Fußball-Legende Helmut Rahn - DER SPIEGEL
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Helmut Rahn "Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen..."

Sein Tor zum deutschen WM-Titel 1954 war eins für die Ewigkeit. Heute wäre Helmut Rahn 90 Jahre alt geworden. An den Theken von Essen vermissen sie ihren Kumpel bis heute. Das hat auch mit seinem Gulasch zu tun.
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Essens Größter: Über den SV Altenessen, den SC Oelde und die Sportfreunde Katernberg kam Helmut Rahn 1951 zu Rot-Weiss Essen. Längst hatte er sich da schon einen Namen als unglaublich kraftvoller Angreifer gemacht. Gleich in seinem ersten Spiel für Oelde schoss Rahn dem gegnerischen Torwart so hart ins Gesicht, dass der seine heldenhafte Parade mit dem Verlust von sechs Zähnen bezahlen musste. Um seinen Wechsel zu RWE kümmerte sich Präsident Georg Melches dann höchstpersönlich. In Essen erinnert man sich heute noch gut an ihn.

Foto: Kurt Müller/ Stadtarchiv Gelsen
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Held von Bern: Ein Jahr vor der WM 1954 hatte Rahn mit seinen Essenern bereits den DFB-Pokal gewonnen und das erste von vielen lukrativen Angeboten aus dem Ausland abgelehnt - in diesem Fall aus Italien. In der Schweiz saß Rahn zunächst nur auf der Bank und durfte sein Debüt erst bei der schmerzhaften 3:8-Niederlage gegen Ungarn feiern. Von da an war der Angreifer bei Trainer Sepp Herberger gesetzt, spätestens im Finale zahlte er dieses Vertrauen doppelt zurück. Hier jubelt er (Dritter von links) nach seinem Ausgleich zum 2:2 in der 18. Minute.

Foto: AP
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Aus, aus, aus: Das Spiel ist aus. Deutschland ist tatsächlich Weltmeister, dank des entscheidenden Treffers von Helmut Rahn (hier mit dem rechten Arm in der Luft) in der 84. Minute. Zweiter von links auf diesem Foto ist der Ungar Ferenc Puskas, der dem Deutschen später sein streng geheimes Kochrezept verraten wird, in diesem Moment aber erst mal Glückwünsche an den neuen Weltmeister verteilt. In seiner Biografie schreibt Rahn: "Wir waren in erster Linie müde, hilflos und überrumpelt vor Glück."

Foto: Schirner/ ullstein bild
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Wir sind wieder wer: Empfang der neuen Weltmeister in München. Der überbordende Jubel wird Rahn (im Auto ganz links) und seinen Kollegen einen Vorgeschmack gegeben haben, was sie noch alles erwarten würde. In seinem Buch "Mein Hobby: Tore schießen" schreibt Rahn: "So glücklich mich der Erfolg stimmte, so sehr die allgemeine Verehrung meiner Eitelkeit schmeichelte, es war in dieser Zeit nicht leicht, mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben."

Foto: Eckhard Eibner/ action press
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Standgas: Als Prämie für den WM-Titel durfte jeder Weltmeister 2500 DM, einen Fernseher, einen Lederkoffer und diese schicken Motorroller entgegennehmen. Doppeltorschütze Rahn schaut noch etwas skeptisch. "Jeder kannte mit einem Mal Helmut Rahn", schreibt er in der fünf Jahre später erschienenen Biografie, "aber Helmut Rahn kannte seinerseits nicht jeden. Hundert Leute sprachen mich im Laufe eines einzigen Tages an, luden mich zu einem Glas Bier, einem Glas Wein oder sonst was ein. Sagte ich ja, hieß es gleich: Seht euch diesen unsoliden Burschen an. Sagte ich hingegen nein, wurde ich für eingebildet und arrogant gehalten. Das war die Kehrseite der Medaille."

