Finanzkrise Die Buh-Manager
Der Chef der HSH-Nordbank Dirk Jens Nonnenmacher muss sich nicht nur mit den aktuellen Problemen des Krisen-Instituts herumschlagen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zudem gegen ihn und andere Ex-Manager des Instituts. Der Verdacht: Untreue und Bilanzfälschung. Unter anderem geht es laut "Süddeutscher Zeitung" um ein Geschäft namens "Omega 55", in dessen Zuge Kreditpapiere in Zweckgesellschaften ausgelagert wurden, die außerhalb der Bilanz operieren.
Dem Blatt zufolge ist die Staatsanwaltschaft davon überzeugt, dass Nonnenmacher - der früher Finanzvorstand war - und seine Kollegen das Geschäft niemals hätten absegnen dürfen. Nonnenmacher, der sich auch schon einem Hamburger Untersuchungsausschuss stellen musste, bestreitet alle Vorwürfe gegen sich als haltlos. Auch die Bank weist den Vorwurf entschieden zurück, dass Bilanzen manipuliert worden seien.
Unter der Führung von Georg Funke geriet die Hypo Real Estate (HRE) so stark ins Wanken wie keine andere Bank in Deutschland. Mittlerweile muss das Geldinstitut mit Garantien von mehr als hundert Milliarden Euro gestützt werden. Der Großteil ist Steuergeld. Dieses Drama hinderte Funke nicht daran, seine Kündigung vor Gericht anzufechten und damit auch Gehaltsnachzahlungen in Millionenhöhe zu fordern. Eine Entscheidung in dem Prozess steht noch aus.
Derweil ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen Funke wegen des Verdachts auf Veruntreuung von Bankvermögen. Ob es zum Prozess kommt, ist noch unklar.
Die Mitarbeiter demonstrierten für sein Bleiben - doch es half nichts. Siegfried Jaschinski musste vor rund einem Jahr den Posten als Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verlassen. Sein Vertrag wurde nicht verlängert, weil die Bank in der Finanzkrise hohe Verluste schrieb und mit Milliarden gestützt werden musste.
Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Jaschinski und andere Manager. Razzien in Bank- und Privaträumen fanden bereits im Dezember 2009 statt. Der Verdacht: schwere Untreue. Laut "Handelsblatt" geht es um sogenannte "Blindkäufe" - die Vorstände sollen möglicherweise blind am Subprime-Markt zugegriffen haben.
2008 kündigte Werner Schmidt seinen Rücktritt als Chef der BayernLB an, nachdem die Bank wegen massiver Fehlspekulationen am US-Subprime-Markt in Schieflage geraten war. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den 67-Jährigen und andere Ex-Vorstandsmitglieder. Es geht unter anderem um den Kauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria, die der BayernLB später Verluste in Höhe von 3,7 Milliarden Euro bescherte. Laut "Süddeutscher Zeitung" sind in der Sache Anklagen denkbar nicht nur wegen Veruntreuung von Bankvermögen, sondern auch wegen der vermeintlichen Bestechung des verstorbenen früheren Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider.
Ex-IKB-Chef Stefan Ortseifen ist der erste deutsche Bankmanager, der im Zusammenhang mit der Finanzkrise vor Gericht saß. Die IKB hatte mit insgesamt 17 Milliarden Euro auf dem amerikanischen Subprime-Markt gezockt. Die Mittelstandsbank geriet daraufhin als erstes deutsches Geldinstitut in den Sog der Finanzkrise und wird mittlerweile mit rund zehn Milliarden Euro gestützt.
Ortseifen wurde mittlerweile zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Allerdings ging es in dem Prozess nicht um Untreue mit Blick auf die verheerenden Geschäfte in Übersee - dafür fehlten die nötigen Beweise. Ortseifen wurde lediglich wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation verurteilt. Der Manager hatte in einer Pressemitteilung im Juli 2007 die Lage geschönt- und die Probleme der Bank heruntergespielt. Eine Woche später stand das Geldinstitut kurz vor dem Kollaps. Die Verteidigung kündigte Revision an.