Fußball-Unglücksraben Ich war nur bei Panini ein WM-Star
Erstes Panini-WM-Album, erster "Fehldruck": Bernd Dörfel war eine feste Größe in den Qualifikationsspielen, eigentlich galt es als sicher, dass er zur Weltmeisterschaft 1970 fahren würde. Doch ausgerechnet im WM-Jahr geriet der Rechtsaußen in eine schwere Formkrise. In der Rückrunde der Bundesliga-Saison 1969/70 absolvierte er nur vier Spiele für Eintracht Braunschweig. Zum vorläufigen 40-köpfigen WM-Aufgebot zählte er noch, den Sprung in den finalen WM-Kader für Mexiko schaffte er aber nicht. Eine bittere sportliche Enttäuschung, die 1962 auch schon sein älterer Bruder Gert "Charly" Dörfel machen musste - und später etliche andere Fußball-Unglücksraben.
Erfolgsdynamo: Die WM-Teilnahme 1974 hätte so schön in die fußballerische Vita von Frank Ganzera gepasst. Anfang der Siebzigerjahre eilte der Abwehrspezialist von Erfolg zu Erfolg: Im schwarz-gelben Dress von Dynamo Dresden wurde er Meister 1971 und 1973 sowie FDGB-Pokalsieger 1971, im weißen bzw. blauen Nationaltrikot mit Hammer und Zirkel auf der Brust holte er Bronze bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Auch in zwei Qualifikationsspielen zur WM 1974 wirkte er noch mit, doch bei der Endrunde verteidigte dann statt ihm der Rostocker Gerd Kische auf rechts.
Nur Zaungast: 17 A-Länderspiele absolvierte Klaus Sammer zwischen November 1970 und September 1973 für die A-Nationalmannschaft der DDR. Bei den erfolgreichen "West-Reisen" der Auswahl zu den Olympischen Sommerspielen 1972 (Bronzemedaille) sowie zur WM 1974 (einzige Endrundenteilnahme der DDR) war der hochaufgeschossene Abwehr- und Mittelfeldspieler von Dynamo Dresden allerdings nur enttäuschter Zuschauer jenseits des Eisernen Vorhangs. "Es war sicherlich dumm von mir, erst 1979 in die Partei einzutreten", erklärte Sammer später süffisant.
Quali-Held: Am 3. November 1973 zählte Helmut Stein zu den 13 in der Heimat enthusiastisch Gefeierten, die mit dem 4:1 über Albanien in Tirana die erste und einzige WM-Endrunden-Teilnahme der DDR perfektmachten. Bei seinen insgesamt 20 Länderspielen seit 1962 führte der Mittelfeldspieler vom FC Carl Zeiss Jena die DDR-Auswahl viermal als Kapitän aufs Feld und rechnete sich eine gute Chance aus, auch 1974 beim Turnier in der Bundesrepublik dabei zu sein. Sein Konterfei erschien dann auch als Panini-WM-Klebebild, fehlt jedoch in der endgültigen Kaderliste. Der Triumph von Tirana blieb Steins letztes Auswahlspiel.
Nomen ist nicht immer Omen: Als Nationalspieler mit dieser einmaligen Namenskombination müsste man eigentlich nach Laufbahnende eine randvolle Pokalvitrine vorweisen können. Doch Siegfried Held verpasste nacheinander gleich zwei ruhmreiche DFB-Momente: Erst 1972 den Gewinn der EM-Trophäe, als er mit Offenbach zeitgleich um den Bundesliga-Aufstieg kickte, dann 1974 den des Weltcups, als der DFB auf den damals knapp 32-jährigen Offensivspieler und seine Erfahrung aus 41-A-Länderspielen und zwei WM-Turnieren verzichtete.
Saublöd gelaufen: Am 18. Mai 1974 leistete sich der Schalker Erwin Kremers in der letzten Spielminute des letzten und völlig unbedeutenden Bundesligaspiels in Kaiserslautern beim Spielstand von 0:4 eine folgenschwere Disziplinlosigkeit, nannte Schiedsrichter Max Klauser eine "blöde Sau" und sah die Rote Karte. Bundestrainer Helmut Schön strich seinen Lieblingslinksaußen daraufhin aus dem Kader. Kremers wurde kein Weltmeister und spielte nie wieder für die DFB-Auswahl.