Foto: DPA/ ullstein bild
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Mitbewohner: Weltmeister-Kapitän Fritz Walter (links) und Helmut Rahn auf Tretbootfahrt am Walchensee etwa ein Jahr nach dem großen Triumph in der Schweiz. Dass Sepp Herberger seine Schlüsselspieler Walter und Rahn während der WM zu Zimmernachbarn gemacht hatte, wurde im Nachhinein als schlauer Schachzug erkannt. Rahn selbst hat dazu mal gesagt: "Als Frühaufsteher habe ich sofort das Radiogerät auf Lautstärke gedreht, alle Lichter leuchten und alle Wasserhähne laufen lassen, damit der Langschläfer wach geworden ist. Herberger sagte zu mir: 'Helmut, machen sie so weiter, der Fritz braucht das!'"

Foto: Eckhard Eibner/ action press
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Der Boss und sein Chef: Für die Weltmeisterschaft 1958 nominierte Herberger trotz vieler Vorbehalte auch wieder Helmut Rahn und der dankte es ihm mit sechs Turniertreffern. Deutschland schied erst im Halbfinale gegen Gastgeber Schweden aus, Rahn wurde später hinter dem Franzosen Raymond Kopa auf Platz zwei bei der Wahl zu "Europas Fußballer des Jahres" gekürt.

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Gute-Laune-Onkel: Alleinunterhalter Rahn am Akkordeon. Schon bei der WM 1954 hatte sich der Essener Bergmannsohn einen Ruf als Stimmungskanone erarbeitet, als er von seinem Hotel-Balkon regelmäßig die Kollegen mit Imitationen einer Essener Marktfrau unterhalten hatte: "Prima schnittfeste Tomaten heute, Leute! Kauft die prima Oma-Lutsch-Birnen!" Seinen Unterhaltungswert hatte er auch mit seinen berühmten Final-Toren unter Beweis gestellt, über die er selbst mal gesagt hat: "Das deutsche Fernsehen habe ich damit doch aus den Kinderschuhen geschossen." Tatsächlich verzeichneten die Verkäufer von TV-Geräten während der drei WM-Wochen eine Zuwachsrate von 49 Prozent.

Foto: Schirner/ ullstein bild
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Das Idol: Nicht mal in Ruhe joggen gehen kann man! Rahn wird während einer Trainingseinheit im WM-Camp von 1958 von einem kleinen Fan verfolgt. In seiner Heimatstadt Essen war er da längst schon gefeierter Publikumsliebling. Heute erinnert eine Rahn-Statue vor dem Essener Stadion an die vielleicht größte Vereinslegende des Klubs.

Foto: Werner Kreusch/ AP
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Im Karriereherbst: 1959 verließ Rahn Rot-Weiss Essen und heuerte für eine Saison beim 1. FC Köln an. Nach elf Toren in 29 Spielen wechselte der Weltmeister 1960 zum Sportclub Enschede in die Niederlande (siehe Foto), ein Angebot von Real Madrid hatte er Jahre zuvor noch ausgeschlagen. Mit Enschede war Rahn 1962 der erste deutsche Fußballer, der auf israelischen Boden ein Spiel absolvierte. 1963 ging er zum Meidericher SV (später MSV Duisburg) und holte mit den Meiderichern völlig überraschend den Vize-Meistertitel im Premierenjahr der Bundesliga.

Foto: Nationaal Archief/ CC0 1.0
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Aus dem Hintergrund müsste Rahn verkaufen: 1965 musste Rahn seine aktive Karriere nach einer Achillessehnenverletzung beenden, die Laufbahn in der Nationalmannschaft war bereits 1960 vorbei gewesen. Später versuchte er sich unter anderem gemeinsam mit seinem Bruder Hans als Gebrauchtwagenhändler (siehe Foto) und als Repräsentant einer Entsorgungsfirma für Bauschutt.

