Frühe Reklamestrategien Als die Werbung laufen lernte
Eine Riesen-Elf: Als der "Weiße Riese" 1966 auf den Markt kam, setzte das Unternehmen Henkel an der Waschmittel-Werbefront auf eine "riesige" Fußballmannschaft - auffällige, großangelegte und "menschgewordene" Marketingkampagnen wie diese waren in den sechziger Jahren üblich, um neue Käufer für die Produkte zu gewinnen.
Zum Scheuern: In den zwanziger Jahren wurde die Werbung immer bunter und schriller. Gerade Hersteller von Massenartikel setzten nun zunehmend auf wandelnde Verpackungen als neue Form der Reklame. Das Foto von 1929 zeigt einen Mann, der das Scheuerpulver Ata der Firma Henkel anpreist.
Plumpe PR-Tracht: 1923 steckten die Werbemacher von Henkel diese Frau in ein Kostüm, das so aussieht, als wäre es aus alten Prospekten und Verpackungen geschneidert worden. In dieser plumpen PR-Tracht musste die Dame als Werbeträgerin für Persil und Gutso durch die Städte ziehen und Flyer verteilen.
Werbespaziergang: Früh experimentierte die Firma Henkel mit neuen Varianten der Werbung und setzte auf Dynamik und Bewegung in einer noch reklamearmen Zeit. Schon 1909 schickte der Konzern einen ganz in Weiß gekleideten Mann mit einem riesigen Schirm auf einen Werbespaziergang für das Waschmittel Persil.
Auf den Kopf gestellt: Ein Werbeakrobat als wandelnde Reklametafel für einen Musik-Baukasten während der Leipziger Messe, um 1910.
Pelzige PR: Im Dezember 1909 werben diese drei Herren in ausgefallenen Polaranzügen für eine abendliche Veranstaltung über den legendären Antarktisforscher Ernest Shackleton. Der Brite hatte 1909 einen neuen Rekord aufgestellt und sich auf seiner spektakulären "Nimrod"-Expedition als erster Mensch dem Südpol auf etwa 130 Kilometer genähert.
Kugelige Kutsche: Nicht nur Menschen und Autos, auch Pferdegespänne wurden als Werbeplattform genutzt - hier für die Schuhcreme Erdal des Mainzer Unternehmens Werner & Mertz. In der extravaganten Kutsche, gekrönt mit dem Werbefroschkönig, konnte allerdings niemand Platz nehmen.
Ein wenig Heimat in der Ferne: Afrikaner tragen zur Weihnachtszeit 1907 in der damaligen deutschen Kolonie Kamerun werbebedruckte Kisten für Stollwerck-Schokolade und Henkell-Trocken-Sekt durch den Dschungel. Ein beliebter Reklame-Gag war es schon im 19. Jahrhundert, Menschen mit großen Buchstaben in die Städte zu schicken - zusammengesetzt ergaben die Buchstaben dann einen Markennamen oder einen Slogan.
Großer Aufwasch: Eine Invasion von IMI-Werbemännern 1932 durchquert, bewaffnet mit Bürsten und Eimern, München. Das Waschmittel IMI wurde von 1929 bis 1999 von der Firma Henkel und dem VEB Waschmittelwerk Genthin in der DDR vertrieben. Auch dank solch spektakulärer Werbeaktionen wurde die Markteinführung 1929 zu einem großen Erfolg.
Kostengünstiger Werbeträger: Dressierte Hunde werben am Hohenzollernplatz in Berlin für Rex-Tee. Foto etwa von 1910.
Gackern für den Umsatz: Menschen in Kostümen oder riesigen Verpackungen durch die Innenstädte laufen zu lassen, war seit den zwanziger Jahren eine erfolgreiche PR-Strategie, die bis heute weiterlebt. Das Foto von 1966 zeigt als Hühner verkleidete Frauen im Werbeauftrag der British Egg Marketing Board.
