Flüchtlingswünsche zum neuen Jahr "2018 wäre es gut, wenn sich Gott an mich erinnerte"
Nuela Etaku, 18
Von: Yei Provinz, Südsudan
Nach: Imvepi Flüchtlingscamp, Uganda
"Ich wünsche mir, dass der Krieg endet. Dann können wir endlich nach meinen Eltern suchen. Falls wir hier in Uganda bleiben müssen, hoffe ich, dass wir keinen Hunger leiden und gesund bleiben. Am allermeisten wünsche ich mir, eine Ausbildung als Krankenschwester anzufangen."
Narul Amin, 12
Von: Tula Toli, Burma
Nach: Flüchtlingscamp Balukhali, Bangladesch
"Ich bin nicht froh in Bangladesch. Ich vermisse mein Land und mein Dorf so sehr. Ich ließ zwei Ziegen zurück, Lal Fari und Hasha. Ich kümmerte mich um sie, seit sie klein waren. Ich weiß nicht, ob sie leben oder tot sind. Ich vermisse mein Dorf und meine zwei Ziegen. Hier mag ich es, zur Schule zu gehen. Ich möchte ein gebildeter Mensch werden, wie ein Mullah. Mein Großvater war ein Mullah. Er war ein sehr berühmter Mullah und ich möchte so sein wie er. Wenn die Regierung von Myanmar uns unsere Rechte wiedergibt, werden wir dort sicher sein. Wenn wir keine Rechte bekommen, müssen wir vielleicht in Myanmar sterben."
Taqiah Ali Mansour, 45
Von: Taiz, Jemen
Nach: Flüchtlingscamp in Khamer, Jemen
"Ich hoffe, 2018 zurück in mein Dorf zu können, und ich hoffe, dass jemand mir helfen wird, mein Haus von Grund auf wieder aufzubauen. Ich hoffe, dass der Krieg vorbei sein wird, denn wir sind am Boden. Ich hoffe, dass ich meine Familie wiedersehen kann. Sie leben in Taiz, dort wurde auch mein Mann getötet. Ich hoffe, dass die Saudis das Bombardement einstellen. Und ich hoffe, dass Huthi-Rebellen und Hadi-Truppen aufhören, zu kämpfen und uns in Frieden leben lassen."
Ayaanle Ahmed Ibrahim, 24
Von: Mogadischu, Somalia
Nach: Sizilien
"Mogadischu ist unbewohnbar geworden. In den Straßen sind überall Soldaten, korrupte Polizisten und die Schabab-Miliz. Mein Vater starb vor ein paar Jahren. Ich bin die einzige Hoffnung meiner Familie. Mein Traum? 2018 hoffe ich, hier in Italien ein Fußballteam zu finden. Ich möchte so gerne Fußball spielen. In Somalia gab es für mich keine Chance, mein Talent zu zeigen. Ich hoffe, dass ich es hier in Europa zeigen kann. Meine Angst? Ich fürchte mich davor, nicht genügend Geld aufzubringen, um meine Familie zu unterstützen. Ich werde selbst bald Vater und habe Angst, keine Arbeit zu finden."
Ruaa Abu Rashed, 24
Von: Damaskus, Syrien
Nach: Jena, Deutschland
"Was ich mir von 2018 erhoffe? Ich habe gelernt, dass man nie zu sehr hoffen sollte. Das Schicksal liegt nur sehr begrenzt in unseren Händen und selbst für die kleinsten Schritte benötigt man viel Kraft. Ich habe schon viel erlebt - bevor und nachdem meine Familie 2013 nach Deutschland kam. Mein größtes Lebensziel: Ärztin zu werden. Weil der NC aber so hoch ist, studiere ich jetzt Medizintechnik - erstmal, die Idee, Ärztin zu werden, ist noch immer mein Wunsch. Meine Eltern haben im Krieg alles verloren. Heute leben sie in Sicherheit, aber ihr Leben besteht aus Abhängigkeiten von deutschen Behörden. Ich hoffe für 2018, dass sie wieder das Gefühl bekommen, ihr eigenes Leben zu gestalten. Meine größte Angst ist, dass ich meine Großeltern nicht mehr wiedersehe. Sie leben noch in Damaskus und das Leben dort ist immer noch gefährlich."
