Ausbildungsvorbereitung Die Refugee Canteen
Wie bringt man Unternehmen und Flüchtlinge zusammen? Besondere Programme sollen auf die Ausbildung vorbereiten - eins von ihnen: Das Projekt "Refugee Canteen" in Hamburg.
Der Verein "Gastrolotsen", zu dem das Projekt gehört, hat sich auf Köche und Servicekräfte spezialisiert. In der Gastronomie fehlen Fachkräfte, junge Menschen wollen kaum noch in der Branche mit niedrigen Löhnen und Schichtdienst arbeiten.
Hannah Hillebrand ist Psychologin und Köchin -heute steht sie mit sechs Männern in der Refugee Canteen, um ihnen die wichtigsten Handgriffe beim Kochen beizubringen.
Aref (links) und Hassan wiegen Hackfleisch für Frikadellen ab. Durch diese Vorbereitung wollen die Gastrolotsen den Flüchtlingen zu einem Praktikum oder gar einem Ausbildungsplatz verhelfen.
Viele Ausbildungsplätze quer durch alle Branchen bleiben derzeit unbesetzt, allein in Hamburg sind es knapp 800, davon rund 500 in Handwerksberufen. In einer bundesweiten Umfrage vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag gab ein Drittel der Unternehmen an, keine Lehrlinge zu finden.
400.000 Unternehmen haben zwar schon Asylbewerber eingestellt, ein Großteil davon aber nur kurzzeitig, etwa für Praktika. Woran es genau liegt, dass Flüchtlinge und Unternehmen nicht zusammenfinden, darüber herrschen unterschiedliche Meinungen. Einfache Erklärungen gibt es nicht.
Einige der Teilnehmer der Refugee Canteen besuchten bislang immer noch keinen regulären Sprachkurs, weil sie kein Anrecht darauf haben oder keinen Platz finden. Überall in der Küche hängen an den Wänden Klebezettel mit deutschen Wörtern wie "Lichtschalter".
Fehlende Sprachkenntnisse werden häufig als Grund angeführt, warum Flüchtlinge nicht eingestellt werden.
Der Gründer der "Gastrolotsen" hält Argumente wie diese für teils vorgeschoben. Ein Flüchtling als Auszubildender führe eben dazu, dass sich die Kultur in Unternehmen verändern müsse. Chefs und Kollegen müssten mehr unterstützen, auch bei der Sprache.
Die Teilnehmer der Refugee Canteen sind zwar motiviert, aber rund läuft auch nicht alles. Fachbegriffe sind vielen noch nicht bekannt, Schüchternheit ist ein Problem.
Kochpraktikant Hassan zupft Gräten aus einem Fischfilet.
Heshmat aus Afghanistan bereitet einen Obstsalat zu.
Ein Ausbildungsvertrag ist für viele junge Flüchtlinge eine Chance, länger in Deutschland bleiben zu dürfen.
Besonders für Afghanen, deren Heimatland die Bundesregierung als sicheres Herkunftsland einstuft und die darum in den meisten Fällen nicht in Deutschland bleiben dürfen.
In fast allen Bundesländern greifen Sonderregeln, nach denen während und nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung für einige Zeit nicht abgeschoben wird, in Hamburg zum Beispiel die sogenannte "3 plus 2-Regelung". Drei Jahre Ausbildung, zwei Jahre sicherer Aufenthalt anschließend.
Das Konzept der Refugee Canteen sieht vor, dass nach 14 gemeinsamen Wochen in der Küche in Wilhelmsburg ein sechswöchiges Praktikum folgt. "Die meisten unserer Teilnehmer haben ohne uns nicht die Chance, in den Betrieben anzukommen", sagt Hillebrand.