Fotograf in der DDR - DER SPIEGEL
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DDR-Fotograf Der reale Sozialismus

Bilderstreit im Arbeiter- und Bauernstaat: Sind Pfützen schlecht für das Ansehen des Sozialismus? Mit Fotos einer Großwohnsiedlung brachte Siegfried Wittenburg in den Achtzigern die Genossen in Rage. Auf einestages zeigt der Fotograf die Aufnahmen, die er damals gar nicht auszustellen wagte.
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Ferienplatz: Ein einladendes Angebot - Werbetafel 1987 am Ostseehotel in Kühlungsborn

Foto: Siegfried Wittenburg
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Bedarfsunterdeckung: Nicht verkaufen sondern aufkaufen hatte sich dieses HO-Geschäft in Teterow 1983 zur Hauptaufgabe gemacht - kreative Schaufenstergestaltung in der Mangelwirtschaft.

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Gebäudewirtschaft: Kern der DDR-Wohnungspolitik waren niedrige Mieten für die Bevölkerung - zu Lasten der Instandhaltung. Bezeichnend der Eingang des VEB Gebäudewirtschaft Waldenburg 1987.

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Einheitspartei: Gemüseschaufenster als politisches Statement - hier wurde offenbar auch das Angebot auf Linie gebracht. Die Aufnahme entstand im Mai 1989 in Rostock, als sich die DDR festlich für ihre Kommunalwahlen dekorierte. Die gefälschten Wahlen sollten die letzten in der DDR sein, was damals freilich niemand ahnte. Was sich der staatliche Leiter dieser Gemüsehandlung dachte, als er explizit auf die Verantwortlichen dieses recht einheitlichen Angebots hinwies, ist nicht überliefert.

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Aushängeschild: Der Klassiker unter den Begrüßungen in besseren Lokalen oder Gaststätten in DDR-Urlaubsorten - auch in Warnemünde 1980 war dieses Schild sehr gebräuchlich.

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Vollbeschäftigung: Propaganda vor einem Brauerei-Betrieb in Zittau 1987

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Sozialismus: Bildete sich in der DDR irgendwo eine Schlange, erkundigte man sich, was es dort gibt. Oder man stellte sich gleich erst einmal mit an, weil man mit seltenen Waren anderen ohnehin eine Freude machen konnte - egal, was es gab. Die Propaganda über dem Eingang des Geschäfts nahm hingegen kaum jemand wahr - Jena, 1987.

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Arbeiterschließfach: "Zum Lebensbaum" hatte offenbar ein Poet unter den Stadtplanern diese Straße in Rostock-Toitenwinkel genannt. Bäume jedweder Art suchte man in der in Plattenbauweise errichteten Wohnsiedlung 1990 allerdings vergeblich.

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Produktionsgenossenschaft: Auch wenn nicht gleich auf den ersten Blick zu vermuten - dieses Gebäude in der Rostocker Altstadt beherbergte 1988 ein Friseurgeschäft. Sein Name: "Elegant" Salon Diana.

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Volkseigentum: "Achtung Betriebsgelände - Betreten, Abkippen und Ablagern von Müll, Unrat u. sonstigen Massen verboten! VEB Papierfabrik Kriebstein, Betriebsleitung" - ein wenig erfolgreicher Versuch, das DDR-Volkseigentum vor dem DDR-Volk zu schützen. Fotografiert 1987.

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Aktivisten der sozialistischen Arbeit: Straßenschild an einer Hauswand in Warnemünde 1980. Drei Jahre später fiel das Schild ab und wurde durch ein neues ersetzt. Die Hauswand blieb, wie sie war.

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Kollektivschuld: "Hier arbeitet ein hervorragendes Schrankenwärterkollektiv" - Schild an einem Bahnwärterhäuschen 1982 in Huckstorf bei Rostock. Der Bahnübergang, der von diesem Kollektiv betreut wurde, befand sich in desolatem Zustand und hatte seine besten Zeiten - wie dieses Schild - bereits hinter sich.

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Helden der Arbeit: Sobald ein Wohnblock bezugsfertig war, wurde er bezogen. Wohnungen in der DDR waren knapp - viele Familien nahmen daher in Kauf, durch Matsch zu waten, um nach Hause zu gelangen. Waren erst einmal Provisorien errichtet - wie dieser Holzsteg 1981 im Rostocker Neubaugebiet Groß Klein - blieben sie lange erhalten.

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Schlammhausen: Mit Rostock Groß Klein entstand in den achtziger Jahren ein neuer Stadtteil in Plattenbauweise für fast 20.000 Einwohner. Die Fortschritte im Wohnungsbau wurden anhand der Zahl der errichteten Wohnungen gemessen - das Umfeld war zweitrangig. Aufnahme von 1981.

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Oase in der Wüste: Blockweise genormte Wohnungen mit Nasszelle, Einbauküche und Balkon, umgeben von Parkplatz und Kaufhalle - "Betonwüste" nannten die Menschen ihren unwirtlichen Stadtteil. Nach heftigen Regenfällen bildete sich ein Pfützenmeer, das mangels befestigter Wege nur schwer trockenen Fußes zu überwinden war - Rostock 1990.

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Hausgemeinschaft: Kollektiver Wäscheplatz, Rostock 1980

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Ordnungswesen: In den Restaurants der DDR waren die Kellner Könige. Jede Gaststätte hatte ihre ungeschriebenen Gesetze. Verhielt sich der Gast nicht der Hausordnung entsprechend, wurde er mit Nichtachtung gestraft. Dieses Freiluftlokal in Königsstein machte 1987 unmissverständlich klar, worauf es ankam: "Bitte Stuhl- und Tischordnung nicht verändern."

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Urlaubsfreude: Ordnung muss sein - Strand von Sellin auf Rügen 1987

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Klare Ansage: "Es ist untersagt, Speisen und Getränke über die Absperrung zu reichen" - Naherholung in der DDR, die Ausgabe für Speisen und Getränke im Ausflugslokal der Festung Königstein.

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Altstoffhandel: Die Sekundärrohstofferfassung, kurz: Sero, war eine praktische und in diesem Fall sogar ökologische Einrichtung der DDR. Vor allem aber wohl eine ökonomische Notwendigkeit. Nicht nur Pfandflaschen, sondern auch Gläser und Papier wurden bei der Abgabe mit einer Vergütung belohnt. Besonders Schulkinder machten davon freiwillig oder im Rahmen einer Aktion regen Gebrauch. Die Aufnahme entstand 1989 in Leipzig.

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Leuchtendes Angebot: Lampengeschäft der HO in der Langen Straße in Rostock 1989

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Währungsunion: Die Verkäuferin eines Fischgeschäftes in Wismar, das bisher "Bückware" anbot, verkaufte 1990 ihre Fischbrötchen wenige Tage nach Einführung der D-Mark öffentlich. Erhofftes Käuferklientel: Besucher aus dem Westen.

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Konsum: Der Westen hat Einzug gehalten - ehemalige Verkaufsstelle der DDR-Handelskette "Konsum", Wismar 1991.

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Bedarfsbefriedigung: Um sich endlich ihre Wünsche nach lange vermissten Konsumgütern erfüllen zu können, mussten ehemalige DDR-Bürger auch noch in den neunziger Jahren manches Provisorium in Kauf nehmen - Container 1996 im Ostseebad Kühlungsborn.

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