Frank-Walter Steinmeier "Prickel" in Berlin
Frank-Walter Steinmeier (4.v.l., längsgestreiftes Hemd) wird am 5. Januar 1956 im nordrhein-westfälischen Detmold-Brakelsiek/Kreis Lippe geboren. Er wächst in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater ist Tischler, seine Mutter Fabrikarbeiterin. In seiner Jugend erwirbt er sich beim TuS 08 Brakelsiek den Ruf eines ehrgeizigen Fußballers - seine Freunde rufen ihn "Prickel".
Samstags nach der vierten Unterrichtsstunde im Gymnasium in Blomberg trifft sich Steinmeier gern mit Freunden in der Gaststätte "Zum Turner" - wie auch auf diesem Foto aus dem Jahr 1972. Nach seinem Abitur leistet Steinmeier den Wehrdienst ab. 1975 tritt er in die SPD ein, nach seinem Wehrdienst studiert er von 1976 bis 1982 Rechtswissenschaft, seit 1980 zusätzlich Politikwissenschaft an der Universität Gießen. 1991 promoviert er mit dem Thema "Polizeiliche Traditionsreste in den Randzonen sozialer Sicherung. Eine Untersuchung des administrativen Instrumentariums zur Intervention bei Obdachlosigkeit".
"Du passt zu uns!": Als Steinmeier 1993 mit grüner Brille und erikafarbenem Anzug in Hannover zum Vorstellungsgespräch beim SPD-Politiker Gerhard Schröder erscheint, ist dieser begeistert, stellt ihn als Referent für Medienrecht und Medienpolitik in der Niedersächsischen Staatskanzlei ein. Im August 1993 beruft ihn Schröder zum Leiter seines Büros. Im November 1996 macht Schröder, damals niedersächsischer Ministerpräsident, ihn zum Staatssekretär und Leiter der niedersächsischen Staatskanzlei.
Nach der Bundestagswahl vom 27. September 1998 zieht Schröder ins Kanzleramt ein. Erwartungsgemäß holt er seinen Vertrauten Steinmeier als beamteten Staatssekretär und Beauftragten für die Bundesnachrichtendienste nach. Nach dem Rücktritt von Bodo Hombach wird Steinmeier zum 1. Juli 1999 Chef des Kanzleramts. Kein Wunder - Schröder bekannte einmal, außer seiner Frau vertraue er nur zwei Menschen uneingeschränkt: seiner Büroleiterin und "dem Frank".
"Der Frank" steht plötzlich selbst im Rampenlicht: Nach der Wahl 2005 rettet sich die SPD in die Große Koalition - und Frank-Walter Steinmeier wird überraschend Außenminister. Am 22. November 2005 wird er - gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Chef Franz Müntefering als Arbeitsminister - vereidigt.
Erstmals seit Willy Brandt (der das Amt von 1966 bis 1969 innehatte) besetzt die SPD wieder den Posten des Bundesaußenministers. An Auftritte auf der Weltbühne gewöhnt sich Steinmeier rasch. "Stallgeruch", eine Verankerung in der Partei, erwirbt er sich mit dem Vielflieger-Job allerdings nicht.
Der BND-Untersuchungsausschuss wird zum Problem für Steinmeier: Mehrfach wird er mit Vorwürfen und Rücktrittsforderungen konfrontiert, die seine Tätigkeit im Kanzleramt betreffen. Es heißt, er habe sich Versäumnissen bei der Behandlung des Falles Masri schuldig gemacht, eines Deutsch-Libanesen, der 2003 von US-amerikanischen Geheimdienstmitarbeitern nach Afghanistan verschleppt und über Monate illegal festgehalten worden war. Steinmeier kann kein Fehlverhalten nachgewiesen werden - doch bei der Oppostion bleiben bis heute Zweifel an seiner Rolle.
Schwielowsee, 7. September 2008: Die Klausurtagung der SPD-Spitze wird in der SPD-Geschichte für immer mit Frank-Walter Steinmeier verbunden bleiben. SPD-Chef Kurt Beck nominiert nach heftigen internen Streitigkeiten Steinmeier als Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2009 - und tritt dann zurück. Neuer SPD-Chef wird Franz Müntefering. Beck begründet den Schritt mit einer gegen ihn gerichteten "Kampagne" aus der Partei. Manche Kommentatoren sprechen gar von einem "Putsch" Steinmeiers.
Trotz des Hoffnungsträger-Duos Steinmeier/Müntefering wird die Stimmung in und für die SPD nicht besser. In Umfragen stagnieren die Sozialdemokraten, im Juni 2009 erleidet die Partei eine krachende Niederlage bei der Europawahl - erste Zweifel an der Eignung Steinmeiers zum Kanzlerkandidaten werden laut. Bis zum 14. Juni (Bild): Auf dem SPD-Parteitag in Berlin hält Steinmeier eine Rede, die gemeinhin als seine beste bewertet wird.