Fritz J. Raddatz Ein literarischer Unruhestifter
Über Jahrzehnte einer der profiliertesten Literaturkenner des Landes: der so scharfsichtige wie belesene Kritiker Fritz J. Raddatz (1931-2015)
Raddatz gehörte fest in eine Zeit, in der man noch mit Fug und Recht von Großkritikern sprechen konnte. Wie Marcel Reich-Ranicki (1920-2013) war Raddatz eine Zentralgestalt des Literaturbetriebs.
Und ein eitler Zeitgenosse, der standesbewusst, aber auch ironisch über die eigene Rolle schrieb: Raddatz' autobiografische Bücher erlaubten einen intimen Blick auf die Geisteswelt der Bundesrepublik - und das Dandytum eines Mannes, für den die Form beinah alles war.
Als Journalist wurde er ab 1977 als Feuilletonchef der "Zeit" zu einem Machtfaktor im Literaturbetrieb. Aufnahme aus dem Jahr 1972.
In seinen späten Jahren kultivierte Raddatz die Rolle des altmodischen Bildungsbürgers. Nicht selten mokierte er sich über seine Zeitgenossen, die ihn angeblich nicht genug würdigten.
Er legte die gleiche Empfindlichkeit an den Tag wie die Autoren selbst, über die er schrieb - und kokettierte in seinen Selbstzeugnissen unentwegt mit dieser Wahlverwandtschaft. Die Aufnahme zeigt Raddatz mit Günter Grass (links) und Siegfried Lenz.
Mit Grass war Raddatz über Jahrzehnte befreundet.