Fußball-Pokalfinale 1909 - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Fußball-Pokalfinale 1909 Kick it like Kronprinz

Ein Silberbecher machte die Deutschen zu einem Volk von Kickern. Im Jahr 1908 stiftete Wilhelm von Preußen den Kronprinzenpokal und verhalf damit dem Fußball zum Durchbruch - der bis dato als "Fußlümmelei" und "englischer Aftersport" verschrien war.
1 / 17

Sporthistorischer Schatz: 1909 erstmals verliehen, überstand der Pokal - wenn auch unter anderen Namen - Weltkriege und Wirtschaftskrisen. Die Trophäe, die später mit einem wenig schönen hölzernen Sockel verlängert wurde, um die Plaketten der Siegesmannschaften zu fassen, bekommt nun nach 100 Jahren einen Ehrenplatz in der DFB-Schatzkammer.

Foto: Broder-Jürgen Trede
2 / 17

Spielanküdigung: Fernsehspot? Radiowerbung? Internetbanner? Vor 100 Jahren schaltete man Anzeigen und entwarf Plakate, um auf ein Ereignis aufmerksam zu machen.

Foto: Broder-Jürgen Trede
3 / 17

Geschafft!: Die süddeutsche Mannschaft, die 1912 die Auswahl Berlins in einem packenden Spiel mit 6:5 bezwang. Von links: Fritz Förderer, Gottfried Fuchs (beide Karlsruher FV), Karl Burger (SpVgg Fürth), Paul Kühnle (Stuttgarter Kickers), Karl Wegele (Phoenix Karlsruhe), Ernst Hollstein, Max Breunig (beide Karlsruher FV), Torwart Kieferl (Wacker München), Höfler (FK Kaiserslautern), Julius Hirsch und Wilhelm Groß (beide Karlsruher FV).

Foto: Ralf Klee
4 / 17

Trotz schwammigen Bodens: Nationalspieler Gottfried Fuchs (Karlsruher FV) bei einem wuchtigen Torschuss. Er gehörte beim Triumph 1912 zu den besten Spielern seiner Mannschaft. Überhaupt war es das Jahr des Karlsruher Stürmers. Beim 16:0-Kantersieg über Russland während der Olympischen Spiele in Stockholm erzielte Fuchs zehn Tore. Gestern noch ein gefeierter Held, brachen für Fuchs nach der nationalsozialistischen Machtübernahme schwere Zeiten an. Ständigen Drangsalierungen ausgesetzt, flüchtete Fuchs - er war jüdischer Herkunft - schließlich 1937 ins Ausland. Er starb 1972 als Godfrey Fochs in Montreal.

Foto: Ralf Klee
5 / 17

Postkarte: Kronprinz Wilhelm von Preußen (1882-1951) gilt als großer Förderer des Fußballsports in Deutschland.

Foto: Ralf Klee/Klee-Archiv
6 / 17

Medizinstudent auf Abwegen: Der Hamburger Walter Borck studierte in München und stand 1911 als Torwart für die süddeutsche Auswahl im Pokalendspiel. Sekunden vor Schluss unterlief dem Nationalspieler ein folgenschwerer Fehler, als er einen Ball falsch berechnete. Norddeutschland kam zum vielumjubelten Ausgleich. Die zweite Verlängerung brachte dem NFV schließlich den ersten Pokalsieg. Jahre später wurde Dr. Borck auf einem Kicker-Sammelbild verewigt.

Foto: Ralf Klee
7 / 17

Einweihung mit Turnern und Fußballern: In Gegenwart des deutschen Kaiserpaares fand 1913 die Einweihung des Deutschen Stadions im Berliner Grunewald statt - konzipiert für die Olympischen Spiele 1916. Der Festakt schloss mit dem Endspiel um den Kronprinzenpokal zwischen Westdeutschland und Berlin-Brandenburg (5:3).

