Frühe Farbfotografie - DER SPIEGEL
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Magische Fotografie Jahrhundertwende in Farbe

Bis in die fünfziger Jahre waren Fotos unserer Welt oft schwarzweiß, die Vergangenheit kannte vor allem eine Farbe: Grau. Dabei schuf eine Handvoll Männer schon vor mehr als einhundert Jahren die ersten Farbaufnahmen. einestages über die Pioniere der Fotografie und ihre magischen Bilder.
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Mohammed Alim Khan (1880-1944), Emir von Buchara. Als Prokudin-Gorskij 1911 das Bild vom Emir machte, war Buchara noch ein islamischer Staat auf dem Gebiet des heutigen Usbekistan. Doch die russische Revolution machte auf vor dem Emirat keinen Halt - der Emir wurde ins afghanische Exil vertrieben und Buchara 1925 zur Sowjetrepublik Usbekistan.

Foto: Library of Congress
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Prokudin-Gorskij porträtierte sich 1912 an einem Bach selbst. Während der russischen Revolution musste der Fotograf mit seiner Familie flüchten und eröffnete in Nizza mit seinen Söhnen Michail und Dmitrij ein Fotolabor.

Foto: Library of Congress
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Im Mai 1908 lichtete Prokudin-Gorskij den russischen Schriftsteller Leo Tolstoi auf dessen Landgut Jasnaja Poljana, rund 220 Kilometer südlich von Moskau, ab. Die berühmte Aufnahme ist die erste Farbfotografie aus Russland - und die einzige, die in Farbe von Tolstoi existiert. Der Dichter starb zwei Jahre nach dem Besuch Prokudin-Gorskijs.

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Ein schlafender Hund am Lindozero-See in Russland, aufgenommen 1910 von Sergej Prokudin-Gorskij. Der Russe war Chemiker und hatte zeitweise an der Technischen Hochschule in Berlin "über Spektralanalyse und Fotochemie" gelesen, schrieb der SPIEGEL 1980. Dort hatte Prokudin-Gorskij auch den deutschen Fotopionier Adolph Miete kennengelernt, dessen Wechselschlittenkamera er auf seiner Reise durch Russland benutzte.

Foto: Library of Congress
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Eine Bäuerin genießt am Fluss Sim, der im Ural entspringt, einen Moment der Stille. Die Prokudin-Gorskij-Aufnahme stammt von 1910.

Foto: Library of Congress
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Ein Künstler modelliert in einer Werkstatt im Ural-Gebirge ein Gussstück. Die Aufnahme machte Sergej Prokudin-Gorskij 1910.

Foto: Library of Congress
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Eine Kapelle in der Oblast Wologda, Nordwestrussland. Die kleine Holzkirche steht an dem Ort, wo im Altertum die Stadt Belosersk entstanden war. Prokudin machte diese Aufnahme 1909, im ersten Jahr seiner Reise durch Russland.

Foto: Library of Congress
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Prokudin-Gorskij, vorne rechts, unternahm 1910 eine Fahrt mit einer Draisine auf der Eisenbahnstrecke entlang des Onega-Sees in der Oblast Murmansk, hier bei Petrozawodsk - bei dem Ausflug entstand dieses frühe Farbbild. Die Schienen der transsibirischen Eisenbahn dienten dem Farbfotopionier als Straße durch die russischen Weiten, die er mit einem vom Zar gestellten Sonderzug durchquerte. Auch ein Schiff durfte Prokudin-Gorskij benutzen.

Foto: Library of Congress
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Die Ortschaft Mezhewaja Utka an der Tschussowaja, ein Nebenfluss der Kama im Ural. Sergej Prokudin-Gorskij hatte lange Zeit vergeblich versucht, den Zaren von seiner Idee einer enzyklopädischen Fotodokumentation Russlands zu überzeugen. Ein Diavortrag in der Sommerresidenz Nikolaus' brach dann das Eis.

Foto: Library of Congress
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Ein kirgisischer Nomade mit seiner Familie in der Golodnaja-Steppe im heutigen Usbekistan. Die Aufnahme stammt von etwa 1910. Wegen der langen Belichtungszeiten für die separaten Grün-, Blau- und Rotaufnahmen mussten die von Prokudin-Gorskij fotografierten Personen mehrere Sekunden absolut stillsitzen. Bei der kleinsten Positionsänderung wären hinterher die Negative beim Projizieren nicht mehr deckungsgleich gewesen.