Große menschliche Enttäuschung: Wie Held stand auch Wolfgang "Bulle" Weber im Sommer 1974 kurz vor seiner dritten WM-Teilnahme. Für einen der 20 Spieler-Sticker im Panini-Album wurde er zwar noch nominiert, im 22-köpfigen DFB-Kader war dann für den Kölner Defensiv-Allrounder aber überraschenderweise kein Platz mehr frei. Für Weber rückblickend neben der sportlichen vor allem eine große "menschliche Enttäuschung": "Ich erfuhr von meiner Ausbootung durch die Presse. Helmut Schön, mit dem ich seit 1962 zunächst als Junioren-Nationalspieler und dann in 53 A-Länderspielen durch Dick und Dünn gegangen war, hatte nicht mal den Mumm, mich persönlich zu informieren."
"Buenas noches, Argentina": Mit beeindruckenden 20 Bundesligatreffern qualifizierte sich Manfred Burgsmüller in der Saison 1977/78 nicht nur für einen Panini-Sticker und einen Platz im DFB-Chor, der gemeinsam mit Udo Jürgens den WM-Song "Buenos dias, Argentina" trällerte - sondern auch für den illustren Kreis der 26 Kicker, die Bundestrainer Helmut Schön im Mai 1978 zum WM-Lehrgang ins holsteinische Malente einlud. Entsprechend groß war die Enttäuschung des Dortmunders, als er doch nicht mit nach Südamerika fliegen durfte: "Mit dieser Absage hätte ich eigentlich nicht mehr gerechnet. Ich werde mir jetzt reiflich überlegen, ob ich in der Nationalmannschaft weiterspielen werde." Er tat es nicht. Sein persönlicher Zähler verharrte bei mickrigen drei A-Länderspielen - viel zu wenig für den schlitzohrigen Strafraumstürmer, der mit 213 Treffern noch immer Rang vier der ewigen Bundesliga-Torschützenliste belegt.
Ewiger Pechvogel: Nur 30 Tage nach einer Meniskusoperation hatte sich Bernd Franke gerade wieder in den Kreis der Nationalmannschaft zurückgekämpft und saß praktisch schon im Flieger zur WM. Doch am 17. Mai 1978, einen Tag vor dem Abflug nach Argentinien, prallte der Torwart im letzten Testspiel gegen die Hessenauswahl so unglücklich mit dem übermotivierten Frankfurter Amateurspieler Rudi Weiler zusammen, dass er sich den Knöchel brach und so sein viertes großes Turnier in Folge verpasste. Die EM 1972 hatte der Braunschweiger Schlussmann wegen einer Gehirnerschütterung absagen müssen, die WM 1974 wegen der Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga. Die EM 1976 verfolgte er als dritter Torwart auf Abruf nur vor dem heimischen Fernseher. Schöne Geste und kleines Happy End: 1978 erhielt Franke vom DFB die volle WM-Prämie von 20.000 DM, und 1982 in Spanien durfte er als Ersatz-Keeper doch noch WM-Atmosphäre genießen.
Streitlustiger "Engel": Es gibt diverse Wege, eine WM zu verpassen. Bernd Schuster, Spanien-Legionär in Diensten des FC Barcelona, beschritt vor der WM 1982 in seiner Wahlheimat gleich mehrere: Erst öffentlicher Zoff mit Bundestrainer Jupp Derwall, dann die Weigerung, mit Paul Breitner zusammen zu spielen: "Ich heiße zwar Schuster, aber als Putzer von Breitner bin ich mir zu schade." Letzte Hoffnungen, der Regisseur könne die DFB-Auswahl ähnlich virtuos wie zwei Jahre zuvor bei der EM in Italien zum Titel führen, begrub schließlich Gegenspieler Andoni Goikoetxea, auch bekannt als der "Schlächter von Bilbao", als er Schuster eine schwere Knieverletzung zufügte.
