Fritz Teufel gestorben - DER SPIEGEL
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Fritz Teufel Radikaler Polit-Clown

Er lebte in der legendären Kommune 1 und ging als radikaler Polit-Clown in die deutsche Geschichte ein: Am Dienstag starb Fritz Teufel im Alter von 67 Jahren. Rainer Langhans, Teufels langjähriger Wegbegleiter, erinnert sich im einestages-Interview an das Idol der 68er-Bewegung.
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Fritz Teufel: Der "Kommune 1"-Gründer Fritz Teufel spricht am 15. September 1968 vor dem Frankfurter Café Laumer in der Bockenheimer Landstraße zu Studenten. Der Spaß-Revoluzzer war eine schillernde Figur der Studentenbewegung.

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Alt-68er: Im Alter von 67 Jahren starb der Ex-Kommunarde und Alt-68er Fritz Teufel, aufgenommen im August 1997 in Mainz, am 6. Juli 2010 in Berlin, wo er bis zuletzt zurückgezogen im Stadtteil Wedding lebte. Er litt seit Jahren an der Parkinsonschen Krankheit.

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"Kommune 1"-Mitglieder: Dieter Kunzelmann, Rainer Langhans und Fritz Teufel am 9. Juli 1968 in einem Berliner Gerichtssaal (von links). Teufels Wohngemeinschaft "Kommune 1" wird das Zitat "Wenn es irgendwo brennt in der nächsten Zeit ... seid bitte nicht überrascht" zugeschrieben.

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Vor Gericht: Polizisten bringen Fritz Teufel am 5. Januar 1971 zu seinem Prozess vor dem Landgericht München. Die Staatsanwaltschaft warf Teufel versuchte schwere Brandstiftung vor. Immer wieder geriet der ehemalige Kommunarde wegen Respektlosigkeiten vor der Obrigkeit und politischen Protestaktionen mit dem Gesetz in Konflikt.

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Prozess gegen Teufel: Bürgerschreck Fritz Teufel, links, mit einem seiner Anwälte, Hans-Christian Ströbele. Am 16. Januar 1971 wurde Fritz Teufel vom Münchener Landgericht wegen "versuchter Menschen gefährdender Brandstiftung" zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

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Die "Pudding-Attentäter": Die Berliner Studentengruppe "Kommune 1", die unter dem Verdacht eines Attentats gegen den US-Vizepräsidenten Hubert H. Humphrey vorübergehend festgenommen worden war, bestritt am 7. April 1967 vor Pressevertretern mit Nachdruck, einen Sprengstoffanschlag auf den Gast aus den Vereinigten Staaten geplant zu haben. Ziel ihrer Aktion sei es lediglich gewesen, den Berlin-Besuch Humphreys und ihn selbst vor der Bevölkerung lächerlich zu machen: Sie wollten den Staatsverterter mit Pudding und Mehl bewerfen. Nach einem Tag in U-Haft kamen die "Pudding-Attentäter" wieder frei. In der vorderen Reihe sind von links Fritz Teufel, Dagmar Seehuber und Ulrich Enzensberger zu sehen, hinten stehen Dieter Kunzelmann, Dorothea Ridder und Hans-Joachim Hameister.

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Der Teufel ist los: "Man muss den Teufel feiern, solange er los ist" war das Motto für ein Freudenfest, das die Kommune 1 am 12. August 1967 auf dem Kurfürstendamm in Berlin veranstaltete. Auf dem Foto fordert Fritz Teufel seine Anhänger wegen Beleidigung des Schahs von Persien zur Selbstanzeige auf. Er selbst trägt ein Plakat mit einer Schießscheibe und einer Zeichnung vom Schah.

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Unterstützung der Kommilitonen: Fritz Teufel während seiner Rede im Erlanger Auditorium Maximum am 11. November 1968. Das Teach-in war Ausgangspunkt erneuter Studentenkrawalle in Erlangen. Auf der Veranstaltung sollte über bisherige Methoden der Justiz gegen Mitglieder der außerparlamentarischen Opposition berichtet werden. Anlass war der Prozess gegen die Münchner Studentin Linda de Voss und ihren Kommilitonen Alfred Schrempf. Beide hatten sich wegen ihrer Teilnahme an den Demonstrationen beim Nürnberger SPD-Parteitag im März 1968 wegen Landfriedensbruch vor dem Nürnberger Gericht zu verantworten.

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Sitzboykott: Die "Kommunarden" Dieter Kunzelmann, Antje Krüger, Rainer Langhans und Fritz Teufel (von links) am 7. Februar 1968 in Berlin in der Vollversammlung der sogenannten Kritischen Universität. Die Studenten saßen in der Vorhalle des Audimax der Technischen Universität auf dem Boden, da der Rektor die Genehmigung für die Benutzung zurückgezogen hatte.

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Auf dem Weg zur Wahrheitsfindung: Fritz Teufel war am 2. Juni 1967 vor der Deutschen Oper in Berlin während der Anti-Schah-Demonstration festgenommen-, und später des schweren Landfriedensbruchs angeklagt worden. Die Verteidigung forderte Freispruch und völlige Rehabilitierung für Teufel. Während des Prozesses kam Teufel, hier im Gespräch mit seinem Anwalt Horst Mahler am 15. Dezember 1967, der Aufforderung des Richters, er möge sich erheben, mit der legendären Bemerkung "Wenn's der Wahrheitsfindung dient" nach.

