Fotostrecke: Orange Revolution in Kiew - DER SPIEGEL
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Fotostrecke Orange Revolution in Kiew

Er war die Heilsgestalt, Millionen skandierten während der Orangen Revolution seinen Namen: Juscht-schen-ko! Doch der riesige Vertrauensvorschuss des ukrainischen Präsidenten ist dahin. Sein Parteienbündnis dümpelt kurz vor der dritten Wahl in drei Jahren unter fünf Prozent. Ein Rückblick auf die Orange Revolution in Kiew im November 2004.
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November 2004: Die Letzten beißen auch in der Ukraine die Hunde. Die Opposition kündigte eine Kampagne des zivilen Ungehorsams gegen die offenbar unfairen Präsidentschaftswahlen an und will in einem gewaltfreien Kampf für die Anerkennung des wahren Ergebnisses streiten. Die Wahlkommission hatte zuvor erklärt, Ministerpräsident Wiktor Janukowitsch habe die Abstimmung gewonnen.

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Hilfe von der Mutter Gottes? In Kiew demonstrierten rund 200.000 Menschen für den ukrainischen Oppositionsführer Wiktor Juschtschenko und warfen der Regierung Wahlbetrug vor. Die friedliche Kundgebung ähnelte einem Volksfest. Die Polizei hielt sich zurück. Berichte über Zwischenfälle lagen nicht vor.

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Seit Generationen geht ein tiefer Riss durch die Ukraine. Bereits zu Sowjetzeiten leistete der Westen des Landes, der zuvor zu Polen oder zum Habsburger Reich gehörte, der Führung in Moskau Widerstand.

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Dem amtlichen Ergebnis zum Trotz erklärte sich der ukrainische Oppositionsführer zum Sieger der Präsidentenwahl. Dabei bat er die internationale Staatengemeinschaft um Anerkennung und Unterstützung. "Wir appellieren an die Parlamente und Nationen der Welt, den Willen des ukrainischen Volkes und sein Streben nach einer Rückkehr zur Demokratie zu unterstützen", hieß es in der Erklärung, die Juschtschenkos Büro herausgab.

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Begleitet von zehntausenden Anhängern zog Juschtschenko zum Parlament, das zu einer Sondersitzung zusammenkam. "Das ist zur Zeit das einzige demokratische Institut, das wir haben", sagte Juschtschenko. Die Opposition forderte von den Abgeordneten, der Wahlleitung das Misstrauen auszusprechen und die Wahl in den ostukrainischen Gebieten Donezk und Lugansk für ungültig zu erklären.

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Suppenküche für die Demonstranten. Mehr als 100.000 Demonstranten versammelten sich allein vor dem Parlamentsgebäude in Kiew, wo die Abgeordneten zu ihrer Sondersitzung zusammentrafen. Auf der Tagesordnung stand ein Misstrauensantrag gegen die Wahlkommission und die Forderung nach Annullierung des amtlichen Ergebnisses. Doch das Parlament war nicht beschlussfähig.

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Mehrere hunderttausend Studenten, Angestellte, Schüler und Rentner feierten in Kiew und anderen Städten Juschtschenko. "Der Verbrecher Janukowitsch kann und darf niemals Präsident unsers Landes werden", rufen die in orangene Tücher und Planen gehüllten Demonstranten. Der Sieg des Kandidaten der Macht, Janukowitsch, sei nur durch Wahlbetrug ermöglicht worden. "Weder die Polizei noch die Armee werden sich einem Mann unterstellen, der in seiner Jugend Raubüberfälle verübt hat und dafür im Gefängnis saß", erklärt ein älterer Mann.

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Die Anhänger Juschtschenkos wollen "Straßen und Flughäfen blockieren und Stadthallen besetzen", sagte Sprecherin Julija Timoschenko. Einige Demonstranten schwenkten georgische Flaggen - in Anspielung auf die dortigen Massenproteste ein Jahr zuvor, die zum Sturz des georgischen Präsidenten Eduard Schewardnadse führten.

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Stiller Protest. Der Europarat äußerte seine Besorgnis über die Unregelmäßigkeiten bei der Präsidentenstichwahl in der Ukraine. "Die Unregelmäßigkeiten haben die Gefahr einer schlimmen politischen Krise in der Ukraine erhöht", teilte der Europarat in Straßburg mit. In Warschau rief der Generalsekretär der Organisation, Terry Davis, alle politischen Akteure des Landes zur Gewaltfreiheit auf.

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Zu den größten Erfolgen des scheidenden Amtsinhabers Leonid Kutschma zählt, dass er die Unabhängigkeit seines Landes stärkte, ohne innere Konflikte auszulösen. Heute warnte Kutschma, dass die Äußerungen aus dem Westen den Konflikt noch anheizen könnten.

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Hohe Einsatzbereitschaft der Streitkräfte. Trotz der offensichtlichen Unregelmäßigkeiten gratulierte der russische Präsident Wladimir Putin Janukowitsch zum Wahlsieg. Dagegen wurden im Westen Sorgen über Betrug und massive Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung laut.

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Protest für eine besseres Land. In Kiew wie auch anderen Städten der West- und Zentralukraine spürten Hunderttausende Menschen die historische Chance, das von der Sowjetunion geerbte Staatssystem aus Bürokratie und Clanwirtschaft zu überwinden.

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?