Denkwürdiges Alternativprogramm: "Die Nominierung war eine ziemlich enge Nummer. Da musste schon alles passen", erinnert sich Michael Frontzeck an die Wochen vor der WM 1986 in Mexiko. "Wenn du immer mit dabei bist, ist es natürlich besonders bitter, wenn du dann noch kurz vor Schluss durchs Rost fällst." Doch Frontzecks Enttäuschung und Ärger wichen schnell. "Statt zur WM zu fahren, habe ich was anderes sehr Schönes gemacht: Geheiratet nämlich. Diese Ehe hält bis heute und ist noch immer sehr glücklich!"
Frühform: Christian Ziege war der Shootingstar der USA-Reise des DFB im Juni 1993. In seinen ersten drei A-Länderspielen gegen Brasilien in Washington (3:3), die USA in Chicago (4:3) und England in Detroit (2:1) spielte sich der 21-jährige Youngster vom FC Bayern gleich in den Notizbüchern von Bundestrainer Berti Vogts und der Klebebildproduzenten von Panini fest. Doch im WM-Jahr 1994 fiel der linke Mittelfeldspieler in ein Leistungsloch und zog sich zudem einen Abriss des vorderen und hinteren Außenbands im linken Sprunggelenk zu. Aus dem zweiten US-Trip wurde für den gebürtigen Berliner deshalb nichts, wohl aber später aus vielen weiteren Reisen mit der Nationalmannschaft. Ziege brachte es auf insgesamt 72 A-Länderspiele, darunter neun WM-Einsätze bei den Turnieren 1998 in Frankreich und 2002 in Japan und Südkorea.
Unfitter Pokalheld: Auch die exzentrische Kreativkraft Mario Basler durfte 1998 nicht mit auf die "Tour de France". Berti Vogts monierte die fehlende Kondition des Münchners: "Es wird die härteste WM aller Zeiten. Ein, zwei Spiele wären für Mario kein Problem. Aber die Fitness für ein Turnier wird er nicht bekommen." Für Basler war die Nichtnominierung "ein Witz". Als er wenige Tage nach seiner Ausbootung den 2:1-Siegtreffer im DFB-Pokalfinale gegen den MSV Duisburg erzielte, ätzte er in Richtung Bundestrainer: "Und so ein Mann fährt nicht mit zur WM."
Starke Konkurrenz, mieses Timing: Oliver Bierhoff (mit 27 Toren Topknipser in der italienischen Serie A), Ulf Kirsten (22 Treffer, Bundesliga-Schützenkönig), Olaf Marschall vom neuen Meister Kaiserslautern (21 Buden, davon allein sieben in den letzten vier Saisonspielen) und dann auch noch der in der Rückrunde stark auftrumpfende Jürgen Klinsmann (neun Tore in 15 Premier-League-Spielen für Tottenham) - da konnte Fredi Bobic einfach nicht mithalten. Die 13 Liga- und jeweils sechs Tore im DFB- und Europacup des Stuttgarters reichten nicht für einen Platz im WM-Sturm 1998. Die bittere Nachricht von der Streichung aus dem WM-Kader ereilte Bobic in Stockholm, kurz vorm Finale im Europapokal der Pokalsieger, das dann gegen den FC Chelsea mit 0:1 auch noch in die Hose ging.
Kein Comeback: Ein knappes Vierteljahrhundert nach Klaus Sammer schaffte es auch Filius Matthias Sammer lediglich in den virtuellen WM-Kader von Panini. Bundestrainer Berti Vogts ließ die Tür zur WM 1998 für seinen Abwehrchef zwar "ganz, ganz lange offen", doch Anfang Mai musste der Dortmunder wegen anhaltender Kniebeschwerden sein Mitwirken in Frankreich absagen. Auch Vogts' Angebot, die Nationalmannschaft beim Turnier als Berater und Gegnerbeobachter zu begleiten, schlug Sammer aus, um sich gänzlich auf seine Rehabilitation zu konzentrieren. Vergeblich: Er machte kein einziges Spiel mehr - weder für die Nationalelf noch in der Bundesliga.
Nicht dabei: Verflixtes Kreuzband! Bei Jens Nowotny riss es am 30. April 2002 im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Manchester United. Der Leverkusener Abwehrchef verpasste durch diese bittere Verletzung gleich vier große Showdowns, die ohne ihn auch noch allesamt unerfreulich ausgingen: Erst den letzten Bundesligaspieltag (4. Mai, Vizemeister hinter Dortmund), dann die Finals im DFB-Pokal (11. Mai, 2:4 gegen Schalke) und der Champions League (15. Mai, 1:2 gegen Real Madrid) und schließlich auch noch das WM-Endspiel (30. Juni, 0:2 gegen Brasilien).
