Fußballlegende Bert Trautmann Brückenbauer "Traut the Kraut"
Gewagte Paraden: Bert Trautmann war berühmt für seine Hechtsprünge. Nicht selten siegte Manchester City aufgrund der grandiosen Leistungen seines Torhüters. Das Foto vom Dezember 1951 zeigt Trautmann beim Training.
imago/ United Archives
Ausweis des deutschen Kriegsgefangenen: Dieses Dokument erhielt Trautmann nach seiner Ankunft in England am 11. April 1945 - als letzte Adresse ist ein POW-Camp in Belgien angegeben. Geboren wurde Trautmann am 22. Oktober 1923 in Bremen-Walle. Nach Kriegsausbruch meldete er sich mit 17 Jahren freiwillig zur Luftwaffe. Als Fallschirmjäger kämpfte der unter anderem mit dem Eisernen Kreuz Erster Klasse ausgezeichnete Trautmann etwa in Russland und der Ukraine. Am 27. März 1945 geriet der Soldat an der Westfront bei Kleve in Gefangenschaft. Nun erzählt ein Film
Gutaussehender Goalie: Wie die meisten Torhüter in jener Zeit trug Bert Trautmann bei Spielen einen Rollkragenpullover. Das Foto entstand in der Saison 1949/50 beim First-Division-Match Everton gegen Manchester City. Trautmanns Team verlor das Auswärtsspiel 1:3.
Einsatz gegen Arsenal: Beim Spiel gegen Arsenal im Highbury Heimstadion des Londoner Spitzenklubs lenkt Trautmann einen Scharfschuss über das Tor (Foto von 1952). Trautmann spielte von 1949 bis 1964 bei Manchester City.
Der Mann, der Trautmann niemals holte: Bundestrainer Sepp Herberger (l.) berief Trautmann nicht in die deutsche Nationalelf, denn er mochte keine "Legionäre" (bei ausländischen Vereinen spielende Deutsche). Das Foto zeigt die beiden in der Halbzeit des Länderspiels Deutschland gegen England am 1. November 1954 im Londoner Wembley-Stadion, wo Trautmann als Gast zuschaute. Die Engländer schlugen den amtierenden Weltmeister 3:1.
Familienglück in Manchester: Der ehemalige Kriegsgefangene Trautmann gründete in England eine Familie. Das Foto von 1955 zeigt den Manchester-City-Torwart mit seiner Frau Margaret und seinem Sohn John. Ein Jahr später kam das Kind bei einem Autounfall ums Leben.
Auszeichnung als "Spieler des Jahres": Am 3. Mai 1956 nahm Bert Trautmann als erster ausländischer Spieler diese Trophäe entgegen. Zwei Tage später, beim Pokalendspiel Manchester City gegen Birmingham, bestätigte er die Ehrung auf dramatische Weise. Trautmann spielte nach einem Zusammenstoß 16 Minuten vor dem Abpfiff trotz einer schlimmen Verletzung weiter und rettete den Sieg seiner Mannschaft. Auswechslungen waren damals noch nicht erlaubt.
Der Schicksalsschlag in Trautmanns Leben: Wenige Wochen nach dem Pokalgewinn von 1956 verunglückte sein Sohn John tödlich. Bei der Beerdigung am 30. Mai trugen Spieler von Manchester City den Sarg des Sechsjährigen. Trautmann (hinten, l.) kam mit Kopfverband und Nackenstütze aus dem Krankenhaus zur Trauerfeier.
Handshake mit Prinz Phillip: Vor dem Cup-Finale 1956 im Londoner Wembley Stadion schüttelte der Queen-Gemahl die Hand des aus Deutschland stammenden Torhüters von Manchester City. 2004 beförderte die Königin Trautmann zum Officer of the British Empire (OBE).
Todesmutige Parade: Am 5. Mai 1956 sorgte Bert Trautmann beim FA-Cup-Finale im Londoner Wembley-Stadion für eine der ganz großen Fußball-Sensationen. Der City-Torhüter warf sich in den Schuss des Birmingham-Mittelstürmers Peter Murphy und verletzte sich schwer beim Zusammenprall mit dem Angriffsspieler. "Wie ein Flugzeugzusammenstoß" habe sich das angefühlt, ...
... berichtete Trautmann später. Nachdem er am Spielfeldrand behandelt worden war, spielte Trautmann 16 Minuten bis zum Spielende weiter und rettete den Vorsprung von Manchester City. Beim Abgang vom Spielfeld hielt er sich den schmerzenden Nacken. Dass der gebrochen war, wurde erst im Krankenhaus festgestellt.
Fußballstar mit Nackenstütze: Der Deutsche Fußball-Bund lud Trautmann zum DFB-Pokalendspiel am 24. Juni 1956 ins Berliner Olympia Stadion ein. Obwohl er noch in eine Kopf- und Nackenstütze eingegipst war, kam der gefeierte Torwart und sah den 4:2-Sieg von Borussia Dortmund gegen den Karlsruher SC. DFB-Präsident Peco Bauwens begrüßte Trautmann.
Der Star ist wieder fit: Am 9. September 1956 gab Trautmann in einem Hamburger Kaufhaus Autogramme. Bald war er wieder einsatzbereit - noch bis 1964 hütete "Traut the Kraut" das Tor von Manchester City.
