Freital - DER SPIEGEL
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Rassismus in Sachsen Freital - die schweigende Stadt

Erst Proteste, dann Anschläge: Freital in Sachsen ist zum Synonym für rechten Hass geworden. Seitdem hat sich einiges im Ort verändert - nur etwas sehr Entscheidendes nicht.
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"Früher war alles" - besser, schlechter, anders? Am Dresdner Schauspielhaus thematisiert ein Theaterstück die gesellschaftliche Entwicklung im sächsischen Freital.

Foto: Sebastian Hoppe
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Das Stück, in dem Laienschauspieler aus der Kleinstadt bei Dresden auftreten, ist eine Reaktion auf eine ganze Reihe von Ereignissen, die Freital seit 2015 bundesweit bekannt gemacht haben.

Foto: Sebastian Hoppe
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Die Stadt mit ihren etwa 40.000 Einwohnern im Südosten Sachsens ist vor allem für eines bekannt: rassistische Übergriffe, rechte Kundgebungen und eine Terrorgruppe.

Foto: Arno Burgi/ dpa
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Unter anderem wegen Sprengstoffanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte mussten sich sieben junge Männer und eine Frau seit März 2017 vor dem Dresdner Oberlandesgericht verantworten.

Foto: Roland Halkasch
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Die Richter verhängten mehrjährige Freiheitsstrafen gegen die Mitglieder der "Gruppe Freital" - die war aus einer Bürgerwehr hervorgegangen.

Foto: SEBASTIAN KAHNERT/ AFP
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Der Prozess fand unter strengen Sicherheitsauflagen statt, nach exakt einem Jahr fiel das Urteil. Demnach handelte es sich bei den Taten der Gruppe um rassistischen Terror.

Foto: Arno Burgi/ dpa
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Michael Richter wurde Opfer eines mutmaßlich rechtsextremen Anschlags: Ein in Deutschland verbotener Böller zerstörte das leere Auto des Linken-Stadtrats. Als er vor Gericht im Zeugenstand aussagte, brach der Lokalpolitiker in Tränen aus.

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Im September 2015 wurde ein Anschlag auf ein Büro der Linkspartei in Freital verübt, auch dafür soll die "Gruppe Freital" verantwortlich sein.

Foto: Arno Burgi/ dpa
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Notdürftig mit Holz verriegeltes Fenster einer Freitaler Flüchtlingswohnung: Im November 2015 wurden Sprengsätze vor den Fenstern deponiert, ein syrischer Bürgerkriegsflüchtling wurde bei dem Anschlag im Gesicht verletzt.

Foto: Arno Burgi/ dpa
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Spätestens im Sommer 2015 soll die Gruppe Freital entstanden sein - zu einer Zeit, als die Stadt international Schlagzeilen machte mit Protesten vor einer Flüchtlingsunterkunft.

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Das ehemalige "Hotel Leonardo" in Freital: In das Flüchtlingsheim zogen im Frühjahr 2015 Flüchtlinge. Diese Entscheidung führte zu heftigen Protesten.

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Die Ausschreitungen wurden schon bald ein Fall für die Sicherheitsbehörden: Die Polizei begleitete die Kundgebungen mit einem massiven Aufgebot. Dieses Bild zeigt eine Festnahme vor der Unterkunft im Juni 2015.

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Der Konflikt drohte zu eskalieren, als tagelang Hunderte Demonstranten abends zum "Hotel Leonardo" marschierten, das die Polizei schließlich mit Einsatzkräften abriegelte.

Foto: Oliver Killig/ dpa
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Großeinsatz vor dem Hotel Freital: Eine zentrale Rolle spielten Rechtspopulisten wie der Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann, die mehrere Aufmärsche vor dem Flüchtlingsheim organisiert hatten.

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Stefan Vogl engagierte sich in Freital von Anfang an für die Zuwanderer - und gehört nun zu denjenigen, die in dem Theaterstück über die Geschichte der Stadt auftreten.

Foto: Sebastian Hoppe
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Vogl glaubt, dass sich im Sommer 2015 in Freital eine schweigende Mehrheit bildete: Während einige immer nur noch lauter geworden seien, hätten sich viele andere in die innere Emigration zurück gezogen.

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Diese Entwicklung thematisiert auch das Theaterstück - in dem sagt Darsteller Vogl einen Satz, den er auch als Privatperson richtig findet: Man dürfe Feuer nicht mit Feuer bekämpfen.

Foto: Sebastian Hoppe
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Vogl stellte sich daher 2015 nicht an der Seite von Antifaschisten und Flüchtlingshelfern vor das Flüchtlingsheim, sondern organisierte im "Willkommensbündnis Freital" unter anderem Sportabende für Migranten.

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Andere versuchen es mit Politik - so wie die Flüchtlingshelferin Steffi Brachtel (l.) und die Grünen-Stadträtin Ines Kummer (r.). "Ich hoffe einfach", sagt Brachtel, "dass es irgendwann ganz normal ist, sich zu Wort zu melden und zu engagieren."

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Brachtel und Kummer gehörten bereits 2015 zu denjenigen im Ort, die sich stark machten gegen Rassismus. Brachtels Sohn Nico (l) lebt inzwischen in Dresden, der Linken-Politiker Michael Richter (r.) hat Freital wegen der Anfeindungen inzwischen verlassen.

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?