Foto-Geschichte Schöne neue Westwelt
Schöner Wohnen: Sieben Jahre zuvor war noch das Betreten der baufälligen Balkone verboten, um 1996 wurde wie am Fließband saniert, wie etwa hier in Rostock.
Ostdeutsche Gemütlichkeit: Den Kaffee im Stehen und aus der Plastiktasse - aber sonst ist alles wie immer, Wismar 1992.
Nur mal gucken: Die DDR-typischen FKK-Strände mochten die meisten Westdeutschen nicht. Dafür erfreuten sie ihre Brüder und Schwestern im Osten mit Sex-Shops und entsprechenden Presseerzeugnisse. Gesehen 1993 in Wismar.
Immer wieder sonntags: Schreiende Werbung in einer stillen Stadt - der Bahnhof von Wismar im Mai 1993.
Aufschwung: Es war Mai 1990. Die Deutsche Einheit und die Währungsunion waren bereits in Sicht, Farben und Pinsel wieder zu kaufen. Diese beiden Männer machen nicht nur Frühjahrsputz, sondern setzen nach einem sehr langen Winter zum Ende des Kalten Krieges ein deutliches Zeichen für die Zukunft. Es ist eines der Lieblingsmotive des Fotografen.
Selbsthilfe: Nachdem der Traum vom eigenen Mercedes geplatzt war, muss ungefähr so die Ostalgie begonnen haben: Der Trabi war doch ein tolles Auto. Den konnte man wenigstens selbst reparieren.
Währungsunion: Die Verkäuferin eines Fischgeschäftes in Wismar, das bisher "Bückware" anbot, verkaufte 1990 ihre Fischbrötchen wenige Tage nach Einführung der D-Mark öffentlich. Erhofftes Käuferklientel: Besucher aus dem Westen.
Bedarfsbefriedigung: In den neunziger Jahren wollten sich ehemalige DDR-Bürger endlich ihre Wünsche nach lange vermissten Konsumgütern erfüllen - Container 1996 im Ostseebad Kühlungsborn.
Konsum: Der Westen hat Einzug gehalten - ehemalige Verkaufsstelle der DDR-Handelskette "Konsum", Wismar 1991.
Promotion: Um den Ostdeutschen westliche Produkte schmackhaft zu machen war 1991 eine professionelle Werbemaschine angelaufen.
Markt-Wirtschaft: Diese Aufnahme entstand kurz nach der Währungsunion 1990 in der Ostseestadt Wismar. Plötzlich hatten auch die Menschen in der DDR das "richtige" Geld. Ein Glücksfall für pfiffige Straßenhändler.
Zutritt verboten: Noch wenige Jahre zuvor waren Gartenkolonien als Volkseigentum teilweise kollektiv bewirtschaftet worden. Mit Beginn der neunziger Jahre änderten sich die Besitzverhältnisse in kürzester Zeit radikal und der Ton wurde schärfer.
Beim Einkauf: Es gibt viele Neuigkeiten auszutauschen in diesen turbulenten Zeiten in Wismar 1992. Auffallend: Trotz der Einführung von Plastiktüten tragen ältere Leute weiterhin die typischen geblümten Einkaufsbeutel aus Dederon bei sich.
Fußball im Welterbe: Eine Nebenstraße im ältesten Stadtteil der Hansestadt Wismar. Die Gebäude, vor Jahrhunderten aus Backstein gemauert, haben überlebt. Westliche Autos parken am Straßenrand. Es sollten noch fast zehn Jahre vergehen, bis Wismar zum UNESCO-Welterbe erklärt wird.
Nachholbedarf: Eiscreme aus Dänemark und Coca-Cola über allem - eine Waffelbäckerei mit Kioskverkauf 1991 in Wismar. Das Angebot besteht fast ausschließlich aus westlichen Produkten.