Roter Faden: Diplomatischer kommentierte Mehmet Scholl 1998 seine kurzfriste Ausbootung: "Ich respektiere die Entscheidung des Bundestrainers. Sie passt in meinen Lebenslauf." Mehr als 17 Jahre begeisterte der Techniker das Bundesligapublikum, erzielte in 392 Einsätzen 98 Tore. Eine WM-Teilnahme blieb ihm jedoch versagt. 1994 war er zu jung, 1998 fehlte die Konstanz und 2002, als auch Panini sich seiner sicher war, sagte Scholl aus gesundheitlichen Gründen ab und erklärte nach 36 Länderspielen seinen Rücktritt. Vor der WM 2006 machte sich die Faninitiative "Mehmet für Deutschland" noch einmal für den Münchner stark, sammelte 175.000 Stimmen und schickte "aus Sympathie für den Regenwald" nur die ersten 23 der 4.100 Unterschriftenseiten in die Frankfurter DFB-Zentrale. Es nutzte nichts. Allerdings gibt es einen Bruch in Scholls Vita, denn für den 43-Jährigen geht es 2014 doch noch zum Weltturnier: als TV-Experte für die ARD.
Aller schlechten Dinge sind drei: Auch Jens Nowotnys Abwehrkollege Christian Wörns musste 2002 angeschlagen passen, weil er nach einer Meniskus-OP nicht mehr rechtzeitig fit wurde. Überhaupt zählten die Weltmeisterschaften nicht gerade zu den Erfolgsepisoden in der Karriere des 66-fachen A-Nationalspielers. 1998 in Frankreich hatte der Verteidiger im Viertelfinale mit seinem rustikalen Einsteigen gegen Kroatiens Davor Suker und dem daraus resultierenden Platzverweis das deutsche Ausscheiden eingeleitet. Und 2006 brachte er sich nach vehementer öffentlicher Kritik an Bundestrainer Jürgen Klinsmann, dem er "Respektlosigkeit" und "Unehrlichkeit" vorwarf, um eine mögliche Nominierung für die Heim-WM.
Trauriges Talent: Der geradezu tragische Karriereverlauf des Sebastian Deisler lässt sich auch anhand seiner Panini-Bilder dokumentieren. Der hochveranlagte Mittelfeldspieler ist nämlich der einzige deutsche Panini-Star, dessen Porträt sich gleich bei zwei Weltmeisterschaften als "Fehldruck" entpuppte. 2002 zog sich der damals 22-Jährige im letzten Testspiel gegen Österreich einen Knorpelschaden im Knie zu und musste seine Turnierteilnahme schweren Herzens absagen, und
elf Wochen vor Eröffnung der Heim-WM 2006, für die er nach starken Auftritten beim Confederations Cup als Stammspieler mit der symbolträchtigen Trikotnummer zehn fest eingeplant war, fiel Sebastian Deisler wegen einer erneuten Knorpelverletzung im Knie für ein halbes Jahr aus. Bereits während der Saison 2003/04 musste sich Deisler wegen Depressionen behandeln lassen und neun Monate pausieren. Am 16. Januar 2007 schließlich zog er die Konsequenzen aus seinen zahlreichen Verletzungen und Erkrankungen und verkündete im Alter von nur 27 Jahren das Ende seiner Karriere.
Völlig unvorbereitet traf Stürmer Kevin Kuranyi die Nichtberücksichtigung für die Heim-WM 2006: "Ich lag noch im Bett mit meiner Freundin und meinem Sohn. Das Handy klingelte, und dann sagte Jürgen Klinsmann zu mir: 'Sorry, Kevin, aber du bist nicht dabei.' Ich habe gelacht und gesagt: 'Das ist jetzt nur ein Spaß, oder?' Aber Klinsmann hat gesagt: 'Nein, das ist mein Ernst.'"
