Frühe Erotikmagazine Unschuldig aufreizend
"Sunshine and Health": Kein Jahr nach der Eröffnung des ersten Nudistencamps in New York im Jahr 1932 erschien die Zeitschrift "The Nudist". 1935 wurde der Nudismus in New York jedoch für ungesetzlich erklärt, und der Herausgeber musste sein Magazin umbenennen. Auch die Fotos von glücklichen, nackten Familien in dem Magazin "Sunshine and Health" wurden zensiert - obwohl die Nudistenbewegung in den USA darauf beharrte, dass ihre Nacktheit nichts mit Sexualität zu tun habe.
"Girl Pageant": Mit dem Eintritt der USA in den Krieg nahm das Interesse der Amerikaner an Männermagazinen mit aufreizenden nackten Frauen ab. Stattdessen dominierten bravere Veröffentlichungen mit Mädchen in züchtigen Badeanzügen den Markt. Nur wenige Nackthefte wie "Girl Pageant" konnten sich auf dem Markt halten.
"Men Only": Zwecks Steigerung der Wehrtüchtigkeit druckte das englische Magazin "Men Only" während des Zweiten Weltkriegs eher dezente Aktbilder ab. Die neue Unschuld der Hefte entstand dadurch, dass die Männer an der Front zwar sexuelle Bedürfnisse hatten, aber nicht daran erinnert werden wollten, dass es den Frauen daheim möglicherweise genauso gehen könnte. Nach dem Krieg änderte man allerdings die Strategie und passte sich erneut dem Zeitgeist an, wie dieses Cover aus den sechziger Jahren beweist.
"Reigen": Das Männermagazin "Reigen" gilt heute unter Kennern als "Playboy" des Berlins der zwanziger Jahre. Die Abbildung zeigt Heft Nummer 8 aus dem Jahr 1923.
"Das Freibad": Die "Monatszeitschrift zur Förderung des Nackbadens" aus dem Jahr 1933 kündigt 28 Akt- und Freilichtaufnahmen der "Nacktkultur an der Riviera" an. Zur Zeit der Weimarer Republik boomten FKK- und Nudisten-Magazine. Diese wurden vor den unterschiedlichsten Hintergründen - von der Abgrenzung des als lasterhaft empfundenen Berlins bis hin zur Erziehung in Sachen Rassenhygiene - veröffentlicht. Im Ergebnis unterschieden sich diese Zeitschriften allerdings kaum voneinander. Sie zeigten Fotos von sportlichen Menschen, die sich nackt in der Natur zeigten.
"Ideal-Lebensbund": Als die FKK-Bewegung in den späten zwanziger Jahren in Deutschland rapiden Zuwachs bekam, spezialisierte sich das Geschäft mit den Nacktmagazinen - so lasen Sexualwissenschaftler und Progressive nun den "Ideal-Lebensbund" oder "Die Ehe" - die "Monatszeitschrift für Familie, Volksaufartung und Gesundheit". Unterdessen kauften die deutschen Buddhisten "Urania" und die Feministinnen "Ideal-Ehe" - die "Monatsschrift für Geistes- und Körpererziehung zur Ehe".
"Atelier": Die liebevoll handkolorierten Titelbilder des deutschen Magazins "Atelier" (hier eine Ausgabe von 1958) belegen den erneuten Aufschwung der erotischen Printmedien in Deutschland, der auf die Dürreperiode nach dem Zweiten Weltkrieg folgte.
"Modellstudien": Viele Männermagazine der ersten Stunde waren um den "ernsthaften Kunststudenten" besorgt, der sich keine lebenden Modelle leisten konnte. Auf dem Cover dieser Ausgabe von "Modellstudien" aus den fünfziger Jahren werden beispielsweise "Kunststudien bekannter europäischer Fotografen" angekündigt. "Nicht für Jugendliche", heißt es außerdem.
"Film, Tanz, Exotik": Filmmagazine mit der Betonung auf Sex gibt es seit den zwanziger Jahren. Damals unterschieden sich Filmschauspielerinnen in ihrem Ansehen in der Öffentlichkeit kaum von Prostituierten. Warum also sollten die Darstellerinnen nicht auch nackt posieren? Deutsche Verleger entdeckten diese Erfolgsformel praktisch zeitgleich mit Hollywood, wie diese Ausgabe von "Film, Tanz, Exotik" von 1928 zeigt.
"Movie Humor": Neben Magazinen wie "Film Fun" und "Real Screen" bot das US-Magazin "Movie Humor" seinen Lesern in den dreißiger Jahren atemberaubende Aufnahmen langbeiniger, junger Schauspielerinnen - aufgenommen von den besten Glamourfotografen jener Zeit. Die erstklassige Druckqualität des Magazins verrät die enorme Popularität dieser Publikationen.
"Paris Sex-Appeal": In den dreißiger Jahren erlebte das Verlagswesen für Erotisches in Paris seinen Höhepunkt. Farbenfrohe Magazine, wie das hier abgebildete "Paris Sex-Appeal", präsentierten auf erstklassigem Papier die erotische Vielfalt der Pariser Cabarets.
"Le Frou-Frou": In Frankreich feierte "Le Frou-Frou" in einer Ausgabe von 1901 den neuen Modetanz Cancan - und zeigte dabei viel Bein. Mit der Zeit wurde das Magazin dann immer freizügiger, wie diese spätere Ausgabe beweist.
"Le Sourire": 1908 erscheint dieses frivole Männermagazin erstmals. Die Abbildung zeigt das Cover der Ausgabe vom 3. Mai 1928.
"L'Etude Académique": Noch vor 1900 erschien in Frankreich bereits das Magazin "L'Etude Académique", das unretuschierte weibliche Akte zeigte.
"La Vie Parisienne": Obwohl unter der Ladentheke verkauft, waren die sexuellen Aktivitäten in "La Vie Parisienne" nur angedeutet. Die elegante, großformatige Zeitschrift, die 1914 erstmals erschien, richtete sich an Männer wie Frauen und bot schlüpfrige Geschichten, subtilen Humor und Damen in verführerischer Unterwäsche.
Dian Hanson: Die Herausgeberin der insgesamt sechs Bände zur Geschichte der Männermagazine ist seit 2001 "Sexy Book Editor" beim Taschen Verlag und hat seitdem viele Bücher zum Thema Sex und Erotik veröffentlicht.
"Capt. Billy's Whiz Bang": Auch Humor konnte in den zwanziger Jahren ein gutes Alibi für den Leser von Männermagazinen sein. Viele Magazine präsentierten daher neben erotischen Fotos zotige Zeichnungen - oft auch auf dem Cover.