Foto: Ralf Klee
8 / 17

Architektonisches Schmuckstück mit Schwächen: So rügte die "Illustrierte Sportzeitung zur Hebung der Volkskraft" das Berliner Stadion nach dem Finale 1913: "Dass Stadion für die Zuschauer bei Fußballspielen recht ungünstig eingerichtet ist, denn die Plätze sind viel zu weit weg von Spielfeld. Die Inhaber der billigeren Plätze konnten mit bloßem Auge kaum etwas sehen." Die Anlage wich 1934 dem "Reichssportfeld" und dem neuen Olympiastadion.

Foto: Ralf Klee
9 / 17

Staatsempfang vor Rattan-Sesseln: Der greise General Podbielski (r.) lässt sich von DFB-Funktionär Georg Blaschke (2. v. r.) die Norddeutsche Auswahl vorstellen: Ganz links wartet Otto "Tull" Harder (HFC 88), daneben Walter Gamerdinger (Union Altona), Karl Dette (Eintracht Braunschweig), Hugo Fick (Holstein Kiel) und Ernst Möller (Holstein Kiel).

Foto: Broder-Jürgen Trede
10 / 17

Auf geht's: Mit Kronprinz Wilhelm als Galionsfigur verschaffte der DFB dem Fußballsport in Deutschland den nötigen Anschub.

Foto: Broder-Jürgen Trede
11 / 17

Erfolgsmannschaft: NFV - diese drei Buchstaben standen nicht nur für den norddeutschen Fußballverband, sondern auch für schnörkellosen Erfolgsfußball. Dreimal gewannen die Vertreter von der Waterkant bis Kriegsende den Pokal - 1911, 1914 und 1917. Hier stellen sich die Sieger von 1914 der Linse des Fotografen. Die obere Reihe bilden: Walter Gamerdinger (Union Altona), Paul Zeidler (Eintracht Braunschweig), Ernst Möller (Holstein Kiel), Ernst Eikhof (Victoria Hamburg), Otto Harder (HFC 88), Richard Queck (Eintracht Braunschweig), Hans Reese (Holstein Kiel), Ersatzmann Georg Krogmann (Holstein Kiel). Unten von links: Adolf Jäger (Altona 93), Hugo Fick (Holstein Kiel), Karl Dette (Eintracht Braunschweig), Adolf Gehrts (Victoria Hamburg).

Foto: Broder-Jürgen Trede
12 / 17

Freund der Sportbewegung: Kronprinz Wilhelm - mit Stock - bei einem Sportfest hinter der Westfront. Um 1917.

Foto: Ralf Klee
13 / 17

Blechmusik und Silbergabe: Der gewonnene Kronprinzenpokal wurde 1917 während eines Werbespieles gegen eine Hamburger Militärmannschaft der Öffentlichkeit präsentiert - samt Kronprinzenfoto.

Foto: Broder-Jürgen Trede
14 / 17

Kampagnen-Kronprinz: Die Fachpresse informierte genau über die Aktivitäten des Kronprinzen: Ob Wilhelm nun bei einem Spiel zugegen war oder er "Glückwünsche aus dem Felde" verschickte - die Presse berichtete. Sein Engagement für die neue Sportart Fußball war ein Faustpfand für den DFB, vor allem gegenüber den Anfeindungen aus dem Turnerlager.

Foto: Broder-Jürgen Trede
15 / 17

Torschuss für den NFV: Etwas hölzern wirken sie, Urgroßvaters Idole. Doch Buckendahls (M.) unkonventionelle Schusshaltung ist von Erfolg gekrönt und lässt den Norden 1917 jubeln. 2:1 siegt der NFV gegen die Auswahl des Südens.

Foto: Broder-Jürgen Trede
16 / 17

Berliner Weiße mit Schuss: Die Berliner Auswahl besiegte 1918 Norddeutschland mit 3:1 und holte sich nach vier Finalniederlagen erstmals den Kronprinzenpokal.

Foto: Ralf Klee
17 / 17

Kontinuität: Seit 100 Jahren kämpfen Fußballer um den schönsten deutschen Silberpokal. - geändert hat sich im Verlaufe der Zeit nur der Name. Unter den Nazis hieß er Reichsbundpokal und zog die Massen zu zehntausenden an. Hier ein Spiel der Nordmarkauswahl, die schließlich 1938 den Titel gewinnen sollte.

Foto: Ralf Klee
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?