Orlando Burgos Garcia, 52
Von: Barrancabermeja, Kolumbien
Nach: Velez, Kolumbien
"Ich wurde zum ersten Mal 2000 vertrieben und ich habe noch immer kein Leben, dass man würdevoll nennen kann. Die von uns, die mit nichts (vor dem Krieg zwischen Farc-Rebellen und kolumbianischen Truppen, d. Redaktion) flohen, bekommen noch immer keine Unterstützung von der Regierung. Ich bin ein Opfer in den Augen der kolumbianischen Gesellschaft und das bedeutet, einen niedrigeren Status zu haben. Ich hoffe, das ändert sich 2018, aber ich fürchte, es bleibt wie zuvor. 2011 hat die Regierung ein Opfergesetz verabschiedet. Theoretisch sollten Geflüchtete Entschädigungen erhalten, aber sie bekommen keine. Und Kolumbien soll heute befriedet sein, aber es gibt mehr Morde und Drohungen gegen uns."
Anastasia Gundar, 27
Von: Luhansk, Ukraine
Nach: Moskau, Russland
"Ich hoffe, wieder ein normales Leben haben zu können; ein Leben, in dem ich nicht ständig Angst haben muss, in dem nicht ständig der Boden unter mir wegzubrechen scheint. Seit ich mein Zuhause verlassen habe, spüre ich eine große Haltlosigkeit. In jedem Moment kann sich mein Leben ändern. Nichts ist mehr vorhersehbar. Ich habe große Angst um meine Familie in Luhansk. Die Konflikte an der Front sind gefährlich, aber mehr Sorgen machen mir die Machtkämpfe zwischen den Rebellengruppen. Je weiter ich von meiner Familie entfernt bin, desto weniger kann ich ihr helfen, und desto weniger verstehe ich von ihrem Leben dort. Die Ukrainer müssen aufwachen und aufhören mit dem Hass, bevor sie in den totalen Abgrund fallen. Der Krieg ist nicht das größte Problem der Ukraine, es ist die Korruption. Aber die Menschen sind wie Lemminge, sie rennen auf die Klippe zu. Das muss sich ändern."
Marwa Kadhim, 29 (mit ihren zwei Töchtern Asma und Gana und ihrem Mann Saif Sinan)
Von: Baghdad, Irak
Nach: Samsun, Türkei
"Meine Hoffnung für das neue Jahr ist, wieder mit meinen Eltern vereint zu sein. Sie sind ebenfalls Flüchtlinge und leben in Deutschland. Mein Bruder wurde 2014 im Irak getötet. Hier in der Türkei beschäftigt mich die Schulausbildung meiner Tochter. Sie geht an eine türkische Schule und ich bringe ihr zu Hause Arabisch bei. Das Leben in der Türkei ist so teuer. Mein Mann arbeitet als Bauarbeiter. Zur Zeit kann er nicht arbeiten, er leidet an starken Rückenschmerzen. Wir sind so erschöpft und können doch in der Nacht nicht schlafen, vor Sorge um die Zukunft. Ich hoffe, dass es im Irak eine Zeit des Friedens und der Sicherheit geben wird. Dann könnten unsere Kinder ihre Großeltern in Bagdad besuchen, und wir könnten das Grab meines Bruders sehen. Ich vermisse ihn sehr, er war mein bester Freund."
Nasrat, 17
Aus: Afghanistan
Nach: Floda, Sweden
"Das Einzige, worauf wir hoffen, ist, in einem Land zu leben, in dem wir keine Angst haben müssen zu sterben. Meine Eltern wurden von den Taliban getötet. Ich träume davon, dass ich meinen 7-jährigen Bruder aus Afghanistan holen kann. Er hat seine Hoffnung in mich gesetzt. Er weiß noch nicht, dass ich einen Abschiebebescheid bekommen habe. Wir haben das Recht, dreimal eine erneute Prüfung unseres Asylbescheids zu beantragen, aber nach drei Ablehnungen werden wir in ein Flugzeug gesetzt."