Neue Ansichten: Zweieinhalb Jahre nach der Wiedervereinigung hat sich das Straßenbild deutlich verändert - sanierte Gebäude, neue Autos, und es werden auch wieder Regionalzeitungen gelesen, die allerdings nun westdeutschen Verlagen gehören.
Junges Gemüse: Ein paar Tage zuvor war die D-Mark ins Land gekommen - und binnen kürzester Zeit wurde auch das Angebot an frischem Gemüse reichhaltig, aufgenommen in Wismar 1990.
Einzelhandel: Ob sich diese Frau aus Not als Straßenverkäuferin betätigt, ist nicht bekannt. Das Bild aber ist Anfang der neunziger Jahre in Wismar in jedem Fall ungewohnt, denn zuvor galt: Gab es Blumen, gab es Warteschlangen.
Missionierung: Nachdem im Zuge der Ostexpansion, sorry: Ostsiedlung im Mittelalter die "Heiden" besiegt waren, kamen im Schlepptau der Ritter Kaufleute, Handwerker und Mönche. 1990 konnte man den Eindruck gewinnen, Geschichte wiederholt sich. Mit einer Ausnahme: die Handwerker. Sie mussten in die Gegenrichtung ziehen.
Cafébar Wismar: Neueröffnungen am laufenden Band. Westdeutsche Marken erobern die besten City-Lagen und stellen Leute als Verkäufer ein, die zuvor in den abgewickelten Betrieben als Ingenieure, Mechaniker oder Betriebswirte freigesetzt wurden.
Hollywood im Erdgeschoss: Es war die Zeit des Aufbruchs mit "Kikis Videothek", "Monis Mini-Markt" und "Gerdas Imbiss-Boutique". Man nahm sich einen Laden, strich das Erdgeschoss an, stellte ein paar Hollywood-Klassiker aus und schon kamen die Kunden.
Alles Banane: Im März 1991 war der Bananenboom in Ostdeutschland vorbei - die Preise fielen.
Neues aus dem Westen: Was wollte das "Hamburger Abendblatt" in Wismar? Verkaufen! Ob es Sinn machte oder nicht. "Bild" war auch schon da.
Eine Straße der Einheit: Auf dem Wismarer Kopfsteinpflaster parken Lada, Wartburg, Trabi und Golf. Am Ende der Straße arbeitet bereits ein Bagger und zieht Gräben für die neuen Telefonleitungen.
Fastfood: Nach der Einführung der D-Mark wurden vormals arrogante Gastronomen abgestraft. Kaum jemand war bereit, die übliche "Hausmannskost" zu überhöhten Preisen in abgewirtschafteten Gaststätten zu akzeptieren. Der Imbiss zu niedrigen Preisen boomte.
Reisetätigkeit: Der Beginn der neunziger Jahre war die große Zeit der Handelsvertreter im Osten. Erst wurden sie vom Westen dorthin geschickt, dann wurden sie dort gleich rekrutiert.
Neueröffnung: Die D-Mark war da und die Strumpfboutique hatte ausgedient. Mit großem Selbstbewusstsein drangen westliche Marken auf den ostdeutschen Markt.
Bauboom: Weil die Eigentumsverhältnisse in vielen Fällen ungeklärt waren, begann Wismar mit der Sanierung des Rathauses. Das gehörte der Stadt.
Geschwister: Ihre ersten Jahre haben diese Kinder noch in der DDR verbracht - und auch wenn die Kleidung nicht so recht zusammenpassen mag - von der Mangelwirtschaft dürften sie kaum etwas mitbekommen haben: Das Eis gab's ohne lange anzustehen.
Blick in die Ferne: Zwei Seeleute eines Wibmarer Hafenschleppers. Ostdeutsche Werft- wie Hafenarbeiter schauen in dieser Zeiten in eine ungewisse Zukunft.
Arbeitslos: Nach der Euphorie der Deutschen Einheit beginnt die Epoche der Ernüchterung: Massenentlassungen aus den Betrieben der ehemaligen DDR und einschneidende Umstrukturierungen in der Wirtschaft.