Fotopostkarten Luxus und Science-Fiction
Frauen an die Front: Mit Postkarten wie dieser begann im 20. Jahrhundert die Begeisterung der britischen Nation für Porträtfotografie in heute mitunter grotesk wirkenden Studioarrangements. Die Kampfpilotinnen konnten so in der Sicherheit eines Fotoateliers durch ein Flammeninferno fliegen und das Berlin der NS-Zeit in Schutt und Asche bomben.
Nur Fliegen ist schöner: Die Sammlung alter Fotopostkarten des renommierten britischen Künstlers Tom Phillips umfasst rund 50.000 Exemplare - für ihn repräsentieren die meist unbekannten Porträtierten aus allen Schichten der Gesellschaft die britische Nation.
Pionier der Luftfahrt: Die Studioaufbauten ließen auch Normalbürger zu heldenhaften Figuren werden. Auch wenn die Größenverhältnisse nicht immer ganz realistisch wirkten.
Ein Hauch von Luxus: Vielleicht hätten sich die jungen Herren eine solch teure Limousine im wirklichen Leben gar nicht leisten können. Auf der Aufnahme erfüllten sie sich jedoch offenbar einen Traum, auch wenn sie dabei so aussehen, als seien sie aus dem teuren Automobil längst herausgewachsen.
Improvisationstalente: War ausnahmsweise kein Fotostudio und kein echtes Auto verfügbar, mussten eben Bretter und Pappen als Kulisse dienen. Das Foto ist gerade deshalb ein wahrer Hingucker.
Kinderspiel: Im Studio ist die Bedienung von Automobilen durch Minderjährige definitiv unproblematisch.
Die unperfekte Illusion: Flugzeuge, Autos, Zeppeline - technische Neuerungen der Zeit waren bei den Produktionen für die Fotopostkarten sehr gefragt. Je futuristischer, je dreidimensionaler die Kulisse für die Porträts wirkte, desto beliebter waren sie, auch wenn die Größenverhältnisse dabei manchmal ziemlich aus dem Ruder liefen.
Alle Bilder wurden von
Tom Phillips
zur Verfügung gestellt.
Traute Zweisamkeit: Wer diese Personen auf dem Porträt sind, wann und wo genau das Porträt entstand, ist wie bei den meisten der alten Fotopostkarten leider nicht bekannt. Aber das Paar dürfte zumindest seine fiktive Ballonreise unbeschadet überstanden haben.
Über den Wolken: Mit der industriellen Fertigung von Fotokameras konnte sich Anfang des 20. Jahrhunderts endlich fast jeder einen Besuch im Porträtstudio leisten. Die Hochzeit solch individuell gestalteter Fotopostkarten dauerte bis in die vierziger Jahre. Heute ist die Postkarte von den schnelleren digitalen Medien verdrängt worden.
Frau am Steuerknüppel: Auch heute noch ist das weibliche Geschlecht im Cockpit unterrepräsentiert. Dabei war die Chancengleichheit vor rund hundert Jahren anscheindend bereits gegeben - zumindest im Fotostudio.
Virtueller Ausflug: Wer keine Zeit hatte, eine Spazierfahrt zu unternehmen, oder bei einem echten Ausflug keinen Fotografen zur Hand hatte, konnte die Szene problemlos nachstellen.
Frontale Fröhlichkeit: 1902 erlaubte die britische Royal Mail, dass Adresse und Text auf einer Seite der Postkarte geschrieben werden durften - und nicht mehr getrennt auf Vorder- und Rückseite notiert werden mussten. Damit eroberten erstmals Illustrationen und Fotos die Rückseite der Postkarten.
Die bürokratische Neuregelung löste einen wahren Ansturm auf die Fotostudios aus, in denen sich die Briten individuell gestaltete Postkarten herstellen lassen konnten - wie dieses Exemplar aus der Tourismushochburg Blackpool.
Walküre im Nachthemd: Mit allen mythischen Insignien der Nation ausgestattet posiert diese junge Frau für den Fotografen.
Braves Hündchen: Endlich konnte die Verwandschaft auch per Fotopostkarte über die Erfolge bei der Dressur der Haustiere informiert werden.
Beste Freunde: Während heutzutage Bilder vom Nachwuchs per Handy, E-Mail oder Facebook versendet werden, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Versenden einer solchen Fotopostkarte schwer in Mode.
Der Schein trügt: Lachende Gesichter findet man auf den alten Postkartenmotiven eher selten - auch, weil man durch die langen Belichtungszeiten im Studio wie eingefroren posieren musste. Spaß dürften die Porträtierten in ihren Phantasiefahrzeugen trotzdem nicht selten gehabt haben.
Baby, you can drive my car: Diese historische Postkarte belegt: Die Weichen für die Emanzipation am Lenkrad wurden bereits früh gestellt.
Alle in einem: Besonders beliebt waren Ausflüge mit der gesamten Verwandtschaft ins Fotostudio. Manche dieser Aufnahmen wurden als Postkarte an die Freunde in der Ferne verschickt, andere wiederum sorgsam ins Familienalbum geklebt.
Echte Briten: Neben den phantastischen Bühnendekorationen und der Lust am Verkleiden, war auch der Patriotismus bei den englischen Postkartenmotiven Anfang des 20. Jahrhunderts ein immer wiederkehrendes Motiv.