Erwachsenwerden in der Krise - DER SPIEGEL
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Auf dem Sprung Erwachsenwerden in der Krise

Sie sind jung, gut ausgebildet, hungrig - aber die fetten Jahre sind für sie vorbei. Sie sind Krisenkinder, die jungen Erwachsenen zwischen 20 und 35. Sechs Vertreter der Generation antworten auf die wichtigsten Fragen des Lebens: Was ängstigt dich, was bereust du und wohin führt dein Weg?
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Monika Kindermann, 23, studiert Geschichte und Politik in München

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Ich möchte gerne das Alfred-Krupp-Stipendium "Metropolen in Osteuropa" bekommen und dann eine geile Zeit in Prag verbringen.

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Fremdgeküsst

Ich habe Angst davor, dass ...
... ich meine Ziele und Träume nicht verwirklichen kann und dann von der Welt in ein Leben gepresst werde, das nicht meinen Vorstellungen entspricht.

Foto: Monika Kindermann
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Heidi Kula, 21, studiert Lehramt in Hannover

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Endlich mit meinem Freund zusammenziehen, um ein bisschen Ruhe und Zeit für uns zu haben - in UNSEREN eigenen vier Wänden.

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Ich habe mir Eigenschaften zugelegt, die mich manchmal selbst erschrecken.

Ich habe Angst davor, dass ...
... irgendetwas Negatives passieren könnte und kontrolliere deswegen jeden erdenklichen Mist.

Foto: Heidi Kula
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Janett S., 25, studiert Bildungswissenschaft in Cottbus

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Ich will mir selbst in den A... treten und mein Studium in den Griff bekommen, anstatt mich ständig selbst zu bemitleiden und mir vorzugaukeln, ich wäre nicht zum studieren gemacht - Ich kann das!

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Mich selbst verstellt zu haben und zu lügen, um geliebt zu werden - und das alles für einen Mann, der es nicht wert war.

Ich habe Angst davor, dass ...
... ich irgendwann noch mehr geliebte Menschen verliere.

Foto: Janett S.
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Georg Darendinger, 29, studiert Europastudien in Malmö

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Ich möchte Demut und Bescheidenheit behalten.

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Ich habe mich aus einer großen Verantwortung gestohlen.

Ich habe Angst davor, dass ...
... ich eines Tages keine Angst mehr habe.

Foto: Georg Daerendinger
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Sarah Hutabarat, 23, arbeitet als Fachinformatikerin in Bensheim

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Nach der Umstrukturierung in der Abteilung, möchte ich mich zum Ende des Jahres erfolgreich eingearbeitet haben, um im nächsten Jahr beruflich voll durchzustarten - außerdem möchte ich abnehmen.

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
ich habe mich von anderen wie der letzte Dreck behandeln lassen und es zugelassen, ausgenutzt zu werden.

Ich habe Angst davor, dass ...
... den Menschen, die ich liebe, etwas Schlimmes zustößt und ich ihnen nicht helfen kann.

Foto: Sarah Hutabarat
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Mathias Glatz, 29, ist Wirtschaftsingenieur, sucht eine Arbeit und lebt in Karlsruhe

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Einen Job bekommen!

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Ich habe meine Eltern zum Weinen gebracht.

Ich habe Angst davor, dass ...
... ich irgendwann auf Hilfe anderer angewiesen sein könnte.

Foto: Mathias Glatz
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Marta Czajkowski, 24, arbeitet als Servicekraft in Nürnberg

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Ich möchte einen Studienplatz an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg oder alternativ an der Fachhochschule für Graphik und Design erhalten - ich möchte in jedem Fall im Gestaltungsbereich bleiben.

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Geliebte Menschen und mich selbst verletzt zu haben, indem ich gegen mich selbst gehandelt, mich verleugnet und aufgegeben habe.

Ich habe Angst davor, dass ...
... ich eines Tages auf mein Leben zurückblicke und erkenne, nicht das Beste aus den Möglichkeiten gemacht zu haben, die mir gegeben waren, nicht nur auf beruflicher und familiärer, sondern auch auf metaphysischer Ebene.

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Duncan Popp, 29, studiert Sozialrecht in Fulda

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Eigentlich bin ich damit zufrieden, wenn ich dieses und das kommende Semester mit ordentlichen Noten abschließe. Dann kann ich mich nächstes Jahr gelassen mit meiner Diplomarbeit befassen.

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Ich hatte mich als Offizieranwärter bei der Bundeswehr verpflichtet. Meine Ideale wurden bitter enttäuscht und statt für diese einzutreten, resignierte ich und quittierte den Dienst. Dadurch habe ich mehrere wertvolle Jahre verloren.

Ich habe Angst davor, dass ...
... die Lethargie in der Bevölkerung immer mehr um sich greift, so dass niemand mehr bereit ist, für soziale Errungenschaften und Rechte zu kämpfen. Angst habe ich auch davor, dass die politische Führung zunehmend abgehobener, ahnungsloser und dilettantischer wird.

