Friedensvertrag verrückt - DER SPIEGEL
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Friedensvertrag verrückt Der Schädel des Sultans

Reparationen, Gebietsverluste, Flotte weg: Der Versailler Frieden, der vor 90 Jahren den Ersten Weltkrieg beendete, traf Deutschland ins Mark. Und dann verlangten die Briten auch noch den Schädel des Sultans Mwkawa. Die bizarre Vertragsklausel löste eine endlose Politposse aus - die bis heute andauert. Von Hans Michael Kloth
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Selbsternannte "Herrenmenschen": Die kolorierte Zeichnung um 1912 zeigt für die Deutschen daheim im Reich die verschiedenen Uniformen der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika - man fand nichts dabei, dieses Tableau mit einem gefesselten, nur in Fetzen gekleideten afrikanischen Gefangenen zu illustrieren.

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Schädel im Schrein: Bis heute wird im Mkwawa Memorial Museum von Iringa in Tansania dieser Schädel aufbewahrt. Der britische Gouverneur in Tanganjika, Sir Edward Twining, hatte ihn 1953 im Bremer Übersee-Museum gefunden.

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Schauriges Ausstellungsstück: Am 19. Juni 1954 überreichte der damalige britische Gouverneur Sir Edward Twining in einer feierlichen Zeremonie den Nachkommen von Häuptling Mkwawa einen Schädel aus dem Bremer Übersee-Museum. Ob es bei dem heute im tansanischen Iringe ausgestellten Schädel allerdings, wie Twining glaubte, tatsächlich um den Kopf von Häuptling Mkwawa handelt, ist ungewiss - das ließe sich nur durch einen Gentest klären. Dessen Nachkommen vertreten aber die Meinung, "dass die Echtheit des Schädels nicht mehr zur Diskussion stehen sollte".

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"Überfall auf dem Marsch": Eine Zeichnung von 1906 zeigt deutsche Schutztruppler, die sich gegen einheimische Angreifer zur Wehr setzen. Meist waren allerdings die Deutschen die Agressoren. Trotz ihrer Überlegenheit mussten die Schutztruppen auch demütigende Schlappen hinnehmen - wie bei der katastrophalen Niederlage gegen die Wahehe-Krieger des Häuptlings Mkwawa im Juli 1891.

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Emil von Zelewski: Als Kommandeur der Schutztruppe von Deutsch-Ostafrika brach der als herrisch geltende Zelewski Mitte 1891 mit drei Kompanien zu einer Strafexpedition gegen das Wahehe-Volk auf. Nachdem er mordend und segend durch das Land gezogen wa, geriet er am 19. Juli 1891 in einen Hinterhalt der Wahehe, die seine Einheit innerhalb kürzester Zeit aufrieben. Auch Zelewski fiel.

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Memento mori: Bis heute erinnert dieser Gedenkstein in Tansania an die Schlacht von Lugalo (damals Rugaro) im Juli 1891, bei der mehrere Tausend Wahehe-Krieger ein Bataillon der deutschen Schutztruppe vernichteten.

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Der Schädel des Sultans: Diese Aufnahme des abgeschlagenen Kopfes des Wahehe-Häuptlings Mkwawa entstand im Juli 1898. Sie galt lange Zeit als verschollen.

Foto: Thomas Morlang - Christoph Links Verlag
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Mit Speer und Schild: "Wahehe bei ihrem Kriegsspiel" beschriftete der Fotograf 1898 dieses Bild der mit Speeren bewaffneten afrikanischen Krieger. Die deutschen Kolonialisten waren in ihrer Haltung gegenüber den stolzen Wahehe gespalten - einerseits bewunderten sie das kriegerische Volk, andererseits bekämpften sie aufrührerische Eingeborene mit brutalen Methoden bis an den Rand des Völkermords.

Foto: Philipp Engelhardt/Überseemuseum Bremen
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Wahehe-Krieger: In Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, wehrte sich der rebellische Bantu-Stamm der Wahehe oder Hehe gegen die Inbesitznahme des Landes durch europäische Kolonialisten. Die Wahehe galten als stolze und furchtlose Krieger, die auch gegenüber Europäern selbstbewusst auftraten.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 105-DOA0039

Foto: Das Bundesarchiv/Walther Dobbertin
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Askari mit deutscher Fahne: In den Konflikten mit den eingeborenen Stämmen setzten die deutsche "Schutztruppe" für Ostafrika auf einheimische Soldaten, die asogenannten Askaris.