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Freiheit für Teufel: Mit einer Demonstration für den in Untersuchungshaft sitzenden Studenten Fritz Teufel störten Jugendliche und Studenten, die der "Kommune I" angehören, die Trauerfeier für den verstorbenen früheren Reichtagspräsidenten Paul Löbe. Auf der Straße vor dem Schöneberger Rathaus sprangen Jugendliche aus einem Lieferwagen und trugen einen Sarg. Der Sargdeckel klappte auf, das Kommune-Mitglied Dieter Kunzelmann, mit einem langen weißen Hemd bekleidet, erhob sich und warf stehend gelbe Flugblätter mit der Aufschrift "Freiheit für Teufel" zwischen die Menschen. Die Polizei griff sofort ein und nahm Kunzelmann sowie andere Demonstranten fest.

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Wieder auf freiem Fuß: Das Foto zeigt Fritz Teufel, rechts, damals Mitglied des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, aufgenommen nach seiner Haftentlassung am 10. August 1967 in der Kommune-Wohnung in Berlin-Charlottenburg, mit den Kindern Grischa, Nasser Hemmer und seinem Mitkommunarden Wolfgang. Teufel, der sich seit dem 2. Juni 1967 unter dem Verdacht des Landfriedensbruchs während einer Anti-Schah-Demonstration in Untersuchungshaft befand, wurde Haftverschonung gewährt und auf freien Fuß gesetzt.

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Der Teufel und seine Gefolgschaft: Fritz Teufel, in Ketten gelegt mit einem Strauß roter Nelken, und seine Anhänger sind am 18. August 1967 auf dem Weg zum Moabiter Untersuchungsgefängnis in West-Berlin.

Foto: HERRMANN/ AP
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Ernster Spaß-Revoluzzer: Studentenrebell Fritz Teufel, damals 24 Jahre alt, posiert am letzten Verhandlungstag am 22. Dezember 1967 im West-Berliner Gericht.

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Begrüßungskomitee: Fritz Teufel wurde am 2. Juni 1967 wegen eines angeblichen Steinwurfs während einer Demonstration gegen den Schah Reza Pahlavi verhaftet und saß bis zum Verhandlungsbeginn im November in Untersuchungshaft. Im Dezember wurde er aus dem Untersuchungsgefängnis in Moabit-Berlin entlassen. Auf dem Foto begrüßt ihn seine Mutter mit einem Küsschen, links hat sich sein Vater eingehakt.

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(Auf) Teufel kommt raus: Studenten holen den Kommunarden Fritz Teufel an der Haftantstalt in Berlin-Moabit ab. Teufel (mit Adventskranz auf dem Kopf) war am 1. Dezember 1967 aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Auf dem Transparent ist zu lesen: "Jetzt ist der Teufel los".

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"Sprengt Gerichte in die Luft!": Unter Anführung des Berliner Kommunarden Fritz Teufel veranstalteten rund hundert Demonstranten im Nürnberger Gerichtsgebäude ein Happening mit Sprechchören und einem Sitzstreik. Als die Protestler nach mehrfacher Aufforderung der Polizei das Gerichtsgebäude nicht räumten, drängten die Beamten die Studenten auf die Straße. Vorher wurde ein Flugblatt verteilt, in dem es unter anderem heißt: "Sprengt zwei, drei viele Gerichte in die Luft".

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Beweismaterial: Das Bild zeigt drei Ausweise mit dem Foto des Anarchisten Fritz Teufel, die aber auf verschiedene Personen ausgestellt sind. Am 15. September 1975 stellte die Polizei erstmals Teile der umfangreichen Beweisstücke der Öffentlichkeit vor, die bei den jüngsten Festnahmen von Anarchisten in Berlin sichergestellt worden waren. Vertreter der Abteilung Staatsschutz betonten dazu, das Material lasse "Rückschlüsse auf die Gefährlichkeit der kriminellen Organisation zu". Außer einer Vielzahl von gefälschten Personalausweisen und Pässen waren auch Blanko-Formulare für Führerscheine des Inlandes, wie auch für Internationale Führerscheine, Kraftfahrzeugscheine und Briefe zu sehen, weiter Polizei-Matritzenfolien mit Abdrucken amtlicher Siegel von Polizeidienststellen aus dem gesamten Bundesgebiet. Außerdem waren auf einem großen Tisch im Polizeipräsidium zahlreiche Autokennzeichen, Schilder, Funkgeräte eine Druckmaschine und Fotomaterial sowie Broschüren und Bücher ausgebreitet.

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Terrorist Teufel: In den siebziger Jahren schloss sich Fritz Teufel (undatiertes Archivbild) dem bewaffneten Kampf an und ging in den Untergrund. Als führendes Mitglied der terroristischen Bewegung 2. Juni wurde er zu mehreren Jahren Haft verurteilt.

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Teufel mit Rainer Langhans: Fritz Teufel, links, unterhält sich mit dem Ex-Kommunarden Rainer Langhans auf einer Veranstaltung der "Kommune 1" am 12. August 1967 in Berlin. Die Aktion stand unter dem Motto "Jetzt ist der Teufel los".

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