Kinder, die auf den Schulbus warten Pass auf dich auf!
Elsebet steht an der Straße und wartet wie jeden Morgen auf den Bus, der sie zur Schule bringt.
Genauso wie Abigail
Und Jack. Der US-amerikanische Fotograf Greg Miller hat in seiner eher ländlichen Wohngegend im Nordosten des Bundesstaates Connecticut Kinder fotografiert, während sie auf den Schulbus warten.
Anlass für die Bilderserie war eines der entsetzlichsten Gewaltverbrechen, die Amerika je erlebt hat: der Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown. Am 14. Dezember 2012 drang ein 20-Jähriger in das Schulgebäude ein und erschoss 20 Kinder und sechs Lehrkräfte und anschließend sich selbst.
Der kleine Ort Newtown liegt rund eine Stunde von Greg Millers Wohnort entfernt. Seine eigene Tochter besuchte die erste Klasse, als der Amoklauf passierte, war also im gleichen Alter wie die Opfer. "Ich war beunruhigt von dem Massaker", sagt der Fotograf. Mit seiner Bilderserie wollte er die Unschuld der Kinder auf dem Weg zur Schule zeigen sowie die Verletzlichkeit und Machtlosigkeit der Opfer, der Eltern und letztlich aller Menschen.
"Durch diese Massenschießereien können wir nicht mehr so selbstverständlich davon ausgehen, dass wir uns wiedersehen, wenn wir uns auf den Weg zur Schule oder ins Kino 'Bis später' zurufen", sagt Miller.
Er selbst müsse - trotz allem, was er in der Zeitung liest - daran glauben, dass mit seiner Tochter alles gut sein wird, so Miller. "Und wie so vielen anderen Eltern gelingt mir das einigermaßen. Ich verliere mich tagsüber in meiner Arbeit und vergesse sie fast. Aber nur fast."
Jonas und Tayor warten im Winter auf den Schulbus. "So viel passiert zwischen 9 und 15 Uhr, was die Eltern gar nicht mitbekommen", sagt Miller. "Diese Zeit beginnt am Ende unserer Auffahrten. Der Punkt, an dem der Schulbus hält, ist wie eine Membran zwischen dem Zuhause und dem Rest der Welt."
Charles steht in der Auffahrt seines Elternhauses. Wenn er morgens seine kleine Tochter verabschiedet, trägt sie ihren pink- und lilafarbenen glitzernden Rucksack, ihre Haarspangen und ihre Stiefelchen, sagt Fotograf Miller.
"Die Kinder und Jugendlichen stellen sich auf die Straße und verlassen sich darauf, dass sie in Sicherheit sind."