. Zunächst ...
... hören sie nur seltsame Geräusche, doch schon bald spitzen sich die Ereignisse zu: Räume füllen sich mit Fliegen, glühende Augen erscheinen in den Fenstern des Hauses, und schwarzer, blubbernder Schleim läuft aus Löchern in den Wänden. Nachdem Familie Lutz einen versteckten, blutrot gestrichenen Raum unter der Treppe des Hauses entdeckt, wird das Verhalten des Vaters George, gespielt von James Brolin, immer seltsamer, bis er schließlich seine eigene Familie angreift. Geschehnisse, die unglaublich scheinen, und doch geht "Amityville Horror" ...
... auf eine wahre Begebenheit zurück: Tatsächlich hatte Ronald DeFeo Jr. hier 1974 seine Verwandten ermordet. Und tatsächlich war ein Jahr später die Familie Lutz hier eingezogen und hatte bereits nach 28 Tagen wieder das Haus verlassen - mit der Behauptung, es spuke dort. Über den Wahrheitsgehalt ihrer Berichte wird jedoch seither kontrovers gestritten. Scharen von Reportern und vermeintlichen Geisterjägern untersuchten seither das Gebäude - wie die Fernseh-Hellseherin Lorraine Warren, hier auf einem Foto von 2008 auf der Veranda des angeblichen Spukhauses. Es glückte jedoch nie, Belege für die von Familie Lutz behaupteten paranormalen Phänomene zu finden.
Filmreife Flucht: In "Flucht von Alcatraz" trat Clint Eastwood 1979 als hochintelligenter Bankräuber Frank Morris auf, der im als ausbruchssicher geltenden Gefängnis Alcatraz inhaftiert wird. Mit Hilfe zweier Mithäftlinge, der Brüder John und Clarence Anglin, vollbringt Morris im Film das Unglaubliche - einen Ausbruch aus Alcatraz. In dem Film, der tatsächlich auf einem realen Ausbruchsversuch beruhte, wird Morris als der Urheber des Fluchtplans dargestellt, doch in Wirklichkeit ...
... hatte jemand anderes den Plan ersonnen: Allen Clayton West (links im Bild in dieser nachgestellten Szene), ein Autodieb, hatte nach mehreren vorangegangenen Fluchtversuchen einen ausgefeilten Plan ausgeheckt, der es möglich machen sollte, von der Gefängnisinsel vor San Francisco mit einem selbstgebauten Floß aus Regenmänteln auf das Festland zu gelangen. Er weihte die Brüder John und Clarence Anglin (Mitte, rechts) ein, blieb aber als einziger bei der Ausführung der Flucht am 12. Juni 1962 zurück. Es wurde nie endgültig geklärt, ob er von seinen Mitflüchtlingen ausgetrickst und zurückgelassen worden war, oder ob er schlicht kein Vertrauen in das notdürftig gebastelte Schwimmgerät hatte und freiwillig im Gefängnis blieb. Und auch, wenn West durch den Erfolg des Filmes keine Anerkennung für seinen Plan genoss, war dieser doch ...
... schlicht genial: Mit einfachsten Mitteln schafften es die Häftlinge, alle Hürden des berühmten Hochsicherheitsgefängnisses zu überwinden. Aus Löffeln fertigten sie Werkzeuge, mit denen sie Fluchtlöcher in den Beton ihrer Zellenwände kratzten. Aus lackiertem Papier bauten sie gefälschte Lüftungsgitter, mit denen sie diese offengelegten Wege vor den Wächtern versteckten. Und mit Kopfattrappen wie dieser, die sie in der Nacht der Flucht in ihre Betten legten, überzeugten sie die Nachtwachen, dass sie noch immer in ihren Zellen lagen. Am Ende nützte ihnen jedoch all dies nichts: Aller Wahrscheinlichkeit ertranken Frank Morris, John und Clarence Anglin bei ihrem Fluchtversuch in der starken Strömung der eiskalten Bucht von San Francisco.
Spielgefährten: In "Casino" zeigte Regisseur Martin Scorsese 1995 die hässliche Seite der Neonmetropole Las Vegas. Die befreundeten Mafiosi Ace Rothstein und Nicky Santoro (Robert De Niro und Joe Pesci, von links) steigen im Las Vegas der späten Siebziger in das Geschäft mit dem Glückspiel ein. Doch während Nicky sich immer mehr in Gewalt und Drogen verliert und Ace sich hoffnungslos in eine Prostituierte verliebt, geraten die Ereignisse immer stärker außer Kontrolle, bis einer von ihnen ihre Exzesse schließlich mit dem Leben bezahlt. Die realen Wurzeln des Films ...