Busine Diouf
Von: Bangui, Zentralafrikanische Republik
Nach: Flüchtlingscamp am Flughafen von Bangui
"Ich will Gerechtigkeit und die Männer, die mich vergewaltigt haben, bestrafen. Aber das Problem ist, dass ich ihre Gesichter nicht kenne. Selbst wenn ich mich an die Behörden wende, werde ich keinen Erfolg haben. Es tut mir sehr weh, weil ich keine Gerechtigkeit für mich bekommen werde. Was ich jetzt will, ist, mein Leben wieder aufbauen. Ich will ein Geschäft starten, wie früher. Ich will, dass man mir hilft, ein neues Leben zu beginnen."
Olivier N., 19
Von: Bujumbura, Burundi
Nach: Nakivale Flüchtlingscamp, Uganda
"Ich träume davon, dass ich 2018 mit meiner Ausbildung weitermachen und meiner Leidenschaft für den Laufsport nachgehen kann. Aber am meisten wünsche ich mir, dass das Leben in Burundi wieder friedlich wird, damit die Töchter und Söhne von Burundi zusammenleben können - frei von der Angst, getötet zu werden, frei von der Angst, zu Unrecht ins Gefängnis geworfen zu werden. Ich hatte Glück und ich danke Gott, dass ich nach Uganda fliehen konnte, wo ich seit zweieinhalb Jahren Zuflucht habe. Weit weg vom eigenen Land, von der Familie und all dem, was einem bekannt ist, zu sein, ist immer hart. Es ist noch härter, wenn man ein Flüchtling ist, der nichts hat."
Edward Mola Rushambara, 24
Von: Flüchtlingscamp Kakuma, Kenia
Nach: Flüchtlingscamp Kakuma, Kenia (Rushambara wurde als Kind kongolesischer Eltern als Flüchtling geboren)
"2018 wäre es gut, wenn sich Gott an mich erinnerte und dafür sorgt, dass ich umgesiedelt werde - in ein Industrieland, damit ich zurück zur Schule gehen und meine Träume und Ziele verwirklichen kann. Ich will eines Tages weltweit mit Kindern arbeiten, denn es gibt überall Kriege und häusliche Gewalt. Und die Kinder sind am schlimmsten dran, weil sie nicht verstehen, was um sie herum passiert. Ich möchte ein internationaler Sozialarbeiter sein. Und wenn ich weg kann, kann ich zurück zur Schule und gute Noten bekommen. Jetzt, wo ich noch im Camp bin, ist es sehr hart."
Behrouz Boochani, 34
Von: Iran
Nach: Manus, Pazifik
"Ich schreibe von einer entlegenen Insel im Herzen des Pazifik. Ich lebe hier seit fünf Jahren. Die australische Regierung hat uns als Gefangene ins Exil auf die Inseln Manus und Nauru gebracht. Wie lange ich noch hier bleiben muss, weiß ich nicht. So wie ich leben hier weitere Männer, Frauen und Kinder. In den letzten fünf Jahren sind weltweit so viele furchtbare Dinge geschehen. So viele Menschen mussten wegen des Krieges sterben. Millionen Menschen wurden Flüchtlinge, während wir hier auf unbestimmte Zeit in den Gefängnissen ausharren. Für 2018 wünsche ich mir, dass uns die australische Regierung unsere Freiheit zurückgibt. Ich hoffe, 2018 wird ein Jahr des Friedens, der Gerechtigkeit und des Mitgefühls. Ich hoffe, dass alle Menschen auf dieser Erde sich auf ihr Herz und ihr Menschsein besinnen."
Akram Ben Boubker, 28
Von: Tripolis, Libyen
Nach: Catania, Sizilien
"Ich habe kein Zuhause. Ich lebe auf der Straße. Ich schlafe dort, wo ich einen Schlafplatz finde. Um zu überleben, arbeite ich ab und an auf den Feldern, ich ernte Früchte und Gemüse. Was erwarte ich vom neuen Jahr? So viele Dinge, wie jedes Jahr aufs Neue. Ich wünsche mir, meinen Bruder wiederzusehen. Er ist nach einem Unfall sehr krank geworden. In Mailand wurde er von einer Straßenbahn angefahren. Ich wünsche mir, einen festen Arbeitsplatz zu finden. Ich habe Angst, kein Zuhause zu finden. Ich fürchte mich davor, mein ganzes Leben auf der Straße leben zu müssen."
