Jaroslaw Kaczynski Kleiner Mann, zu groß?
Sein neues Lächeln will Jaroslaw Kaczynski um keinen Preis verlassen: Es verschwindet weder, als er das Verfassungsgericht und das Staatsfernsehen mit seinen Leuten besetzt, noch, als seine Leute im Dunst nationaler Dämpfe zu halluzinieren anfangen.
Über 40 Jahre früher, Anfang der Sechzigerjahre, waren die Zwillinge vor allem als Schauspieler bekannt: Hier am Set des polnischen Films "Die zwei Monddiebe".
Lech Walesa im Jahr 1980: Anführer der Solidarnosc und Ex-Elektriker, der später den Kommunismus kurzschließen sollte.
Die Lenin-Werft im Danzig des Jahres 1980: Mit den Streiks kam die Solidarnosc, die erste freie Gewerkschaft im ehemaligen Ostblock, an der neben Walesa in geringerem Maße auch die Kaczynski-Brüder mitwirkten.
In anderen ehemaligen Ostblockländern wurde nach der Wende mit den Kommunisten abgerechnet, in Polen übernahmen sie Schlüsselstellen: Einer von ihnen, Aleksander Kwasniewski, wurde sogar Polens Staatspräsident (l.; hier 1999 in Madrid an der Seite von Vaclav Havel und Gyula Horn).
2010 kam Jaroslaws Zwillingsbruder Lech, damals polnischer Präsident, auf dem Weg ins russische Katyn bei einem Flugzeugunglück ums Leben. (Hier: Lech Kaczynski im Jahr 2009.)
Jaroslaw Kaczynski ist überzeugt von einem heimtückischen Attentat der Russen. Eine verdächtige Birke, die an der falschen Stelle wuchs, wird als Beweis herangezogen. Von da an wird Kaczynski nicht nur nach politischen, sondern auch nach psychologischen Maßstäben beurteilt.
Die Stunde des Kaczynski-Wählers hat geschlagen. Sein Motto: "Ich wähle den, der dagegen ist. Wenn ich nichts mehr habe, dann will ich zumindest Respekt."
Dem polnischen Volk hingegen vergeht allmählich das Lachen: Schließlich reagiert kein anderes Land in Europa so allergisch auf Diktatoren. Tatsächlich füllen sich die Straßen bereits mit Demonstranten.