Auf gepackten Koffern saß auch schon Kuranyis Schalker Teamkollege Fabian Ernst und fieberte dem großen Abenteuer der Fußball-WM 2006 im eigenen Land entgegen. Doch auch der Mittelfeldspieler erhielt überraschend eine Absage und erlebte statt des "Sommermärchens" den größten Albtraum seiner Laufbahn: "Da wird einem der Boden unter den Füßen weggezogen. Bis zum Schluss hat nicht das Geringste auf so eine Entscheidung hingedeutet." Ernst spielte anschließend nie wieder für Deutschland.
Gelungene Schmerztherapie: Abwehrspieler Patrick Owomoyela nahm seine WM-Absage 2006 ebenfalls enttäuscht, aber deutlich gelassener auf. "Ich hatte mich vorher auf beide Szenarien eingestellt. Das half, mit der Nichtnominierung umzugehen." Zudem nutzte der Bremer ein spektakuläres Angebot zur Ablenkung. Während in der Heimat das Turnier eröffnet wurde, jettete der begeisterte Basketballer in die USA und kommentierte im Auftrag des Bezahlsenders Premiere die NBA-Finals zwischen den Dallas Mavericks und Miami Heat. "Das kam mir gelegen. Ich habe natürlich trotzdem begeistert jedes WM-Spiel verfolgt, erst recht die Partien der Deutschen. Aber ich musste nicht in jeder Minute, in jeder Werbepause daran erinnert werden, dass ich lieber dabei gewesen wäre und auch hätte dabei sein können."
Eingestampft und überklebt: Mit überragenden Leistungen in den Qualifikationsspielen, vor allem bei seinem Nationalelf-Debüt im Oktober 2010 gegen den Hauptrivalen Russland in Dortmund (2:1) und ein Jahr später beim Rückspiel in Moskau (1:0) avancierte Leverkusens René Adler zur deutschen Nummer eins. Anfang Mai 2010 musste er jedoch aufgrund einer Rippenverletzung seine Turnierteilnahme absagen. Panini stoppte daraufhin die Produktion der Adler-Bildchen und druckte Ersatz-Sticker. Die Sammler konnten ihr Album aktualisieren, indem sie Adlers Porträt durch das von Manuel Neuer überklebten.
Als der "Capitano" ausgebootet wurde: Am 15. Mai 2010, knapp einen Monat vor dem deutschen WM-Auftaktspiel im südafrikanischen Durban gegen Australien, verletzte sich der deutsche Spielführer Michael Ballack im Dress des FC Chelsea London schwer. Im englischen Pokalfinale gegen den FC Portsmouth foulte ihn Gegenspieler Kevin-Prince Boateng derart heftig, dass das Innen- und das Syndesmoseband im Sprunggelenk rissen. Seinen Platz als Mannschaftskapitän übernahm in Südafrika Vertreter Philipp Lahm, der noch während des Turniers öffentlich erklärte, diese Rolle auch nach der Genesung Ballacks nicht wieder abgeben zu wollen. Als sich nach einer weiteren Verletzung Ballacks Comeback im Nationalteam immer weiter verzögerte, verkündete Bundestrainer Löw im Sommer 2011, künftig nicht mehr mit dem Mittelfeldspieler zu planen. Ein offizielles Abschiedsspiel vom DFB blieb Ballack nach 98 Länderspielen verwehrt. Ein unwürdiger Abschied für den 55-maligen Kapitän.
Löws Lieblingsschüler: Nach seiner etwas überraschenden Nominierung für die Heim-WM 2006, bei der er im Spiel um Platz drei zum Einsatz kam, erarbeitete sich Thomas Hitzlsperger einen Stammplatz im DFB-Mittelfeld. Bis Ende 2009 absolvierte der schussgewaltige Linksfuß aus Stuttgart 35 von 45 möglichen Länderspielen und war maßgeblich an der Qualifikation für die WM-Endrunde in Südafrika beteiligt. Doch als Panini schon fleißig Hitzlsperger-Sticker produzierte, geriet der Spieler in eine schwere Formkrise. Ende Januar 2010 wechselte er vom VfB zu Lazio Rom, wo er über die Rolle des Ersatzspielers nicht hinauskam und sich deshalb nicht für die WM empfehlen konnte. Als am 11. August 2010 im ersten Länderspiel nach dem Turnier die meisten Stammspieler geschont wurden, führte Hitzlsperger die DFB-Auswahl beim 2:2 in Dänemark an Kapitän an. Es war sein 52. und zugleich letztes Spiel für die Nationalmannschaft.
