Frank Gehry wird 90 Gut in Form
Das Guggenheim-Museum in Bilbao ist eines der bekanntesten Gebäude des Architekten Frank Gehry, der am Donnerstag 90 Jahre alt wird. Viele Basken schüttelten den Kopf, als das umgerechnet rund 140 Millionen Euro teure Gebäude 1997 eröffnet wurde - immerhin lebten in der nordspanischen Metropole damals viele Arbeitslose, aber nur wenige Kunstliebhaber. Die Skeptiker sollten jedoch nicht Recht behalten.
Ebenfalls in Spanien steht das Hotel Marqués de Riscal des gleichnamigen Weinguts. Die Auftraggeber wollten ein modernes Gebäude, das Betrachter wie Besucher bewegt. Gehry lieferte einen für ihn typischen Entwurf: ein dekonstruktivistisches, funkelndes Wunderwerk aus Glas, Titan und Kalkstein.
Der Pritzkerpreisträger (1989) kann natürlich auch konventionell bauen. Hier präsentiert Gehry seinen Entwurf für ein neues Handwerks- und Kunstmuseum für die Luxusmarke Louis Vuitton.
2014 wurde die Fondation Louis Vuitton eröffnet - fünf Jahre später als geplant. Das wegen der segelartigen Vorbauten "Le vaisseau de verre" (Das Glasschiff) getaufte Museumsgebäude besteht aus 19 verschiedenen Raumblöcken.
Das Werk des US-kanadischen Architekten umfasst auch Skulpturen wie "El Peix d'Or" (der Fisch aus Gold) in Barcelona.
Gehry baute die Fisch-Statue für die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona. Mit dem Sonnenstand ändert sich das Erscheinungsbild der 35 Meter hohen Metallkonstruktion.
"Erfrischend originell und total amerikanisch" - mit diesen Worten beschrieb die Pritzker-Jury Frank Gehry, als sie ihn mit der wichtigsten Auszeichnung aus der Welt der Architektur ehrte. Gehrys Bauten seien Teil einer "höchst raffinierten, anspruchsvollen und abenteuerlustigen Ästhetik", hieß es zur Verleihung 1989. Drei Jahrzehnte später haben diese Worte noch immer Bestand.
Teilansicht des Vitra-Design-Museums in Weil am Rhein. Der Museumsbau war der Grundstein für eine internationale Karriere.
Das Gebäude der DZ Bank am Pariser Platz in Berlin Mitte ist eines von mehreren Gehry-Gebäuden in Deutschland. Die Fassade an der Rückseite (zur Behrensstraße) ist wellenförmig und verläuft stufenartig nach oben.
Im glasüberdachten Innenhof steht dieses organische Gebilde, das für manche starke Ähnlichkeit mit einem Pferdekopf hat.
Der Gehry Tower in Hannover.
Geboren wurde Gehry 1929 als Ephraim Owen Goldberg in Toronto. Seine Eltern waren jüdische Einwanderer aus Polen. Seine Großmutter und er hätten damals mit Holzabfällen kleine Häuser und Städte gebaut. "Ich weiß nicht, warum sie das gemacht hat, aber es ist mein Leben geworden", sagte Gehry 2008 in einem Interview.
Roter Klinkerstein und kein Fenster zur Straße: Das Museum Marta Herford besteht aus vielen konvexen und konkaven Bauteilen mit gewellt ansteigenden Dächern. Licht fällt durch Lichtschächte in die Ausstellungsräume.
Museum Marta Herford: Gehrys postmoderne Bauweise begeistert, weil sie den vom Bauhaus propagierten Gestaltungsgrundsatz "Form Follows Function" in gewisser Weise in ihr Gegenteil verkehrt: Form muss, wie Gehry zeigt, eben keineswegs der Funktion folgen. Sie kann sich auch in Titan-Hüllen quer durch den Himmel winden, im Detail völlig unharmonisch wirken und den Betrachter wieder und wieder verblüffen.
Biomuseo, Panama: "Die Museumswelt denkt ja, ich mache absichtlich schräge Ausstellungsräume, um es den Künstlern schwer zu machen, aber das stimmt nicht", sagte der Architekt einmal. "Ich mag nur diese weißen Schuhschachteln nicht. Neutralität ist nicht neutral, sie entwertet Kunst."
Unter Gehrys vielen Kunst- und Konzerthäusern zählt die 2003 fertiggestellte Walt Disney Concert Hall in Los Angeles zu den berühmtesten.
Cleveland Clinic Lou Ruvo Center for Brain Health, Las Vegas: In neuen Aufträgen sieht Gehry eigener Aussage zufolge ein "Skulptur-Objekt, einen räumlicher Container, einen Raum mit Licht und Luft".
Das IAC Building war der erste Gehry Bau in New York.
Für einen Gehry-Bau mutet der zehnstöckige Glasbau geradezu zahm an.
Der Beekman Tower in New York.
Das Maria Stata Center am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge werde immer unvollendet aussehen, schrieb der Architekturkritiker des "Boston Globe", Robert Campbell, zur Einweihung 2004. "Genau das ist der Punkt. Das Erscheinungsbild ist eine Metapher für die Freiheit, den Wagemut und die Kreativität der Forschung, die im Inneren stattfinden soll."
Eine Million von Hand verlegte Ziegelsteine und 115 Kilometer Kabelkanal stecken im Ray and Maria Stata Center.
Fisher Performing Arts Center, Annandale-on-Hudson: Modelle denkt Gehry mit seinen Händen: Er zerknittert Pappe oder zerreißt Papier und klebt die Fetzen zusammen. Weil sich solch komplexe geometrische Gebilde kaum stabil und günstig bauen lassen, entwickelt Gehrys Technologiefirma sogar ihre eigene Design-Software mit ähnlichen Mitteln wie die Luft- und Raumfahrtindustrie.
Gebürstetes Aluminium, polierter Stahl, lackiertes Metall: Gehry mischt gerne verschiedene Materialien wie hier beim Experience Music Project Museum in Seattle.
Die Mischung macht's allerdings nicht immer. Das "Forbes Magazine" zählte das EMP Museum zu den zehn hässlichsten Gebäuden der Welt. Der Volksmund spricht von "The Blob" (der Klecks) und "The Hemorrhoids" (Hämorrhoiden).
Santa Monica, 1980: Schon früh schien Gehry der kalten und formelhaften Moderne mit einer eigenen Architektursprache etwas entgegensetzen zu wollen. Sein zweistöckiges Haus bei Los Angeles zerlegte er bis auf den Rahmen und ummantelte es mit Maschendrahtzaun und Wellblech.
Das Haus im traditionellen Bungalow-Stil wirkte, als sei es explodiert. 1980 wurde das Gebäude vom American Institute of Architects ausgezeichnet.
Das Weisman Art Museum in Minneapolis ist ein weiterer Museumstempel von Frank Gehry.
Das Binocular Building in Los Angeles ist neben der Walt Disney Concert Hall eines der bekanntesten Gebäude Gehrys an der US-Westküste. Der Architekt konzipierte den Bau so, dass er die Umrisse der Fernglas-Skulptur von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen aufnimmt.
Seit 1975 ist Gehry mit Berta Isabel Aguilera verheiratet. Das Paar hat zwei Söhne.