Geboren in den Sechzigern Wir Babyboomer
Klassenbild: So sahen Babyboomer als Grundschüler aus. Von der Aufbruchsstimmung, die man heute mit '68 verbindet, war damals an deutschen Schulen noch nicht viel zu merken - über der Tafel hing nachwievor ein Ölschinken im erdverbundenen Heimatstil.
Blumenhelm: Im September 1983 demonstrierten Kriegsgegner vor der US-Raketenbasis in Mutlangen für den Frieden. Unter ihnen auch die Grüne Petra Kelly, hier zu erkennen an dem bluhmengeschmücktem Stahlhelm.
"Ein bisschen Frieden": Mit der Schnulze "Ein bisschen Frieden" gewann die 17-jährige Schlagersängerin Nicole am 24. April 1982 im britischen Harrogate mit ihrem Lied "Ein bisschen Frieden" den "Grand Prix d'Eurovision de la Chanson"- es war das bisher das einzige Mal, das Deutschland den Schlager-Wettbewerb gewann. Hier sieht man die Künstlerin mit ihrem Komponisten Ralph Siegel (l.) nach ihrem Sieg bei der deutschen Grand-Prix-Vorentscheidung.
Menschenkette: Teilweise doppelreihig säumten am 22. Oktober 1983 Demonstranten gegen die Stationierung neuer US-Mittelstrckenraketen in Europa die Bundesstrasse 10 zwischen Stuttgart und Neu Ulm, eine Strecke vom etwa 110 Kilometern Länge (hier in der Nähe von Dornstadt).
Rauchen für den Frieden: "Frieden schaffen ohne Waffen" und "Nie wieder Krieg" waren die Slogans der Friedensbewegung in den Achtzigern, die von vielen Intellektuellen unterstützt wurde - hier mischet sich der Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll (M., mit Baskenmütze) am 1. September 1983 unter Demonstranten, die das US-Militärdepot in Mutlangen drei Tage lang blockierten.
Wörner im Manöver: Der CDU-Verteidigungsminister Manfred Wörner (CDU, mit Mütze) bei einem Truppenbesuch während eines Manövers 1984. Für Wehrpflichtige waren die frühen achtziger Jahre seltsame Zeiten - es gab immer mehr Bundesbürger, die gar nicht von Soldaten verteidigt werden wollten.
Atomkraft aus den Köpfen: "Atomkraft - Nein Danke"-Aufkleber waren in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren allgegenwärtig. Nur noch die weiße Taube auf blauem Grund, das Symbol der Friedensbewegung, erreichte als Selbstkleber oder Ansteckbutton eine annähernd ähnliche Verbreitung.
Kandidat Strauß: Die Kandidatur von Franz Josef Strauß (CSU) als Kandidat von CDU/CSU als Herausforderer von SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt spaltete die Bundesrepublik. Mit einem Strauß-Aufkleber auf der Schultasche machte man sich in dieser Zeit des linken Mainstream selten beliebt. Andererseits wurden "Strauß - Nein Danke"-Aufkleber an manchen Schulen verboten und die Träger in der einen oder anderen Form disziplinarisch belangt.
Bundeskanzler Helmut Schmidt: SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt stand für die von vielen Bundesbürgern abgelehnte Nato-Nachrüstung, andererseits stand er gegen einen befürchteten konservativen "Roll-back" unter Franz Josef Strauß - keine leichte Wahlentscheidung für Friedensbewegte im legendären Bundestagswahljahr 1980.
Freiheit oder Sozialismus: Wenige Wahlkämpfe polarisierten die Repulik so wie der für die Bundestagswahl 1980. Zur Wahl standen mit den kühl-pragmatischen SPD-Kanzler Helmut Schmidt (SPD) und seinem polternd-erzkonservativen CSU-Herausforderer, dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, zwei krasse Gegensätze - menschlich, politisch und landsmannschaftlich. Die Kampagne der Union ("Freiheit statt Sozialismus") versuchte, die SPD als verkappte Marxisten anzugreifen - wie in diesem Aufkleber, der Herbert Wehner, Willy Brandt und Helmut Schmidt in Anlehnung an gängige kommunistische Darstellungen von Marx, Engels und Lenin karrikierte. Am Ende blieb Strauß der Erfolg versagt, Schmidt gewann die Wahl und blieb im Amt.
Ballon-Königin: Der deutschen Popsängerin Nena gelang 1983 mit "99 Luftballons" ein sensationeller Welt-Hit, der auch in den US-Charts die Nummer 1 erreichte. Selbst in diesem leichten Popsong kam die Friedenssehnsucht und Kriegsangst der Zeit zum Ausdruck. Das Bild zeigt Nena bei einem Auftritt in der "ZDF-Superhitparade" am 22. Januar 1984.
Kirchentags-Demonstration: Der Grünen-Bundestagsabgeordnete und Ex-General Gert Bastian und Berlins Altbischof Kurt Scharf (beide Bildmitte) marschieren am 11. Juni 1983 inmitten anderer Teilnehmer an der Spitze des Demonstrationszuges gegen Aufrüstung und für den Frieden anlässlich des 20. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Hannover.
Barzel gratuliert Brandt: Nach dem gescheiterten Misstrauensvotum der CDU/CSU-Opposition gegen SPD-Bundeskanzler Willy Brandt am 27. April 1972 gratuliert der unterlegene CDU-Kandidat Rainer Barzel (l.) dem alten und neuen Kanzler. Das ungläubige Kopfschütteln von Barzel Sekunden nach der Verkündung des Abstimmungsergebnisses hat sich in die Erinnerung vieler damals politisch erwachender Babyboomer eingegraben.
AP
Schmidt gratuliert Kohl: Der gestürzte Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD, r.) beglückwünscht nach seiner Abwahl durch ein konstruktives Misstrauensvotum des Bundestages am 1. Oktober 1982 seinen Nachfolger Helmut Kohl (CDU).
Helmut Kohl wird Kanzler: Am 1. Oktober 1982 wird der neue Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) von Bundestagspräsident Richard Stücklen (v.) vereidigt. Durch ein konstruktives Mißtrauensvotum gegen den damaligen Amtsinhaber Helmut Schmidt (SPD) war Kohl mit 256 von 495 abgegebenen Stimmen zum Kanzler gewählt worden.
Zu Besuch in Nicaragua: Fernsehmoderator Franz Alt reiste im Frühsommer 1982 mit Johano Strasser und Günter Grass auf Einladung des nicaraguanischen Kulturministers Ernesto Cardenal für politische Gespräche nach Nicaragua. Die Generation Babyboomer kannte ihn als Moderator der Sendung "Report" und von seinen "Frieden ist möglich"-Predigten im Fernsehen.