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Kimme und Korn: Askaris der Schutztruppe von Deutsch-Ostafrika bei der Ausbildung.

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Deutscher Blick auf Afrika: As Gustav Adolf von Götzens im März 1901 als Gouverneur von Deutsch-Ostafrika eingesetzt wurde, erschien in den "Lustigen Blättern" diese Karikatur. Der Text unter der Zeichnung lautet "Häuptling (vorstellend): Darf ich die Herren miteinander bekannt machen. Die alten Götzen - der neue Götzen."

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Kunstbibliothek, SMB/Knud Petersen
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Schießübung: Während die einheimischen Askari das Fußvolk bildeten, waren alle Offiziere und in aller Regel auch die Unteroffiziere Deutsche.

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"Die großen Drei" von Versailles: Der französische Ministerpräsident Georges Clémenceau, US-Präsident Woodrow Wilson und der britische Premierminister David Lloyd George (v.l.n.r.) auf dem Weg zu den Abschlussverhandlungen für den Friedensvertrag von Versailles 1919.

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Historischer Moment: Der französische Ministerpräsident Georges Clémenceau eröffnet am 28. Juni 1919 im Schloss von Versailles die Sitzung zur Unterzeichnung des Friedensvertrags. Der Versailler Vertrag war der wichtigste der Pariser Vorortverträge, die 1919/1920 den Ersten Weltkrieg auch formell beendeten und den besiegten Staaten harsche Friedensbedingungen auferlegte.

Foto: dpa
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Feierliche Rückgabe: Der britische Gouverneur in Tanganjika, Sir Edward Twining, übergab am 19. Juni 1954 in einer feierlichen Zeremonie den vermeintlichen Schädel Mkwawas an Chief Adam Sapi Mkwawa, einen Enkel des Sultans. Den Schädel hatte Twining im Bremer Überseemuseum ausfindig gemacht. Mit der Rückgabe sollte Artikel 246 Absatz 2 des Versailler Vertrages endlich erfüllt werden.

Foto: Christian Links Verlag
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Mkwawa goes Pop: Welche Popularität aber auch welche Verfremdungen und Legenden die Geschichte des Sultanschädels erfahren hat, macht dieser Comic deutlich. Er verlegt das Leben des Mkwawa in das 16. Jahrhundert und behauptet, dass sein Schädel aufbewahrt worden sei, weil er als großer und weiser Fürst verehrt worden sei. Tatsächlich starb Mkwawa, der sich selbst den Beinamen "Schlächter" gegeben hatte und der durchaus rücksichtlos mit seinen Untertanen umging, 1898 auf der Flucht vor den Deutschen. Was mit seinem Schädel geschah, ist bis heute nicht endgültig geklärt.

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Schauriges im Depot: Der Urenkel von Häuptling Mkwawa, Is-Haka Mkwawa, besuchte im September 2000 im Rahmen der Dreharbeiten für einen Dokumentarfilm über seinen Vorfahren das "Schädelmagazin" des Bremer Übersee-Museums. Hier hatte Sir Edward Twining 1953 einen Schädel gefunden, den er für den Mkwawas hielt. Fast alle Exemplare der Sammlung stammen jedoch von einem aufgelassenen Bremer Friedhof, aus Ostafrika stammt laut den Museumsakten kein einziger Schädel.

Foto: Martin Baer - Christoph Links Verlag
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Das Bremer Überseemuseum 1903: Eine Postkarte von 1903 zeigt das damalige städtische "Natur-, Völker- und Handelskunde Museum" in Bremen, den Vorläufer des heutigen Überseemuseums. Hier fand der britische Gouverneur in Tanganjika, Sir Edward Twining, 1953 einen Schädel, den er als Kopf des Sultans Mkwawa identifizierte und 1954 dem Volk der Wahehe in einer feierlichen Zeremonie zurückgab.

Foto: Überseemuseum, Bremen
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Allzeit bereit: Die Schutztruppe in Südwestafrika war beritten und war immer einsatzfähig. Am 9. Juli 1915 musste sie bei Korab kapitulieren, da die Südafrikanische Union 60.000 Mann einsetzte, um die 6000 Reiter im einjährigen Kampf zu besiegen.

Eingereicht von einestages-Leser Karl Schillinger.

Foto: Karl Schillinger
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