Fußballanfänge in Deutschland Der Mann, der die "englische Krankheit" einschleppte
Der erste Fußballplatz: Im Herbst 1874 fand hier, auf dem "kleinen Exerzierplatz" in Braunschweig, das erste deutsche Fußballspiel statt. Die Lehrer Konrad Koch und August Hermann warfen einen Ball ohne weitere Anweisungen zwischen die Schülergruppe. Hermann hatte den Ball aus Großbritannien besorgt - dem Mutterland des Fußballs.
Ballhändler: Auch eine der Firmen, die schon früh Fußbälle verkauften, kam aus Braunschschweig. Dolffs & Helle fiel die Erweiterung der Produktion nicht schwer - das Unternehmen hatte zuvor auch schon Medizinbälle im Angebot.
Britische Gentleman beim Fußball: Ursprünglich kam Fußball aus Großbritannien. Konrad Koch war der Sport während seiner Zeit auf der Insel aufgefallen - und es fiel ihm ein, als er nach einem Spiel suchte, das seine Schüler auch im Winter spielen könnten: Beim Fußballspiel findet unsere deutsche, des frischen Spiels im Freien entwöhnte Jugend am schnellsten und leichtesten ihre verlorene Spiellust wieder.
Der Lehrer Konrad Koch (1846-1911) unterrichtete eigentlich alte Sprachen und Deutsch am Gymnasium, legte jedoch großen Wert auf Sport im Freien. Gemeinsam mit seinem Kollegen und Turnlehrer August Hermann führte er neben dem Sportunterricht die sogenannten Schulspiele ein. 1874 stellte er seinen Schülern dann ein neues Spiel vor: Fußball.
Der Preis für den Ball: Die Braunschweiger Firma von Dolffs & Helle stellte verschiedene Modelle von Fußbällen her. Dazu hatten sie weitere Sportgeräte und Turnhallenausstattung im Angebot.
Sporttheorie: Konrad Koch war überzeugt, dass Sportübungen im Freien - wie beispielsweise Fußball - seine Schüler stärken und zu besseren Menschen machen würden. Er veröffentlichte dazu mehrere Bücher, wie etwa 1900 "Die Erziehung zum Mute durch Turnen, Spiel und Sport. Die geistige Seite der Leibesübungen."
Der Braunschweiger Turnlehrer August Hermann (1835-1906) war ein Kollege von Konrad Koch am Gymnasium. Gemeinsam stellten sie ihren Schülern das Fußballspiel vor. Hermann ist dem deutschen Sport auch noch mit einer weiteren Leistung in Erinnerung: Er führte 1896 das Basketballspiel ein.
"Der ganz große Traum": Damit die Deutschen endlich erfahren, wem sie ihren Lieblingssport Fußball zu verdanken haben, wird die Geschichte des Braunschweiger Lehrers Konrad Koch jetzt in einem Kinofilm mit Daniel Brühl in der Hauptrolle erzählt.
Sport- und Englischunterricht: Da der Fußball aus England kam, verbindet Koch seinen Sportunterricht im Film gleich auch mit Vokabellernen. (Szene aus dem Film "Der ganz große Traum" mit Daniel Brühl als Konrad Koch).
Belehrung: Was heutige Fußballfans sicherlich als Beleidigung empfinden würde, war 1911 noch gang und gäbe. Auf den Eintrittskarten zu den Spielen wurden die Regeln des Ballsports erklärt.
Fußballgegner: Bei so viel Erfolg hagelte es bald auch Kritik. Vor allem die Turner verurteilten Fußball als ein zu rohes Spiel und schimpften über die Übernahme fremder Eigentümlichkeiten als "Engländerei". Zudem verunglimpften sie das Spiel als "Fusslümmelei" oder "Stauchballspiel und englische Krankheit".
Schüler beim Fußball: Bei den Schülern fand das Spiel mit dem Ball großen Anklang (hier 1894). Auch wenn es viel Kritik daran gab, die so weit ging, dass es Schülern in Bayern bis 1912 sogar verboten war, Fußball zu spielen - der Sport setzte sich durch.
"Aus der Praxis": Die ersten Fußballregeln in Deutschland schrieb Konrad Koch selbst auf.
1890 gründete sich auf Betreiben von Koch der Deutsche Fußball- und Cricket-Bund, zu dessen Ehrenmitglied Koch ernannt wurde. Hier der Vorstand des Zentralausschusses (Koch stehend rechts, Hermann stehend links).
Der schreibende Turnlehrer: Bereits 1862 hatte der Turnlehrer August Hermann mit seiner Schrift "Über die Notwendigkeit der Leibesübungen" versucht, die breite Masse von der gesundheitsfördernden Wirkung des Turnens zu überzeugen. Mit seinem Kollegen Konrad Koch hatte er später den idealen Partner gefunden, um seine Ideen umzusetzen. Auch Koch war unermüdlich bemüht, für die Leibesertüchtigung zu werben - allerdings nicht in der Turnhalle, sondern draußen.
Heute steht hier die Stadthalle von Braunschweig, zur Zeit Konrad Kochs wurde auf dem Leonhardplatz noch Fußball gespielt.
1882 revidierte Konrad Koch seine Fußballregeln "Fußball ohne Aufnehmen" noch einmal. Die wesentlichen Bestimmungen lauteten u. a.:
1. Der Ball darf nicht aufgenommen werden. Fängt ihn ein Spieler aus der Luft, so muss er ihn sofort aus den Händen lassen, wenn er nicht nach Paragraph 38 das Recht eines freien Platzstoßes gewinnt.
2. Der Ball darf überhaupt nur beim Fangen mit der Hand berührt werden, vom Fänger wie von dessen Gegner.
3. Durchaus verboten ist es, einen Spieler der anderen Partei mit den Händen zu berühren.
4. Ein Mal wird gewonnen, wenn der Ball zwischen den Malstangen unter der Querstange durchgetreten wird.
Die ersten Regeln: Da Konrad Koch nicht wollte, dass sich seine Schüler auf dem Fußballplatz einfach nur wild rauften, verfasste er 1875 das erste Regelheft in Deutschland "Fußball. Regeln des Fußball-Vereins der mittleren Klassen des Martino Katharineums zu Braunschweig".
Der Spielplatz: Das, was Konrad Koch mit seinen Schülern spielte, war zunächst dem Rugby noch ähnlicher als dem heutigen Fußball. Der Platz für zwei Mannschaften mit jeweils 15 Spielern war 100 Meter lang und 75 Meter breit. Der Ball durfte darin in Richtung des gegnerischen Tors nur mit den Füßen gestoßen werden. Rückwärts, in Richtung des eigenen Tors war es hingegen erlaubt, einem Mitspieler den Ball zuzuwerfen.