Wandelndes Verkaufsbüro: Die ersten Sandwichmänner, die mit Anzeigentafeln behängt durch die europäischen Großstädte liefen, waren meist Bedürftige, Greise und Arbeitslose. Der Reisejournalist Rudolf Cronau beschrieb sie 1887 als hungrige und hagere "Schattengestalten". Sie seien meist "unrasiert" und "ungekämmt"; ihr Verdienst von 1 Mark 25 am Tag sei elendig. Das Bild von 1966 zeigt einen Briten, der sich ein paar Pence mit dem Verkauf verlorener Gegenständen wie Brillen und Brieftaschen dazu verdienen möchte.
Ungewöhnlicher Suchauftrag: Im Mai 1931 engagierte ein Herrchen, dessen Hund entlaufen war, drei "Sandwichmänner". Mit Schildern, auf denen das Bild des Vierbeiners gedruckt war, zogen sie durch London. Fünf Pfund gab es als Belohnung für denjenigen, der das Tier nach Hause bringen sollte. Ob die Suche erfolgreich war, ist nicht bekannt.
Rindsköpfe: Im 19. Jahrhundert waren es die Sandwichmänner, die, eingeklemmt zwischen zwei Papptafeln auf Brust und Rücken, zu laufenden Litfaßsäulen wurden. Schnell wurde diese Idee weitergedacht und Menschen zu Werbezwecken kostümiert oder in riesige Modelle von Massenprodukten gesteckt. Das Bild vom 17. Oktober 1933 zeigt Vorbereitungen von Werbemännern für ihren Auftritt in der Agricultural Hall in London.
Aufmarsch der Persil-Männchen: 1926 wiederholte Henkel die ausgefallene Marketingaktion für Persil in Berlin - dieses Mal zog aber nicht ein einziger Mann allein in den Werbefeldzug, sondern gleich eine ganze Armada.
Ganz koscher: Ein älterer Mann in Sandwich-Plakatkluft wirbt 1952 für "Lindy's Kosher Restaurant" in London. Er darf den Bürgersteig benutzen - im deutschen Kaiserreichs war das für die "Butterbrotmänner" noch verboten. Stattdessen mussten sie sich am Fahrbahnrand durch den Verkehr kämpfen.
In eigener Sache: Dieser Arbeitsloser bot zur Zeit der Weltwirtschaftskrise um 1930 mit einem Pappschild auf der Brust "Ich suche Arbeit jeder Art" seine Dienste an.
Reklame auf Rädern: Mit den Sandwichmännern wurde die lange Zeit statische Werbung seit Ende des 19. Jahrhunderts mobil. Zunächst wurde der Mensch zur laufenden Werbefläche, doch zunehmend setzten die Werbestrategen auch auf Pferdekutschen oder Autos. 1940 nutzte etwa der US-amerikanische Süßigkeitenhersteller Life Savers Autos - in Form einer riesigen Bonbon-Rolle - als fahrende Reklameplattform.
Propaganda auf Beinen: Auch nationalsozialistische Organisationen setzten in ihren durchgeplanten Aufmärschen auf die Effekte durch laufende Werbeträger.
An den Pranger gestellt: Das Foto zeigt Kriegsdienstgegner Gerhard Grein am 12. Januar 1966 mit einem provokanten Schild ("Schlagt mich tot") in Darmstadt. Grein beteuerte, ein Mitglied des Prüfungsausschusses für Wehrdienstverweigerer habe ihn gezwungen, sich das Schild umzuhängen - um den Waffengegner öffentlich zu demütigen. Damals mussten Wehrdienstverweigerer noch vor einer Kommission ausführlich begründen, warum sie nicht zur Bundeswehr wollten.
DER SPIEGEL
Wandernde Litfaßsäulen: Eine Passantin wirft an der Straße Unter den Linden in Berlin einen Blick hinter Litfaßsäulen auf Beinen. Wer hinter der Aktion von 1997 steckte, die vor dem Zeughaus stattfand, wollten die "Werbeträger" nicht verraten.
Ein Sandwichman in modernem Design in Aachen.
Zwei pelzige Kandidaten werben in Trier für Textilien.