Fotostrecke Die wichtigsten Antworten zum 1. FC Köln
Zu welchem Zeitpunkt zerbrach das Verhältnis von Solbakken und Finke?
Nach dem "Problemeinkauf" Chong Tese, den Solbakken nicht wirklich wollte, war das Verhältnis zwischen Trainer und Sportdirektor endgültig zerrüttet. Hinzu kam, dass Solbakken drei gestandene Spieler für die kommende Saison gefordert haben soll, Finke aber einen völligen Neuaufbau mit ausschließlich jungen und bezahlbaren Nachwuchsspielern bevorzugte.
In der Presseerklärung heißt es, es gebe unterschiedliche Vorstellungen über die sportlichen Weichenstellungen. Wird der 1. FC Köln nun daraus die Konsequenzen ziehen und der Deutschen Bahn Lokführer abwerben?
Vielleicht würden diese dem FC helfen, zukünftig mal wieder mit Vollgas in eine Richtung zu fahren, statt gleichzeitig zu versuchen, den Verein in drei unterschiedliche Himmelsrichtungen zu ziehen. Die verklausulierte Formulierung der "Weichenstellungen" ist als Hinweis zu verstehen, dass man Stale Solbakken und Volker Finke nicht mehr zugetraut hat, gemeinsam einen schlagkräftigen Kader für die kommende Saison zusammenzustellen.
Finke sagte SPIEGEL ONLINE vor knapp zwei Wochen, dass der Trainer das neue Jugendkonzept "voll mitgehe". Hat der Sportdirektor den Trainer etwa falsch verstanden?
Wahrscheinlich schon. Doch am Akzent des Norwegers kann dies nicht gelegen haben, Solbakken spricht mittlerweile fast perfekt deutsch. Vielmehr scheint der Trainer einfach keine Lust mehr darauf gehabt zu haben, über diese Inhalte mit Finke zu diskutieren. Der 42-Jährige soll sich zuletzt intern immer wieder über Finkes "Dickkopf" beschwert haben.
Wie beeinflusste der Zwist zwischen Sportdirektor und Trainer die Alltagsarbeit?
Die Mannschaft teilte sich in zwei Lager auf: Das Pro-Finke- und das Pro-Solbakken-Lager. Selbst so gelassene Spieler wie Sascha Riether verloren ab und an die Contenance ("ur weil ich von Volker Finke geholt wurde und ihr ein Problem mit ihm habt, müsst ihr das nicht an mir auslassen", schrie Riether im Februar Solbakkens Co-Trainer Bart Wiggen zu). Zudem warteten die beiden Verbünde nur darauf, dass die Gegenseite einen Fehler macht, um diesen dann brühwarm der Presse zu stecken.
Welche Fehler sollen das gewesen sein?
Zuletzt war es das Geschacher um die Ablösesumme von Lukas Podolski, der zum FC Arsenal wechseln soll. Im Raum stehen etwa 13 Millionen Euro, die Köln nun einnehmen soll. Für viele FC-Verantwortliche ist das zu wenig, Finke wird die Schuld dafür gegeben. Er soll nicht hartnäckig genug verhandelt haben. Finke hingegen soll erwidert haben, er hätte die Sorge, dass Podolski seinen Vertrag bis 2013 absitzt und dann ablösefrei wechseln würde.
Gibt es nun etwa doch noch eine Möglichkeit, dass Podolski nach Finkes Abgang beim FC bleibt?
Die Fans hoffen es und schreiben sich in einschlägigen Foren die Finger wund. Podolski selbst befeuerte gestern die Gerüchte, indem er nach wie vor keine Klarheit über seinen Transferstatus abgibt. Aber realistisch ist ein Verbleib trotzdem nicht wirklich. Podolski hat sich mittlerweile gedanklich voll mit London angefreundet und das im Verein auch klar so kommuniziert.
Konnte Finke das nicht einfach mit Podolski besprechen?
Nein. Podolski, der Finke nie namentlich anredete, sondern immer nur von "der Sportdirektor" sprach, ist vom 63-Jährigen enttäuscht. Der Grund soll aber nicht die Entmachtung als Kapitän vor der Saison sein, sondern ein Zettel. Podolski soll Finke im Sommer eine Liste mit 22 Spielernamen gebracht haben, die der Sportdirektor zum FC holen sollte. Darunter Spieler wie Maik Franz. Finke bügelte alles ab, der Prinz war beleidigt. Danach haben die beiden fast nur noch über Interviews miteinander kommuniziert.
Der FC spricht bei der Finke-Demission von einer einvernehmlichen Trennung. Finke sitzt währenddessen auf der PK und verdreht die Augen. Wurde der Sportdirektor vielleicht doch eher einfach rausgeschmissen?
Ja. Der Verwaltungsratsvorsitzende Werner Wolf (l.) spricht davon, dass man Finke "über die Trennung informiert" habe. Der Sportdirektor selbst war sogar noch am Spieltag davon überzeugt, dass er bis mindestens zum Saisonende die Geschicke des Clubs weiter leiten kann. Das Wort "einvernehmlich" ist wohl vielmehr darauf bezogen, dass der FC und Finke sich bereits jetzt über eine Abfindung geeinigt haben.
Finke sagte auf der Pressekonferenz, er möchte es zukünftig so handhaben, wie die drei Affen: nichts sagen, nichts hören, nichts sehen. Was meint er damit?
Das ist wohl der letzte kreative Kunstgriff des ehemaligen Lehrers Finke: Er beschreibt hier mit einem schönen Bild, wie die Kommunikation zwischen ihm, Solbakken und Geschäftsführer Horstmann zuletzt ablief.
Wer wird Finke beerben?
Namen werden derzeit genug gehandelt. Einer von ihnen ist der ehemalige Schalke-Manager Andreas Müller. Er wäre nach seinem Vorvorgänger Michael Meier nicht nur ein weiterer trivialer Nachname, sondern ein ausgewiesener Experte für Clubs mit hohen Verbindlichkeiten. Auch Andreas Rettig (Foto), bis zum Saisonende Manager des FC Augsburg, wird zu den Kandidaten gezählt. Dieser war am Wochenende sogar "zufällig" zu Besuch bei seiner Familie in Köln. Wirklich alles reiner Zufall?