... gehen auf das Leben von Tony Spilotro zurück: In den siebziger Jahren agierte er als verlängerter Arm der Chicagoer Mafia in Las Vegas. Seine Aufgabe war es den Anteil der Mafia an Casinoeinnahmen - den sogenannten "Skim" - zu sichern. Doch obwohl er angewiesen worden war, sich unauffällig zu verhalten, brach mit Spilotro (in der Mitte, hier in einer Rekonstruktion der Serie "Geschichte made in Hollywood") eine Welle der Gewalt über Las Vegas herein: Während seiner ersten drei Jahre in der Stadt wurden dort mehr Menschen in Morden des organisierten Verbrechens getötet als in den vorangegangenen 25 Jahren zusammen. Und wie in Nicky Santoro in "Casino" bezahlte auch Spilotro seine Exzesse am Ende mit dem Leben.
Ein Mann sieht rot: In "Jagd auf Roter Oktober" spielte Sean Connery (hinten im Bild) 1990 den sowjetischen Kapitän Marko Ramius, der im Jahr 1984 an Bord des hochmodernen und ortungssicheren U-Boots Roter Oktober eine Meuterei anzettelt und versucht, mit seiner Crew in die USA überzusetzen. Während das gewagte Manöver im Film gelingt, liefen die Ereignisse in der Realität ganz anders ab, denn ...
... die wirkliche Jagd endete tödlich für die Gejagten: Der russische Marineoffizier Valeri Sablin (links, in einer Rekonstruktion aus "Geschichte made in Hollywood") war das Vorbild für die Rolle des Marko Ramius. Im November 1975 zettelte er tatsächlich eine Meuterei auf einem russischen Kriegsschiff an - allerdings nicht mit dem Ziel, sich damit nach Amerika abzusetzen, sondern in der Absicht, eine leninistische Revolution in seiner Heimat auszulösen. Verfolgt von zehn Bombern und Aufklärungsflugzeugen sowie dreizehn Schlachtschiffen gab Sablin im Golf von Riga, von wo aus er nach Finnland gelangen wollte, auf. Am 3. August 1976 wurde er wegen Hochverrats erschossen.
Die Agentin und der Killer: Jodie Foster lieferte 1991 einen ihrer bekanntesten Filmauftritte als FBI-Agentin Clarice Starling (rechts, mit Anthony Hopkins als Hannibal Lecter) in dem Thriller "Das Schweigen der Lämmer". Starling muss hier mit Hilfe des inhaftierten Serienmörders und Kannibalen Hannibal Lecter versuchen, ein psychologisches Profil des ungefassten Serienkillers Buffalo Bill zu erstellen und ihm so auf die Schliche zu kommen. Doch Lecter beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel mit der ambitionierten Agentin, das ihm am Ende den Ausbruch ermöglicht. Das reale Vorbild für Agentin Starling war ...
... die FBI-Agentin Pat Kirby: Kirby - hier 2009 im Interview im Rahmen der Dokumentation "Geschichte made in Hollywood", war die erste weibliche Profilerin des FBI. Kirby hatte als Beraterin von Autor Thomas Harris an dem Roman mitgewirkt, auf dem der Film "Das Schweigen der Lämmer" basierte. Aber auch ihr Gegenspieler, der mörderische Hannibal Lecter ...
... hatte ein ganz reales Vorbild: Es war der amerikanische Serienmörder Ted Bundy (hinten, in einer Rekonstruktion aus "Geschichte made in Hollywood"), Täter in über 30 Mordfällen, der Autor Thomas Harris maßgeblich zu Hannibal Lecter inspirierte. Wie Lecter war Bundy ein gebildeter Mann gewesen - er hatte an der Universität Psychologie studiert. Und ebenso wie Lecter galt Bundy als hochintelligent und manipulativ - durch diese Eigenschaften gelang ihm zweimal die Flucht aus der Haft, bevor er 1979 schließlich auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde.
Unbestechlicher Gangsterjäger: Das Mafia-Drama "The Untouchables - die Unbestechlichen" von Brian De Palma ließ 1986 Kevin Kostner (zweiter von rechts) als Agenten Elliot Ness mit einer Gruppe unbestechlicher Gesetzeshüter im Chicago der Prohibitionszeit gegen den übermächtigen Gangsterboss Al Capone antreten. Im Film gelingt es Ness schließlich - nachdem einige seiner Begleiter ihren Kampf mit dem Leben bezahlen müssen - Capone hinter Gitter zu bringen. Elliot Ness ist keinesfalls ...
... eine fiktive Figur: Tatsächlich leitete Ness während der Prohibition eine unbestechliche Gruppe von Regierungsagenten, die illegale Brauereien und Alkohollager Al Capones ausfindig machte und vernichtete. Doch anders als im Film dargestellt blieben seine Versuche, Capone mit stichhaltigen Beweisen vor Gericht haftbar machen zu können, fruchtlos. Tatsächlich waren es US-Finanzbeamte, die Capone letztendlich zum Verhängnis wurden: Sie wiesen dem Gangsterboss Steuerhinterziehung in 22 Fällen nach und brachten ihn so 1931 hinter Schloss und Riegel.