Regionalflughäfen Mit "Valentinstagstouren" für das Überleben
Flughafen Rostock-Laage: Erst die Germania-Pleite, dann die der Linie Flybmi: Es ist das Ende, zumindest vorläufig, für den Linienverkehr von und nach Rostock-Laage. Schlimmer als jetzt könnte es für den kleinen Flughafen der Hansestadt kaum kommen. Und wie geht es anderen Regionalflughäfen?
Flughafen Kassel-Calden: "Check Check" heißt die neue Satire-Serie, die Klaas Heuer-Umlauf gerade für Pro Sieben in Kassel-Calden gedreht hat. Sie handelt von einem Regionalflughafen mit, freundlich gesagt, überschaubarem Betrieb. Mit den tatsächlichen Geschehnissen am Flughafen habe das aber nichts zu tun, erklärt die Geschäftsleitung. Im Gegenteil: 2018 habe man mit 132.000 Passagieren einen Rekord aufgestellt. Im Jahr zuvor waren es nur 70.000 Fluggäste. Damals erwirtschaftete Kassel-Calden rund sechs Millionen Euro Defizit.
Flughafen Frankfurt-Hahn: Der frühere US-Fliegerhorst im Hunsrück erlangte 1999 eine gewisse Berühmtheit: als erster deutscher Flughafen, den Ryanair ansteuerte. Mittlerweile haben die irischen Billigflieger einen Teil ihrer Verbindungen nach Frankfurt verlegt, das Passagieraufkommen sinkt. Immerhin läuft das Frachtgeschäft recht gut. Schlagzeilen machte der Airport vor anderthalb Jahren mit dem Einstieg des chinesischen Investors HNA. Allerdings hat die HNA selbst gewaltige Finanzprobleme und musste zuletzt mehrmals Beteiligungen verkaufen.
Flughafen Lübeck: Ein Gesundheitsflughafen solle der Airport Lübeck werden, verkündete eine Mitarbeiterin der Betreibergesellschaft im November 2018. Hier im Stadtbezirk Blankensee steht der Linienverkehr nach mehreren Insolvenzen und Betreiberwechsel seit 2016 still. Künftig aber sollen verstärkt Patienten des nahen Universitätsklinikums Schleswig-Holstein eingeflogen werden, berichten örtliche Medien. Die Verantwortlichen rund um den Eigentümer Winfried Stöcker wollen angeblich in den kommenden drei Jahren rund 60 Millionen Euro investieren: unter anderem für ein neues Terminal.
Flughafen Parchim: Alle Hoffnungen ruhten auf Herrn Pang, wie sie ihn hier im Mecklenburgischen nannten. Der chinesische Geschäftsmann Yuliang Pang wollte aus dem Regionalflughafen ein Drehkreuz für Fracht und Touristen aus China machen; zwischenzeitlich hatte er verkündet, Air Berlin zu retten. Ein Dokumentarfilm mit dem Titel "Parchim International" wurde über ihn gedreht.
Die öffentliche Hand gewährte Parchim reichlich Fördermittel. Doch die meisten Mitarbeiter seines Frachtdienstes wurden zum Jahreswechsel entlassen. Und Herr Pang? War laut der "Schweriner Volkszeitung" für die örtlichen Behörden nicht mehr erreichbar.
Flughafen Erfurt-Weimar: Keinen deutschen Flughafen hat die Germania-Pleite so getroffen wie diesen. Germania hatte zuletzt für mehr als 70 Prozent aller Passagiere gesorgt. Und schon 2018 sank die Zahl der Fluggäste um mehr als fünf Prozent auf nur 263.000. Reinkommen soll Geld nun durch Nebengeschäfte wie etwa eine "Valentinstag-Tour" über das Vorfeld, im liebevoll dekorierten Flughafenbus, eingekuschelt in warmen Decken, versprach der Betreiber: "Neben der Sicherheitskontrolle und der Feuerwache rundet eine Fahrt über die beleuchtete Start- und Landebahn den romantischen Abend perfekt ab."
Flughafen Weeze: Ebenso wie Hahn wurde auch der ehemalige britische Militärflugplatz am Niederrhein durch Ryanair bekannt. Und wie Hahn leidet auch Weeze unter stark sinkenden Passagierzahlen. Dennoch schreibe man "seit Jahren schwarze Zahlen", erklärte Geschäftsführer Ludger van Bebber noch im Mai 2018. Das Geld hereinbringen sollen Nebengeschäfte: In Weeze steht eine der größten Solaranlagen Nordrhein-Westfalens. Und immer wieder finden auf dem Gelände Events statt: unter anderem Parookaville, ein Festival für elektronische Musik mit Zehntausenden Besuchern.
Flughafen Friedrichshafen: Sechs Insolvenzen von Fluggesellschaften hatte der Bodensee-Airport in den vergangenen Jahren zu verkraften. Zuletzt erwischte ihn die Pleite von Germania, die für fast ein Drittel aller Passagiere sorgte. Aber die Friedrichshafener geben nicht auf: Gerade haben sie die türkische Sun Express an den Bodensee zurückgeholt, wenn auch zunächst nur für zwei Flüge pro Woche nach Antalya. Einmal im Jahr ist hier richtig was los: wenn viele Mächtige der Welt in Friedrichshafen mit ihren Privatjets landen, auf der Anreise zum Weltwirtschaftsforum in Davos.