Fluchthelfer-Drama - DER SPIEGEL
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Fluchthelfer-Drama Das Rätsel des unbekannten Stasi-Helden

Mit einer vorbereiteten Sprenglandung wollte die Stasi 1962 in Berlin einen Fluchttunnel zerstören - Fluchthelfer inklusive. Doch die Detonation blieb aus, der Sprengsatz war manipuliert worden. Von wem, fand die Stasi nie heraus. Nun sucht einer der Fluchthelfer aus dem Westen den Helden aus dem Osten.
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Im Kriechgang: Ein Seil und eine Taschenlampe waren die einzigen Hilfsmittel, die den Tunnelgräbern zur Orientierung dienten. Über 70 Meter weit gruben sie sich von Zehlendorf aus in Richtung Kleinmachnow. Die Aufnahme zeigt den Fluchthelfer Wolfgang Z., von seinen Kumpanen "Bibi" genannt, im Tunnel.

Foto: Boris Franzke
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Gut getarnt: Unscheinbar schmiegt sich die Holzhütte an den Jägerzaun vor der Grenze. Der Initiator des Fluchttunnels, Bodo P., hatte sie aufgestellt. Der Platz war wohl überlegt: Auf dem Gelände befand sich eine Großbaustelle, auf der Einfamilienhäuser errichtet wurden. Die Baubude war nur eine von vielen.

Foto: Boris Franzke
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NVA-Soldaten im Grenzgebiet: Während die Fluchthelfer den Tunnel gruben, liefen über ihnen DDR-Grenzsoldaten Streife. Jedes laute Geräusch musste vermieden werden, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Fünf Wochen lang unterhielten sich die fünf Tunnelgräber nur flüsternd.

Foto: Boris Franzke
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Vermutete Verbindung: Die eingezeichnete Linie markiert den Verlauf des Fluchttunnels unter der Grenze und zwischen der ersten Häuserreihe hindurch.

Foto: Boris Franzke
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Der Einstieg: Boris Franzke, hier rechts im Bild, mit einem Journalisten im Tunnelschacht, wenige Tage nachdem das Projekt verraten worden war. Auf West-Berliner Seite hatten die Fluchthelfer den Tunneleinstieg mit einer Baubude getarnt, in der sie nächtigten und das ausgeschachtete Erdreich verstauten.

Foto: Boris Franzke
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Verschnaufpause: Der Tunnel nach Kleinmachnow war nicht der erste, an dem sich Fluchthelfer Harry Seidel beteiligte. Im Mai 1962 hatte der ehemalige DDR-Radsportler mit anderen Berlinern einen Stollen vom Bierlager der West-Kneipe "Heidelberger Krug" hinüber in den Keller eines DDR-Fotogeschäfts gegraben. Durch den sogenannten Pfingsttunnel unter der Heidelberger Straße konnten im Juni 1962 mehr als 50 Menschen fliehen. Kurz darauf wurde dieses Foto veröffentlicht.

Foto: DPA
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Ausgehoben: DDR-Grenzsoldaten und MfS-Ermittler in Zivil öffneten am 13. September 1962 einen Fluchttunnel unter der Heidelberger Straße. Dass sie zwei Monate später versuchen würden, einen ähnlichen Tunnel in Kleinmachnow samt Fluchthelfern in die Luft zu sprengen, ahnte auf West-Berliner Seite niemand.

Foto: Polizeihistorische Sammlung Berlin
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Offengelegt: DDR-Grenzer und Stasi-Mitarbeiter wagten sich meist nicht selbst in einen Tunnel, da sie - der eigenen Propaganda folgend - stets davon ausgingen, dass die Fluchthelfer aus dem Westen schwer bewaffnet seien. Anfang Oktober 1962 machte die West-Berliner Polizei diese Aufnahme: Sie zeigt, wie DDR-Grenzer einen Fluchttunnel zur Ost-Berliner Schneiderei Castillion aufgraben - etwa zur gleichen Zeit, als sich fünf Männer in Zehlendorf daranmachten, einen neuen Stollen zu buddeln.

Foto: Polizeihistorische Sammlung Berlin
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Freiheit für Harry Seidel! Nach der Festnahme und Verurteilung des Fluchthelfers und ehemaligen Radsportmeisters Harry Seidel in der DDR demonstrierten West-Berliner für seine Freilassung. Der indische Ingenieur Zutshi wagte am 14. September 1963 sogar, in einem Faltboot im Ost-Berliner Teil des Britzer Zweigkanals gegen die Inhaftierung zu protestieren. Das Foto zeigt, wie DDR-Grenzer versuchen, den Bürgerrechtler mit einem Schnellboot auf West-Berliner Gebiet zu drängen.

Foto: AP
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Freie Fahrt: Wegen mehrfacher Fluchthilfe verurteilte das Oberste Gericht der Sowjetzone den ehemaligen DDR-Radsportmeister Harry Seidel 1962 zu lebenslangem Zuchthaus. Dieses Foto entstand 1966, drei Monate nach seiner Freilassung auf einem Empfang der Gesellschaft für italienisch-deutsche Freundschaft in Berlin. Die Bundesrepublik hatte Seidel freigekauft. Seine Karriere als Radsportler setzte er im Westen fort.

Foto: DPA
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?