Elfmeter-Töter: Bert Trautmann hielt während seiner Karriere mehr Strafstöße als jeder andere Torhüter in der ersten englischen Division - nämlich 60 Prozent. Das Foto zeigt ihn im September 1958 bei der Abwehr eines Elfmeters im Spiel gegen Arsenal London.
Mehr als elf Freunde: Die Mitspieler bei Manchester City standen immer fest zu ihrem Torwart Trautmann - auch in der Anfangsphase 1949, als der Deutsche in der Öffentlichkeit als Nazi angefeindet wurde. Das Foto zeigt Trautmann (Mitte) mit dem Team von 1962.
Abschiedsspiel für eine Legende: Im April 1964 lief Trautmann zu seinem letzten Match in Manchester auf. Er hütete das Tor einer kombinierten Mannschaft mit den bekanntesten Spielern der beiden lokalen Vereine City und United gegen eine englische Auswahl.
Abschieds-Schampus: Nach dem Benefizmatch tranken die Mitspieler in der Kabine auf Trautmanns Wohl. Im Stadion rissen Fans die Pfosten aus dem Rasen - kein anderer sollte im Tor stehen, das Trautmann 15 Jahre lang gehütet hatte.
Trainer Trautmann: Nach seiner aktiven Karriere arbeitete der Torwart mehrere Jahre lang bei verschiedenen Klubs in England und Deutschland als Trainer. Das Foto zeigt ihn während seiner Zeit beim Regionalligisten Preußen Münster (1967/68).
Trautmann & Söhne: Nach dem tragischen Unfalltod seines ersten Sohnes John im Jahr 1956 hatte Trautmann noch zwei weitere Jungen. Das Foto zeigt ihn 1970 mit Mark und Stephen. Zu der Zeit hatte der Torwart seine aktive Laufbahn beendet und diente dem Fußballsport als Trainer.
Ehrung durch die Queen: 2004 zeichnete Königin Elisabeth II. den Ausnahmesportler mit dem Order of the Britsh Empire (OBE) aus. Die Zeremonie fand im Rahmen eines Konzerts in der Berliner Philharmonie statt, dessen Erlös für den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden gespendet wurde. Die Kirche war 1945 von alliierten Bombern zerstört worden. Trautmann tat mehr als jeder andere für die Aussöhnung zwischen England und Deutschland.
Ehrung durch den DFB: Als 85-Jähriger erhielt Bert Trautmann 2008 die goldene Ehrennadel des Deutschen Fußball-Bundes. Die Zeremonie fand anlässlich des Freundschaftsspiels Deutschland gegen England im Berliner Olympiastadion statt. Das Match endete 2: 1 für die Gäste.
Lebensabend in Spanien: Bert Trautmann starb am 19. Juli 2013 mit 89 Jahren in La Llosa (bei Valencia) an einem Herzinfarkt. Das Foto zeigt ihn 2012 vor seinem Bungalow an der Küste. Von Spanien aus verfolgte er im Fernsehen den Fußball in der Bundesliga und der britischen Premier League. "Bei Spielen zwischen Deutschland und England ist es für mich ganz schwer", sagte Trautmann in einem seiner letzten Interviews. "Auf der einen Seite will ich, dass Deutschland gewinnt, aber dass England verliert, will ich auch nicht."
Gedenkminute in Manchester: Vor dem Spiel Manchester City gegen Newcastle United legten ehemalige Vereinskameraden und Rivalen von Bert Trautmann eine Gedenkminute für den Torhüter ein, dessen Tod gerade gemeldet worden war. Dritter von rechts ist Bob Wilson, einst Torwart von Arsenal und der schottischen Nationalelf.
Denkmal für den Keeper: Am Etihad Stadion von Manchester erinnert eine Skulptur an den Ausnahmetorhüter. "Bert Trautmann war ein großartiger Sportler und wahrer Gentleman. Er kam als Soldat und damit als Kriegsgegner nach England und wurde auf der Insel ein umjubelter Held. Er war schon zu Lebzeiten eine Legende. Seine außergewöhnliche Karriere wird für immer in den Geschichtsbüchern bleiben", würdigte der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach den 2013 verstorbenen Sportler.
Film über die Fußballlegende: Im Spielfilm "Trautmann" (ab 14. März im Kino; Regie: Marcus H. Rosenmüller) verkörpert David Kross den legendären Torhüter. Der 1990 geborene deutsche Schauspieler ("Der Vorleser") ähnelt verblüffend dem einstigen Kriegsgefangenen Trautmann, der in England zum Volkshelden wurde.
Frauentyp Trautmann: Der blendend aussehende, 1,89 Meter große Trautmann (Szenenfoto "Trautmann") konnte sich über einen Mangel an weiblichen Fans nicht beschweren. Er bezauberte schon als Kriegsgefangener die Frauen und war dreimal verheiratet. Im Film spielt Freya Mavor Trautmanns erste große Liebe in England.
Ab zum Verhör: Als ehemaliger Fallschirmjäger und Träger des Eisernen Kreuzes wurde der spätere Kultkeeper im Gefangenenlager oft zu Verhören geholt (Szenenfoto "Trautmann").