Foto: Schirner/ Horstmüller / ullstein bild
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Schmiere stehen: Helmut Rahn (links) neben Sammy Drechsel, dem Gründer der berühmtesten Prominentenmannschaft des Landes. Ebenfalls schon mal im Kader des FC Schmiere standen: Fritz Walter, Paul Breitner, Toni Turek, Gerhard Schröder und Rudi Dutschke. Rekordtorschütze ist allerdings Sammy Drechsel mit offiziell verzeichneten 1500 Toren. Da kam selbst der "Boss" nicht ran.

Foto: WEREK/ imago images
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Feierabend-Fußballer: Horst von Pigage (links) lernte Helmut Rahn über seine Frau kennen - die wiederum ging zum Turnen mit Rahns Gattin Gerti. Aus der Tresen- wurde bald eine echte Männerfreundschaft, in den Siebzigern durfte Hobbyfußballer von Pigage regelmäßig mit seinem Kumpel auf Tour gehen, um gemeinsam mit ihm bei Benefizspielen auf dem Platz zu stehen. Natürlich nicht ohne sich anschließend von den Gastgebern einladen zu lassen.

Foto: privat
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Klassentreffen: 1979, 25 Jahre nach dem legendären WM-Finale von Bern, fanden sich (von links nach rechts) der damalige Trainer der Ungarn, Gustav Sebes, Fritz Walter, Berni Klodt, Helmut Rahn, Max Morlock und Werner Liebrich noch einmal zusammen, um den Schuh zu bestaunen, mit dem Rahn 1954 das entscheidende 3:2 gelungen war.

Foto: Karl Schnoerrer/ DPA
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Runder Geburtstag: Wenige Wochen nach diesem Treffen feierte Helmut Rahn seinen 50. Geburtstag und lässt dafür die Helden von Bern nach Essen kommen. Das Geld dieses Freundschaftsspiels spendete Rahn einer ansässigen Kirchengemeinde. Einige Tage später kam es zum Eklat, als Jubilar Rahn dem allzu unverschämten Pfarrer an den Kragen wollte.

Foto: Sven Simon/ imago images
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Nicht zu stoppen: "Wenn der Helmut wollte", erzählt sein langjähriger Freund von Pigage, "dann hat er selbst 25-jährige Landesligaverteidiger frisch gemacht". Unser Foto zeigt den zu diesem Zeitpunkt bereits fast 60-jährigen Rahn in einem Benefizspiel in Hohenhameln bei Hannover. Ergebnis leider unbekannt. Links hinter Rahn staunt der frühere Bayern-Spieler Bernd Gersdorff über den Antritt vom "Boss".

Foto: Rust/ imago images
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Das Wunder, Teil 2: Zur Uraufführung seiner Hommage "Das Wunder von Bern" hatte Regisseur Sönke Wortmann auch Helmut Rahn (im Film gespielt von Sascha Göpel, Zweiter von rechts) einladen wollen, doch kurz davor verstarb der Essener. In den Jahren vor seinem Tod hatte Rahn mit den Folgen seiner Demenzerkrankung zu kämpfen gehabt und war nur noch selten in der Öffentlichkeit aufgetreten.

Foto: Senator Film Produktion/ United Archives/ ddp images
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Tschüss, Boss: Trauerfeier für die verstorbene Fußball-Legende am 20. August 2003 in der Essener St. Elisabeth-Kirche. Mehrere Hundert Trauergäste, darunter Fußball-Prominenz von Uwe Seeler bis Rudi Assauer, erwiesen dem "Boss" die letzte Ehre. Rahns Grab steht auf dem Margarethen-Friedhof an der Fronhauser Straße.

Foto: Franz Peter Tschauner/ AP
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Das Spiel ist aus: Der Schuh, mit dem Helmut Rahn 1954 Deutschland zum Weltmeister machte, steht heute im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund, seine Söhne haben dem Museum das wertvolle Stück vermacht. In den Herzen seiner Fans bleibt der "Boss" ohnehin unvergessen.

Foto: Ina Fassbender/ DPA
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