Nobelpreis Merkel und die Konkurrenz
Kanzlerin Angela Merkel beim Staatsbesuch in Indien: Wer erhält die höchste politische Auszeichnung, den Friedensnobelpreis? Ein norwegischer Friedensforscher sieht Kanzlerin Merkel als Favoritin. Laut den Wettbüros liegen jedoch andere vorn. Hier sind ihre größten Konkurrenten.
Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und Mussie Zerai: Auf der von norwegischen Nobel-Historikern betriebenen Internetseite Nobeliana.com steht das Uno-Hilfswerk auf Platz eins. Gemeinsam mit dem eritreischen Priester Zerai. Er half mit seiner Hilfsorganisation Tausenden Bootsflüchtlingen. Würde der gemeinsame Preis an das UNHCR und Zerai gehen, so würde das Nobelkomitee einen Teil dazu beitragen, die größte Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg zu lösen, schreiben die Experten.
Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos (im Bild) und der Farc-Anführer Timoleón Jiménez: Als aussichtsreiche Anwärter gelten auch die kolumbianische Regierung und die linken Farc-Rebellen. Nach jahrzehntelangen Kämpfen führen sie Friedensverhandlungen, ein Abkommen ist jedoch erst im März in Sicht. Kommt der Preis also doch erst im nächsten Jahr?
Die russische Oppositionszeitung "Nowaja Gaseta": Bei Nobeliana.com steht das Blatt als eine der wenigen unabhängigen Stimmen in Russland auf Platz zwei der Nominierten. Mehrere Journalisten der Zeitung wurden getötet. Eine Auszeichnung würde Moskau provozieren und die Unabhängigkeit des Nobelkomitees unterstreichen, heißt es auf Nobeliana.com.
Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif (im Bild) und sein US-Kollege John Kerry könnten für ihre historischen Verhandlungen ausgezeichnet werden.
Vorschusslorbeeren für das Iran-Atomabkommen und Kerry: Der Preis würde es für Iran schwieriger machen, den Deal zu sabotieren, hoffen die Experten.
Der Arzt Denis Mukwege: Er behandelte Tausende Vergewaltigungsopfer in der Demokratischen Republik Kongo und gilt als weltweit führender Experte für die Behandlung von Verletzungen, die durch Gruppenvergewaltigungen sowie durch gezielte physische Unterleibsschändungen verursacht wurden.
Auch die Internationale Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen (Ican) gehört zu den Kandidaten. Stellvertretend könnten Sumiteru Taniguchi (im Bild) und Setsuko Thurlow die Auszeichnung entgegen nehmen: Beide überlebten den Angriff auf Nagasaki vor 70 Jahren. Seitdem kämpfen sie gegen Atomwaffen.
Der saudi-arabische Blogger Raif Badawi: Der 31-jährige Regierungskritiker war wegen Beleidigung des Islam zu einer Gefängnisstrafe und 1000 Peitschenhieben verurteilt worden.
Papst Franziskus: Wird erstmalig das oberste Kirchenoberhaupt zum Träger des Friedensnobelpreises? In seinen Reden und zuletzt auf seiner USA-Reise setzte er sich für soziale Gerechtigkeit ein. Vorgeschlagen wurde er laut den Nobel-Historikern von einem norwegischen Abgeordneten mit Migrationshintergrund.