Flüchtlingsdrama: Handyprotokolle - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Handyprotokolle Nachrichten ins Nichts

Ein Flüchtlingsboot kentert und sinkt, ein Angehöriger informiert die Behörden - er ruft an und schickt per WhatsApp den genauen Standort und die Zeit des Schiffbruchs. Aber keiner reagiert.
1 / 4

Morgens um halb sieben ruft Darab zum ersten Mal den Notruf 112 an. Das Boot, mit dem seine Familie von der Türkei nach Griechenland übersetzt, ist auf dem Meer gekentert. Dort gibt man ihm die Telefonnummer des Joint Rescue Coordination Center (JRCC) in Athen, das die Küstenwache koordiniert. Sofort meldet er sich dort und erklärt, dass er den Standort hat und per WhatsApp weitergeben kann. Er bekommt eine Handynummer genannt, die er als "coast guard greec" speichert.

2 / 4

Darab fügt die neue Handynummer hinzu und entfernt seine Familienmitglieder aus dem Gruppenchat. Dann entspinnt sich ein Dialog, in dem er den letzten Standort des Flüchtlingsboots mit seiner Familie auf verschiedene Weisen übermittelt. Als Screenshots, die reinen Koordinaten, als Link zu Google Maps - und er sendet eine Anleitung als Sprachnachricht hinterher.

3 / 4

Er schickt auf Anfrage auch die Namen seiner neun Familienmitglieder an die Nummer. Darunter: Sein Vater, seine Schwester und zwei Brüder. Den ganzen Tag wartet er darauf, dass etwas passiert. Am folgenden Morgen hakt er per WhatsApp nach - bekommt aber keine Antwort mehr.

4 / 4

Den ganzen Freitag über telefoniert der Afghane immer wieder mit dem Lagezentrum der Küstenwache. Warum die keine Schiffe entsendet, ist bis heute unklar.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?