Gastarbeiterschicksal "Das ist meine Welt! Da muss ich hin!"
Angekommen: Das Ehepaar Biner vor der ersten gemeinsamen Wohnung 1972 in München. Selahattin Biner arbeitete als Modellschreiner und hatte von seinem Arbeitgeber eine Firmenwohnung zur Verfügung gestellt bekommen. Zuvor hatte er in einem Firmenwohnheim gelebt.
Ein bisschen Wohlstand: Selahattin und Güzin Biner sitzen gemeinsam in ihrer Münchner Wohnung. Beide legten großen Wert darauf, schnell die Sprache ihres Gastlandes zu lernen und die Kultur zu verstehen. Erst als ihre erste Tochter eingeschult wurde, entschlossen sie sich jedoch, dauerhaft in Deutschland zu bleiben und nicht in die Türkei zurückzukehren. Sie fühlten sich wohl in ihrer neuen Heimat und wollten ihren Töchtern eine gute Ausbildung ermöglichen, die ihnen in der Türkei verwehrt geblieben wäre.
Erste Streifzüge durch Duisburg: Selahattin Biner (M.) kam 1964 das erste Mal nach Deutschland. Ein Möbelhersteller in Duisburg hatte den jungen Modellschreiner angeworben. Der fand sofort gefallen an seiner neuen Heimat. Er erkundete, wie hier mit vier türkischen Freunden, die Umgebung, suchte Kontakt zu seinen deutschen Kollegen, machte Radtouren, ruderte und spielte Basketball beim Meidericher SV, der heute MSV Duisburg heißt.
Fleißiger Arbeiter: Selahattin Biner (M., hier bei seiner Arbeit als Modellschreiner), bekam, nachdem sein erster Vertrag ausgelaufen war, schnell einen neuen bei einem Wohnwagenhersteller, für den er die Inneneinrichtungen herstellte.
Neue Wege: In den sechziger und Anfang der siebziger Jahre wurden überall in Deutschland Arbeitskräfte gebraucht. In der Folge wurden immer mehr Arbeiter aus Spanien, Italien, Griechenland, der Türkei und anderen Staaten angeworben. Erst während der Ölkrise 1973 und der damit einhergehenden Wirtschaftskrise kommt es zu einem Anwerbestopp. Das Bild zeigt zwei Straßenarbeiter 1973 in München.
Die erste Unterkunft: Die meisten Gastarbeiter kamen zuerst allein nach Deutschland, wo sie in Wohnheimen untergebracht wurden. Diese Unterkünfte, wie hier 1969 in Frankfurt am Main, waren jedoch im Allgemeinen sehr beengt...
...und boten wenig Rückzugsmöglichkeiten. Wie wenig Privatsphäre es gab, zeigt dieses Regal mit Postfächern in einem Männerwohnheim der Firma Opel in Rüsselsheim - die Briefe waren für jeden zugänglich.
Familienleben: Wer konnte, holte daher so schnell wie möglich seine Familie aus der Türkei nach Deutschland und...
...suchte sich eine eigene Wohnung. Großen Luxus konnten sich die Gastarbeiter zumeist nicht leisten. Doch selbst das spartanischste Heim war immer noch ein eigenes, das man nicht mit Fremden teilen musste, so wie bei dieser Familie 1981 in Bochum.
Mehr Chancen durch Sprachkenntnisse: In den sechziger Jahren waren die meisten Arbeitsplätze für Gastarbeiter schlecht bezahlte Stellen mit schwerer und schmutziger Arbeit. Schichtarbeit am Fließband und Akkordlohn gehörten zum Alltag der angeworbenen Kräfte. Wer es zu mehr bringen wollte, musste sich um einen Sprachkurs bemühen und Deutsch lernen, wie hier 1969 in einem Deutschkurs im Türkischen Zentrum in Frankfurt am Main.
Gutgelaunt verrichten diese beide Türken 1976 am Stadtrand von München ihren Dienst.
Noch Anfang der siebziger Jahre waren, wie die Aufnahme zeigt, die Unterkünfte der türkischen Gastarbeiter der Feuerverzinkerei Bollmeyer in Neumünster recht spartanisch eingerichtet. Ein kleiner Blumenstrauß auf dem Tisch war der einzige Lichtblick in dem ansonsten tristen Raum.