Foto: Library of Congress
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Ein Mann und eine Frau posieren circa 1910 für Prokudin-Gorskiji. Das frühe Farbbild entstand in der russischen Republik Dagestan - der Name bedeutet "Bergland". Insgesamt schuf der russische Fotopionier fast 2000 solcher Farbaufnahmen.

Foto: Library of Congress
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Diese frühe Farbfotografie von 1892 wurde mit dem additiven Verfahren hergestellt, bei dem die Farben durch drei übereinander projizierte rote, grüne und blaue Diapositive wiedergegeben werden. Die Aufnahme wurde mit dem Dye Transfer Process, einem von Kodak entwickelten Kopierverfahren, reproduziert und nach den Originalpositiven vergrößert.

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Auf dieser Aufnahme sind vermutlich die Frau und das Kind des Fotografen Henry Essenhigh Corke zu sehen. Das Autochrom wurde 1912 auf der Ausstellung der Royal Photographic Society gezeigt.

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An einer Ruine in Frankreich steht der Graffiti "Gott Strafe England! 1914/15". Das Autochrom, ein frühes Farbbild, entstand 1917.

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Gleich mehrfach porträtierte der Fotograf Charles C. Zoller den britischen Komiker und Schauspieler Charlie Chaplin als "Tramp": mit übergroßer Hose und zu kleiner Jacke, Melone und alten Schuhen. Dieses Farbfoto entstand etwa 1917.

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Die Wechselschlittenkamera, erdacht von Adolf Miethe und gebaut vom Kameratischler Wilhelm Bermpohl, wurde zum ersten Mal 1903 öffentlich präsentiert: Miethe führte seine Erfindung an der Königlich Technischen Hochschule in Berlin vor, an der auch Sergej Prokudin-Gorskij las. Die Kamera, mit der die Herstellung von Dreifarbenfotografien möglich war, hatte für alle Farben empfindliche Fotoplatten - aber laut dem Fotohistoriker Gert Koshofer auch einen Nachteil: Schnell bewegte Objekte konnten nicht fotografiert werden, sonst entstanden farbige Ränder.

Foto: Sammlung Gert Koshofer
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Das Autochrom von circa 1917 zeigt zwei Frauen, die für Kodak-Apparate werben - pünktlich zum Beginn der Osterferien. Kodak stellte schon ab 1888 Rollfilme und Kameras her. Das erste grundlegende Patent für Mehrschichtenfarbfilme hatte 1911 der Deutsche Rudolf Fischer angemeldet - doch es waren Kodak und die deutsche Agfa, die diese Filme später realisierten.

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Das frühe Farbfotochrom, um 1900 entstanden, von William Henry Jackson zeigt eine kleine Straße in Kubas Hauptstadt Havanna.

Foto: Library of Congress
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Dieses Photochrom wurde bereits zwischen 1890 und 1900 hergestellt - mit Hilfe eines komplizierten Flachdruckverfahrens, mit dem Schwarzweißaufnahmen in Farbbilder umgewandelt werden können. 1983 später wurde das Mausoleum in Agra im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen.

Foto: Library of Congress
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Frühe Farbfotografie von Prokudin-Gorskij. Das Bild zeigt die russische Stadt Rschew an der Wolga.

Foto: Library of Congress
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Eine Sart-Frau trägt einen Parda, ein Burka-artiges Gewand. Bis zur Russischen Revolution von 1917 wurden Usbeken, die in Kasachstan lebten, "Sart" genannt. Das Farbfoto, etwa von 1910, nahm Sergej Prokudin-Gorskij in der usbekischen Stadt Samarkand auf, wo er auch...

Foto: Library of Congress
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...dieses Foto aufnahm: Ein Lehrer unterrichtet eine Gruppe jüdischer Kinder.

Foto: Library of Congress
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Eine Armenierin posiert circa 1910 für Prokudin-Gorskij im traditionellen Gewand. Die Aufname entstand am Rande der türkischen Stadt Artvin, die im Pontischen Gebirge liegt.

Foto: Library of Congress
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