Fotograf Josef Heinrich Darchinger Kunterbuntes Wirtschaftswunder
Freizeit im Grünen: Mit dem Käfer ins Grüne - 1957 ein verbreitetes Freizeitvergnügen.
Markt: Einige Bauern verkaufen 1955 ihre Produkte in Cham in der Oberpfalz neben einem Zeitungskiosk aus Brettern. Der kalte Herbstnebel drückt auf die ohnehin trübe Stimmung.
Events der Zeit in Köln 1956 als Plakatanschlag: Filmplakate zu "Lügen haben hübsche Beine" und "Das Liebesmanöver" mit Brigitte Bardot, der freizügigeren französischen Antwort auf Marilyn Monroe. Außerdem: Ein Vortrag von Professor Dr. Friedensburg zum Tag der deutschen Einheit. Tanzkurse für die Freizeit. Der Maler Robert Delaunay im Museum Leverkusen.
Das Gängeviertel in Hamburg: Kinder in den Hauseingängen der schlichten Backsteingebäude. Bald verschwinden die Arbeiterhäuser, Inbegriff frühkapitalistischen Elends in einem berüchtigten Teil der Stadt 1957.
Einkauf beim Kaufmann: Jeder Suppenwürfel wird einzeln begutachtet und über die Theke gereicht. Die Wartenden bilden Chor und Publikum zugleich. Man kennt sich, man trifft sich, man schwätzt miteinander. In Bonn 1956.
Hinweisschild: Bei der Grenzübergangsstelle Dreilinden an der Autobahn von Hannover kurz vor Westberlin 1958, "Bis West-Berlin erneut 3 km durch Sowjetische Zone".
Zeitungskiosk in Bonn: Die meisten der ausgehängten Blätter sind inzwischen verschwunden, neue Titel kamen hinzu. Die "Bild"-Zeitung kostete 1956 umgerechnet nur 5 Cent.
Saubere Hände für alle: Händewaschen als Gemeinschaftserlebnis in Hessen.
Selbst anpacken: Die Devisen bei diesen Siedlungshäuschen im Saarland - klein, aber mein und Hauptsache erschwinglich. Seit dem 1. Januar 1957 ist das Saarland politisch, seit 1959 auch wirtschaftlich in die Bundesrepublik eingegliedert. Bis dahin war es - eine Folge des Krieges - in den französischen Wirtschaftsraum einbezogen.
Der eigene Laden: Ein selbstgezimmertes Regal in der Kellergarage, und fertig ist der Laden. Die Eier sind immer frisch vom Land. 20 Pfennig kosten sie pro Stück, kaum weniger als vierzig Jahre später. (Bonn 1955)
Wandervogel-Gesang: Wandervogel-Romantik der dreißiger Jahre erfüllte die organisierte Parteijugend auch nach dem Desaster von Diktatur und Krieg. Beim sozialistischen Jugendtag in Dortmund 1955.
Bonbon-Automat: Für einen Groschen gibt es ein Stück vom Paradies: eine Stange mit fünf Karamellbonbons. Wunderbar klebrig, verführen sie zum Kauen und ziehen so dummerweise auch Plomben und lose Zähne. (Bonn 1955)
Schulkinder in Bremen beim Puppentheater: Ein Spiel über richtiges Verhalten im Verkehr 1955. Der Mineralölkonzern Shell sorgt vor und trägt die Kosten. Fußgänger leben gefährlich, die Zahl der Unfälle wächst dramatisch. Über 350.000 Personenwagen befahren wieder die westdeutschen Straßen, von den Lastwagen, Omnibussen und Motorrädern ganz zu schweigen. Die blonden Jungen am rechten Bildrand interessieren sich mehr für den Fotografen als für das Spiel.
Endlich Feierabend: Mutter stopft Strümpfe, Vater liest eine illustrierte Zeitschrift. Die Eltern des Fotografen 1955 im Wohnzimmer ihrer kleinen Mansardenwohnung in Bonn. Selbst neue, öffentlich geförderte Sozialwohnungen haben nur eine Durchschnittsgröße von 50 Quadratmetern - mit Toilette auf dem Flur.
Das Grab des Hauptgefreiten Karl Fromm: Er fiel wenige Wochen vor Kriegsende bei Blankenheim in der Eifel. Viele solcher privat gepflegten Gedenkstätten verschwinden bald. (1956)
In Reihe und Glied: Das war der Wille der meisten Deutschen. Adenauer ließ am 1. März 1956 die ersten Rekruten der Bundeswehr in Andernach, unweit von Bonn, strammstehen.
"Hauptstadt Berlin": Der Reichstag in Berlin war eine Ruine. Am 27. Februar 1933 war er ausgebrannt. Die Reste seiner Kuppel hatten den Krieg überstanden, waren aber kurz danach wegen Einsturzgefahr abgebrochen worden. Man überlegte sogar, das gesamte Gebäude abzureißen. Diese Pläne verschwanden in der Schublade. Eine Tafel verkündete "Hauptstadt Berlin". Eine trotzige Beschwörung. Denn seit dem 10. Mai 1949 ist Bonn die "provisorische" Hauptstadt der Bundesrepublik. (1958)
Unfall bei Karlsruhe: Die Zahl der Autos auf den Straßen wächst rapide. Waren es 1950 eine halbe Million, sind es 1960 bereits 3,7 Millionen Autos und 1970 gar 13,5 Millionen. In gleichem Tempo steigt die Zahl der Unfälle. Ein tödlicher Unfall 1964 bei Karlsruhe.
Willy Brandt vor dem Brandenburger Tor: Ein Jahr zuvor ist der politische Emigrant und Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses zum Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt worden. 1961 wird er als Kanzlerkandidat der SPD gegen Bundeskanzler Konrad Adenauer antreten. (1958)
Jugend in den Fünfzigern: Kippe an der Lippe und Frisur nach James-Dean-Art: Die Industrie hilft mit schrillem Outfit, schicken Mopeds und anderem Zubehör. Eine Kulturrevolution bahnt sich an. Das bürgerliche Wertesystem gerät allmählich ins Wanken. (Dortmund 1959)
Frankfurter Kaufhaus: Der Kaufhof in Frankfurt 1957. Die Innenstadt der Main-Metropole fiel fast ganz den Bomben zum Opfer. Im eher funktionalen Stil der Moderne wurde sie wieder aufgebaut.
Hamburg, Mönckebergstraße: Die Lücken, die der Bombenhagel schlug, wurden durch schlichte Neubauten geschlossen. Sie entsprachen der ästhetischen Doktrin, die sich auf die unterbrochene Tradition des Bauhauses berief. Die Straßen füllten sich 1955 mit Passanten und Kauflustigen.
Eis essen am Rhein: 1959 am Rheinufer in Bonn