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Samantha Kopp, 22, studiert Architektur in Wiesbaden

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Ich habe mich für ein Stipendium bei der Friedrich-Ebert-Stiftung beworben und hoffe, dass ich es bekomme.

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Das Schlimmste war, dass ich meinen Vater und meine Stiefmutter verletzt habe und ich es heute sehr bereue.

Ich habe Angst davor, dass ...
... ich nach meinem Studium immer noch nicht weiß, was für einen Beruf ich ausüben soll und ich Zweifel habe, nicht gut genug dafür zu sein.

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Frank Mühlhausen, 30, arbeitet selbständig in München

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Ich möchte, dass ich dieses Jahr weiter das Arbeiten kann, was mir Spaß macht und nicht gezwungen werde, als Angestellter oder gar Zeitarbeiter mein Geld zu verdienen.

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Ich habe mit der schlimmen Ausrede: "Alleine kann ich eh' nichts ausrichten" meine Kinderseele an das Kapital verkauft.

Ich habe Angst davor, dass ...
... sich nie was ändern wird und die Kaste der fast-alles-Habenden mit Hilfe der Kaste der wenig-Habenden weiter den Rest der Menschheit, unterdrückt und ausbeutet.

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Bettina Wolf, 28, studiert Anglistik in Hamburg

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Ich möchte meine Uni fertig machen und dann einen Job finden.

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Mich immer unter Druck zu setzen.

Ich habe Angst davor, dass ...
... ich meinen und den Ansprüchen anderer nicht gerecht werde.

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Susan Lau, 32, arbeitet als Beraterin in Hamburg

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Die Idee finden, damit ich mein eigenes Business starten kann.

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Entweder es war so schlimm, dass ich es verdrängt haben muss oder es lässt sich einfach mit meinem Gewissen vereinbaren, und ist demnach nicht schlimm.

Ich habe Angst davor, dass ...
... ich irgendwann nicht mehr die Freiheit habe, selbst zu entscheiden.

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Yann Selle, 27, arbeitet als Werbekaufmann in Bonn

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Weitere berufliche Erfolge, wie die der letzten Jahre. Ich möchte glücklicher werden und endlich einen Menschen finden, der das Leben mit mir teilt.

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Dass ich meiner Großmutter kurz vor ihrem Tod nicht die Wahrheit über mich und meine Zukunft gesagt habe, aus Angst, sie zu enttäuschen.

Ich habe Angst davor, dass ...
... es mit Deutschland weiter bergab geht. Ich sehe zu viele Menschen der jungen Generation, geblendet von Casting-TV-Formaten wie "Germany's Next Topmodel". Ich habe Angst vor einer Gesellschaft, in der jeder nur auf sich bedacht ist, ohne Nächstenliebe, Respekt und Vertrauen.

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Maik Junghanß, 22, sucht einen Studienplatz und lebt in Berlin

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Ich möchte an einer Hochschule angenommen werden.

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Ich habe in Australien ein Känguru umgefahren.

Ich habe Angst davor, dass ...
... ich auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft keine Chancen habe.

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Stephan Zipperlen, 23, studiert Amerikanistik in Tübingen

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Ich möchte meinem Traumberuf einen Schritt näher kommen - meine Bachelorarbeit schreiben und vielleicht ein passendes Volontariat finden.

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Dass ich viel zu viel Zeit in Computerspiele, Filme und Fernsehen investiert habe - zum Glück weiß ich nicht genau, wie viel Zeit das war.

Ich habe Angst davor, dass ...
... ich plötzlich allein dastehe.

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Susanne Heuck, 27, ist Managerin und lebt in Klagenfurt

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Ich möchte weniger arbeiten, effizienter sein und meine schlummernden Talente wieder aufwecken - und Orientierung finden.

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Als 18-Jährige bin ich einmal rückwärts auf einer Autobahnabfahrt zurück auf die Autobahn gefahren, als ich gemerkt habe, dass es die Falsche war.

Ich habe Angst davor, dass ...
... die Menschen den Glauben in die Demokratie verlieren und unsere Gesellschaft es nicht schafft, ihre Werte gegen radikale Kräfte zu verteidigen.

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Halszka Nazarczuk, 27, arbeitet als Informatikerin in Hannover

Das möchte ich in diesem Jahr erreichen
Endlich Design zu studieren, wie ich es mir vor 20 Jahren vorgenommen habe, als ich erstmals beschloss, Trickfilmzeichnerin zu werden.

Das Schlimmste, was ich je gemacht habe
Mich so von meinen Zukunftsängsten einschüchtern zu lassen, dass meine Lebensqualität gen null sank.

Ich habe Angst davor, dass ...
... ich den Leuten mehr Glauben schenke, die zu wissen meinen, wie ich mein Leben zu führen habe, als an meinem eigenen Ziel festzuhalten.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?