Garmischs Olympia-Pläne 1940 - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Garmischs Olympia-Pläne 1940 10.000 Abfahrtsläufer für Hitler

Deutschland träumt wieder von Olympia, 75 Jahre nach den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen 1936. Was nur wenige wissen: Beinahe hätte das Spektakel dort auch 1940 stattgefunden. Das IOC hatte Hitler die Spiele erneut zugeschanzt, der Diktator träumte vom großdeutschen Skiwunder - und überfiel dann Polen.
1 / 26

Propagandistisches Wintermärchen: Ein Skispringer nach dem Absprung im Olympia-Skistadion Garmisch-Partenkirchen. Das Eisstadion, das 9000 Besuchern Platz bot, war nach den Plänen des Architekten Hanns Ostler in der Rekordzeit von 106 Tagen errichtet worden und konnte am 16. Dezember 1934 im Rahmen einer Feier der Olympia-Teilnehmer übergeben werden.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Adolf Blumenthal
2 / 26

Olympia-Eröffnung 1936: Adolf Hitler nutzte die Feierlichkeiten der Winterspiele zu propagandistischen Zwecken. Nachdem fremdenfeindliche und rassistische Tafeln in Garmisch-Partenkirchen entfernt worden waren und auch Widerstände in den USA gegen Deutschland nicht zu einem Boykott der Spiele geführt hatten, konnte sich das Reich als vermeintlich friedliches Land präsentieren.

Signatur im Bundesarchiv: R 8076 BILD 0003

Foto: Das Bundesarchiv/Willy Rehor
3 / 26

Vom 6. bis zum 16. Februar 1936 fanden in Garmisch-Partenkirchen schließlich die IV. Olympischen Winterspiele statt. Zudem war Deutschland auch als Austragungsort für...

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Kunstbibliothek, SMB
4 / 26

...die V. Olympischen Winterspiele 1940, ebenfalls in Garmisch-Partenkirchen, vorgesehen. Carl Diem, Generalsekretär des Organisationskomitees für die Spiele, hatte auch schon genaue Vorstellungen: Er forderte für einen propagandawirksamen Skilauf eine "genügende Zahl todsicherer Abfahrtsläufer", die sternförmig auf Adolf Hitler zufahren sollten.

Das Foto zeigt Diem bei der Begrüßung der brasilianischen, chilenischen und isländischen Sportler für die Olympischen Sommerspiele am 22. Juli 1936 auf dem Lehrter Bahnhof.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Carl Weinrother
5 / 26

Eröffnungssalut: Soldaten der deutschen Wehrmacht schießen vor der Skisprungschanze am Gudiberg zur Eröffnung der IV. Olympischen Winterspiele Salut. Die Wehrmacht hatte vier Geschütze aufgefahren.

Signatur im Bundesarchiv: R 8076 BILD 0046

Foto: Das Bundesarchiv/Theo Eisenhart
6 / 26

"Wir grüßen die Gäste der Welt": An den Olympischen Winterspielen 1936 nahmen insgesamt 646 Sportler, darunter 80 Frauen, aus 28 Nationen teil - damit wurde ein neuer Teilnehmerrekord aufgestellt. Australien, Bulgarien, Griechenland, Liechtenstein, Spanien und die Türkei waren zum ersten Mal bei Olympischen Winterspielen dabei.

7 / 26

Deutschland trug 1936 auch die Olympischen Sommerspiele in Berlin aus - hier eine Zeichnung der Abschlussfeier von Hans Liska. Änhlich wie bereits die Winterspiele im Februar des gleichen Jahres nutzen die Nationalsozialisten die Wettbewerbe zu Propagandazwecken.

8 / 26

Der Präsident des Organisationskomitees, Karl Ritter von Halt, hier bei der Eröffnung der Winterspiele am 6. Februar 1936 im Skistadion, sah die olympische Idee als Chance, sich der Welt als nationale Größe zu präsentieren. Sein Wunsch jedoch...

9 / 26

...auch vier Jahre später die Sportler aus aller Welt in Deutschland empfangen zu dürfen, sollte jedoch, nachdem der Krieg ausgebrochen war, nicht in Erfüllung gehen.

Karl Ritter von Halt (ganz links) begrüßt zu den Olympischen Winterspielen 1936 die schwedische Mannschaft auf dem Bahnhof von Garmisch-Partenkirchen.

10 / 26

Einmarsch der NS-Führungsspitze beim Reichsparteitag "Großdeutschland" 1938 in Nürnberg: Vorn Adolf Hitler, links dahinter Martin Bormann. Hinter Bormann SS-Obergruppenführer Karl Wolff, der persönliche Adjutant Himmlers. Rechts hinter Hitler Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten, hinter diesem der SS-Chef Heinrich Himmler.

Von Tschammer und Osten machte 1939 deutlich, was das Regime mit den Spielen erreichen wollte: "Es ist ein Sieg Deutschlands, dass die V. Olympischen Winterspiele uns in einer für die olympische Festfolge gefährlichen Zeit einstimmig übertragen worden sind."

11 / 26

Interesse der Presse: Fotoreporter bei der Arbeit am Zieleinlauf eines Langlaufwettbewerbs bei den Olympischen Winterspielen im Februar 1936 in Garmisch-Partenkirchen.