Ohne Spielpraxis: Nahezu zeitgleich mit René Adler musste auch sein Leverkusener Mitspieler Simon Rolfes für die WM 2010 in Südafrika absagen. Nach einem Innenbandanriss im Knie folgten weitere Probleme inklusive eines Knorpelschadens, durch die Rolfes einen Großteil der Hinrunde und fast die komplette Rückrunde der Saison 2009/10 verpasste und nicht mehr rechtzeitig die nötige Fitness und Spielpraxis für ein strapaziöses Turnier erlangte. Der Bayer-Kapitän gehörte zwar weiter dem DFB-Kader an, durfte aber nur noch einmal im Adler-Dress auflaufen (2011 beim 2:1 im Freundschaftspiel gegen Uruguay) und verpasste schließ 2012 auch den Sprung ins Aufgebot für die Euro in Polen und der Ukraine.
Das Pech des Musterprofis: Heiko Westermann kann eigentlich immer spielen. Die Statistik sagt: In seinen bis heute elfeinhalb Jahren als Profifußballer fehlte der 30-Jährige seinen Vereinen gerade mal in 18 von 391 Punktspielen - eine Ausfallquote von weniger als fünf Prozent. Kein Wunder, dass nicht nur Bundestrainer Löw sondern auch Panini den vielseitig einsetzbaren Abwehrspezialisten für die WM 2010 fest eingeplant hatten. Doch unmittelbar vor der Abreise nach Südafrika, in der Schlussminute des vorletzten Testspiels gegen Ungarn, zog sich der vorbildliche Sportsmann seine bislang schwerwiegendste Blessur zu, einen Kahnbeinbruch im linken Fuß. Karrieretief- statt -Höhepunkt. Statt zum Cup am Kap ging es mit Gipsbein in den Familienurlaub. Westermann rang um Fassung: "In mir ist nur noch Leere!"
Links überholt: Bei sechs der zehn Spiele in der WM-Qualifikation stand Marcel Schmelzer in der Startaufstellung und galt lange als erste Wahl auf der Position des Linksverteidigers für das Turnier 2014. Doch im finalen DFB-Trainingscamp in Südtirol, als er wegen Knieproblemen kaum belastbar war, lief ihm ausgerechnet sein Dortmunder Vereinskamerad Erik Durm den Rang ab. Statt an die Copacabana flog Schmelzer nun mit Ehefrau Jenny in den Urlaub nach Ibiza.
In Topform ausgeschieden: Mit 16 Assists bester Vorbereiter, mit 14 Toren vierbester Schütze und mit einem Notenschnitt von 2,50 laut Fachmagazin "Kicker" stärkster deutscher Profi der abgelaufenen Bundesligasaison - Marco Reus war zweifellos einer der ganz großen Hoffnungsträger der DFB-Auswahl fürs Turnier 2014 in Brasilien, ein Garant für schönen und schnellen Offensivfußball. Doch einen Tag vor dem Abflug nach Südamerika verletzte sich der Dortmunder im Testspiel gegen Armenien so schwer, dass er seinen WM-Traum begraben musste. Die bittere Diagnose: Teilriss des vorderen Syndesmosebandes oberhalb des linken Sprunggelenks sowie ein knöcherner Bandausriss an der Fersenbein-Vorderseite. Voraussichtliche Ausfallzeit: drei Monate.
Traditionsunternehmen: Als die Brüder Benito und Giuseppe Panini 1945 in Modena einen Zeitungsstand eröffneten, ahnte noch niemand, dass sich daraus einst ein weltweites Klebebildimperium entwickeln sollte. 1961 erschien das erste Fußballbilder-Sammelalbum der Paninis - ein Konzept, das sich als durchschlagender Erfolg entpuppte. Wenn auch nicht alle Kicker, die als Teil eines Panini-WM-Kaders gedruckt wurden, tatsächlich zur Weltmeisterschaft reisen konnten.