Aives Samuel Maiorana Flores, 34
Von: Barquisimeto, Venezuela
Nach: Madrid, Spanien
"Die Situation in meinem Land ist schlecht und wird immer schlechter. Es gibt kein Geld, es gibt keine Freiheit. Es gibt nichts. Es ist ein unbewohnbarer Ort. Mein Wunsch für 2018 ist, dass die Situation sich verbessert, dass eingestanden wird, dass Rechte wieder hergestellt werden müssen. Ich hoffe wirklich, dass das schnell passiert, aber ich weiß gleichzeitig, dass es nicht so sein wird. Venezuela steckt fest. Der einzige Weg ist, die Machthaber auszutauschen - oder ein Wunder. 2018 wird für mich persönlich wichtig, weil sich entscheiden wird, ob mein Asylantrag angenommen wird. Ich war ein Anwalt und ich mache jetzt noch einen Master hier in Spanien. Wenn ich abgelehnt werde, weiß ich nicht, was ich tun soll. In Venezuela hatte ich jeden Tag Angst. Ich wurde bedroht wegen meiner politischen Ausrichtung und wegen meiner Homosexualität. Mein Leben hier ist ruhiger, persönlich und emotional, aber ich glaube, dass jeder Einwanderer hofft, in seiner Heimat zu sterben. Ich hoffe, dass ich meine Familie und Freunde wiedertreffe und das Leben, das ich zurückließ, fortsetzen kann."
Ahmed Khamis, 27
Von: Nyala, Darfur Sudan
Nach: Vichy, France
"Mein wichtigstes Ziel für 2018 ist es, Arbeit zu finden. Ich wurde vor sechs Monaten als Flüchtling anerkannt, und ich habe eine Wohnung. Ich möchte, dass meine Frau herkommt, die noch in Nyala lebt, aber ich brauche zuerst einen Job. Ich hatte ein Vorstellungsgespräch als Lastkraftwagenfahrer, ich hoffe, daraus wird was. Noch warte ich auf die Antwort. In Darfur arbeitete ich als Fahrer für eine NGO, aber 2015 musste ich das Land verlassen, weil die Sicherheitsbehörden mich bedrohten. Der Geheimdienst wollte, dass ich politische Dissidenten denunziere. Meine Leute vermissen mich, aber gottseidank gibt es WhatsApp. Ich denke häufig an mein Leben von früher, an die einfachen Dinge - an Essen, Gerüche, an meine Familie während des Ramadan. Ich hoffe, dass die Unterdrückung 2018 in Darfur aufhört. Wir lesen davon nicht viel in der Presse, aber jeden Tag kommt es dort zu Verbrechen."
Deborah Morphus, 24
Von: Adamawa, Nigeria
Nach: Flüchtlingscamp Baga Sola, Tschad
"Ich bin hierher gekommen wegen Wahala (nigerianischer Ausdruck für Probleme, d. Red). Boko Haram hat unser Dorf angegriffen. Wir flohen, aber meine Mutter war zu alt zum Rennen, deshalb wurde sie getötet. In unserem Dorf gibt es keinen Frieden, Boko Haram ist noch da. Manche sind dennoch zurückgekehrt. Sie haben Angst, aber sie haben dort Jobs, sie müssen zurück. Mein Vater ist noch dort. Ich rufe ihn jede Woche an. Ich frage nach Neuigkeiten und danach, welche Menschen gestorben sind und welche noch leben. Ich wünschte, ich hätte das Geld, um meinen Vater zu besuchen - bleiben würde ich aber nicht. "
Abubakkar Yousafzai, 27
Von: Buner, Pakistan
Nach: Karatschi, Pakistan
"Ich habe keine großen Hoffnungen. 2018 geht es eher darum, realistisch zu sein. Ich kam nach Karatschi und ich muss hier sehr viel kämpfen. Ich unterstütze meine zwei Brüder und eine Schwester. Es geht nicht nur um mein persönliches Weiterkommen, ich muss meine Familie mitversorgen. Ich glaube nicht, dass sich 2018 groß von anderen Jahren unterscheiden wird. Meine Hoffnung ist, dass die Regierung stabiler wird. Die Gesellschaft funktioniert dann gut, wenn es Gesetz und Ordnung gibt. Die Sicherheitssituation hat sich ein wenig verbessert, aber Extremisten haben Menschen immer noch als Ziele. Wenn es so weitergeht, wird der Terrorismus wiederkommen."