12 / 26

Die Eishockeymannschaft von Großbritannien, Olympiasieger der Winterspiele 1936, posiert für den Fotografen Hanns Hubmann auf dem Riessersee. Die Spieler holten die einzige Goldmedaille für das Vereinigte Königreich.

13 / 26

Norwegen belegte mit insgesamt 15 Medaillen - darunter siebenmal Gold - Platz eins im Medaillenspiegel der Olympischen Winterspiele 1936. Für Eiskunstläuferin Sonja Henie war es die dritte Goldmedaille in Folge. Nach den Spielen versuchte sie sich als Schauspielerin in Hollywood und wurde in den USA mit Eisrevuen erfolgreich.

14 / 26

Aufbauarbeiten im Olympischen Dorf in Garmisch-Partenkirchen: Es war das bisher letzte Mal, dass in Deutschland Winterspiele stattfanden. Nach Kriegsausbruch waren die Pläne für die vorgesehenen Winterspiele 1940 gescheitert: Die Arbeiten, mit denen bereits begonnen worden war, wurden eingestellt. Die offizielle Absage erfolgte am 22. November 1939.

15 / 26

Adolf Hitler, Henri de Baillet-Latour, der belgische Präsident des IOC, und Reichsminister Rudolf Heß 1936 auf der Tribüne bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen.

Signatur im Bundesarchiv: R 8076 Bild-0019

16 / 26

Die Elite des Sports in Garmisch: (Von links) Henri de Baillet-Latour, Karl Ritter von Halt, Avery Brundage, Theodor Lewald und Hans von Tschammer und Osten im Februar 1936. Als Vertreter der Wehrmacht saß...

17 / 26

...Generaloberst Walter von Reichenau, Oberbefehlshaber der 6. Armee, hier im Mai 1940 mit seinem Stab in Belgien, im Vorstand des Nationalen Olympischen Komitees. Er war an der Erschießung von 30.000 Juden im ukrainischen Babi Jar beteiligt und hatte im Krieg gegen die Sowjetunion die Ermordung von 90 jüdischen Kindern befohlen.

18 / 26

Auch NS-Arzt Leonardo Conti saß im NOK-Vorstand (rechts): Hier bei der Untersuchung von Schulkindern. Später wird man über ihn wissen, dass er im Nationalsozialismus mitverantwortlich war für Zwangssterilisationen, Schwangerschaftsunterbrechungen und Euthanasie. Unbestritten ist auch seine Beteiligung an Menschenversuchen.

Foto:

DER SPIEGEL

19 / 26

Publikumsmagnet: Sobald die Zuschauer den "Führer" sichteten, umringten sie ihn und bettelten um ein Autogramm - die Sportler der Olympischen Winterspiele 1936 standen dann im Hintergrund.

Auf dem Foto gibt Adolf Hitler von der Tribüne des Eisstadions in Garmisch-Partenkirchen Autogramme. Links von ihm: Heer-Oberbefehlshaber Werner von Fritsch, Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels und Reichskriegsminister Werner von Blomberg. Zweiter von rechts: Bernhard Rust, Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.

20 / 26

Im Ziel der Abfahrtsstrecke der Herren: Bei den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen wurden zum ersten Mal alpine Skirennen veranstaltet.

21 / 26

Reichskriegsminister Werner von Blomberg: Er beglückwünscht die Mannschaft der Wehrmacht, die bei dem Vorführungswettbewerb Militärskipatrouille den fünften Platz belegte. Auf ausdrücklichen Wunsch von Hitler wurde der Lauf als Demonstrationsbewerb für die Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen zugelassen.

22 / 26

Goldmedaillengewinner im Zweierbob: Ivan Brown und Alan Washbond aus den USA auf der Olympia-Bobbahn im Februar 1936 in Garmisch-Partenkirchen. Insgesamt traten die Vereinigten Staaten mit 55 Athleten an.

23 / 26

Drei Jahre vor den Olympischen Winterspielen 1936 erklärt Baron Peter von Le Fort (zweiter von rechts), Generalsekretär der IV. Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen, dem Olympischen Komitee seine Ausrichtungsvorschläge. Zweiter von links: Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten, daneben der deutsche Bobfahrer Hanns Kilian.

24 / 26

Sportlerstars der NS-Zeit: Das deutsche Eiskunstlaufpaar Maxi Herber und Ernst Baier posiert in Garmisch-Partenkirchen für die Pressefotografen mit dem Hitlergruß. Die beiden gewannen die Goldmedaille. Im Einzellauf der Herren holte Baier außerdem Silber.

25 / 26

Auf dem Treppchen: Siegerehrung der Herren im Eiskunstlauf bei den Olympischen Winterspielen 1936. Von links: Ernst Baier (Deutschland, Silber), Karl Schäfer (Österreich, Gold), Felix Kaspar (Österreich, Bronze) sowie Graf Henri Baillet-Latour und Karl Ritter von Halt.

26 / 26

Ende des Wintermärchens: Siegerehrung und Abschlussfeier am 17. Februar 1936 im Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen. Auf dem Berg oben rechts brennt das Olympische Feuer.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?