Fotofund Wie die Nazis Ruinen als Propaganda einsetzten
Palazzo Accademia Albertina: Berühmte italienische Maler wurden im 19. Jahrhundert in der Accademia Albertina in Turin ausgebildet.
Ruine des Palazzo Accademia Albertina: Im Juli 1943 landeten die Alliierten in Sizilien, kurz danach wurde Mussolini gestürzt. Bis zum Kriegende fanden zwischen den Alliierten im Süden Italiens und dem von der Wehrmacht besetzten Norditalien heftige Kämpfe statt - bei den Luftangriffen wurde auch dieser Turiner Palazzo beschädigt.
Palazzo delle Corporazioni: Die Aufnahme zeigt einen Saal im ersten Obergeschoss des Turiner Palasts.
Ruine des Palazzo delle Corporazioni: Nach den alliierten Angriffen am 12. und 13. August 1943 blieben nur einige Wandfresken des Festsaals unzerstört.
Solche Bildpaare, die italienische Prachtbauten vor und nach der Zerstörung zeigen, nutzte die deutsche Propaganda für einschlägige Hefte und Broschüren, mit denen die Alliierten als kulturlose Barbaren bloßgestellt werden sollten.
Teatro alla Scala: Das Theaterhaus liegt in Mailand an der Piazza della Scala, nach der das Opernhaus benannt wurde. Es zählt zu den bekanntesten und bedeutendsten weltweit.
Ruine des Teatro alla Scala: 1943 wurde das Teatro alla Scala fast völlig zerstört, konnte aber bereits am 11. Mai 1946 wiedereröffnet werden.
Deutsche Kunsthistoriker, die ursprünglich die italienischen Prachtbauten und Kunstwerke vor Kriegszerstörungen schützen sollten, ließen solche Aufnahmen anfertigen, die auch zur Propaganda benutzt wurden.
San Carlo al Corso: Die neoklassizistische Kirche im Zentrum von Mailand wurde von dem Architekten Carlo Amati entworfen (gebaut 1839 bis 1847). Die mächtige Kuppel hat eine Höhe von fast 37 Metern.
Ruine San Carlo al Corso: Teile der Mailänder Kirche und des Platzes vor dem Gotteshaus wurden beim Kampf um Italien zerstört.
Palazzo Insardi di Caraglio: Abbildung eines Prunksaals im Turiner Palazzo Insardi di Caraglio vor seiner Zerstörung.
Ruine des Palazzo Insardi di Caraglio: Fast aus derselben Perspektive wurde der historische Saal, jetzt ohne prachtvolle Decke, nach seiner Teilzerstörung im Zweiten Weltkrieg fotografiert, vermutlich im Jahr 1944/1945.
Palazzo dei Trecento: 1185 wurde der berühmte Palast in der Kleinstadt Treviso (nordöstlich von Padua) errichtet. Die Arbeiten an dem mächtigen Bau endeten erst fast ein Jahrhundert später. Der Palast wurde unter anderem für Tribunale genutzt.
Ruine des Palazzo dei Trecento: Bei alliierten Luftangriffen im April und Mai 1945 wurden in Treviso mehrere Kirchen und historische Gebäude schwer beschädigt, darunter auch der Palazzo dei Trecento.
Tempio Malatestiano: Innenaufnahme der großen Kathedrale im Herzen von Rimini, die vom berühmten Architekten der Renaissance, Leon Battista Alberti um 1450 gebaut wurde.
Ruine der Tempio Malatestiano: Zerstörtes Seitenschiff der Kathedrale in Rimini. Nach der Besetzung Norditaliens arbeiteten deutsche Kunsthistoriker in Italien für eine "Abteilung Kunstschutz". Sie erstellten Listen schützenswerter Paläste und Kathedralen und halfen den italienischen Behörden bei der Sicherung teilzerstörter Gebäude. Fresken wurden abgedeckt, Fassaden zum Schutz eingemauert, Gemälde und Skulpturen in Bergwerken gelagert. Oft blieb der Kunstschutz aber erfolglos.
Hintergrund war die Den Haager Landkriegsordnung, die von der Besatzungsmacht verlangt, historische Bauten des besetzten Landes zu schützen.
Ospedale Maggiore: Das einstige Krankenhaus Ospedale Maggiore, auch Ca' Grande (das Große Haus) genannt, wurde in Mailand 1456 unter Leitung des Architekten Antonio Filarete erbaut.
Ruine des Ospedale Maggiore: Auch der Innenhof des berühmten Mailänder Krankenhauses wurde bei Luftangriffen schwer beschädigt. Heute gehört das Hospital der Universität von Mailand, trotz der Kriegszerstörungen ist die historische Architektur noch gut zu erkennen.
Castello Sforzesco: Das mit Zinnen gekrönte Kastell wurde ab 1450 von Francesco I. Sforza, dem Gründer der mächtigen Mailänder Dynastie, erbaut. Die Familie Sforza herrschte im 15. und 16. Jahrhundert als Herzöge von Mailand über die Lombardei.
Ruine des Castello Sforzesco: 1943 wurde das Schloss in Mailand an der Piazza Castello bombardiert und teilweise zerstört.
Palazzo Accademia Militare: Blick in den Innenhof des Palasts der Militärakademie in Turin.
Ruine des Palazzo Accademia Militare: Der Vergleich zeigt - die prächtigen Fassaden des Turiner Palazzo wurden im Krieg arg in Mitleidenschaft gezogen.
1600 solcher Ruinenfotos brachte der renommierte Kunsthistoriker Ludwig Heydenreich nach dem Krieg in die Photothek des Münchner Zentralinstituts für Kunstgeschichte. Ein Teil der Fotos wurde erst kürzlich dort gefunden - unsortiert in einer alten Box. Heydenreich hatte sie einst auch für die deutsche Propaganda verwendet.
Palazzo delle Corporazioni: Das Foto vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zeigt die Eingangsloggia des Palazzo delle Corporazioni in Turin.
Ruine des Palazzo delle Corporazioni: Umgekippte Säulen, zerstörte Fresken - der einst mondäne Turiner Palast nach den alliierten Luftangriffen auf Turin am 12. und 13. August 1943.