Geiselnahme in Iran - DER SPIEGEL
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Geiselnahme in Iran "Das Schlimmste waren die Scheinerschießungen"

Es war die längste Geiselnahme der Geschichte: Vor 30 Jahren endete für die Mitarbeiter der US-Botschaft in Teheran ein 444-tägiges Martyrium. Auf einestages erinnert sich der Wachmann Kevin J. Hermening an brutale Verhöre, gescheiterte Fluchtversuche - und Verräter in den eigenen Reihen.
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Gefesselt und gedemütigt: Nachdem die revolutionären Studenten am 4. November 1979 die US-Botschaft in Teheran besetzt hatten, nahmen sie die anwesenden Amerikaner als Geiseln und führten sie der Öffentlichkeit vor. Bald darauf wurden die afroamerikanischen und weiblichen Geiseln freigelassen - 52 mussten das Martyrium bis zum Ende durchstehen.

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Ajatollah Ruhollah Khomeini war der geistige Kopf der "islamischen Revolution", die im Januar 1979 den Schah stürzte und in Iran eine schiitische Theokratie errichtete, die bis heute an der Macht ist. Khomeini selbst starb am 3. Juni 1989 im Alter von 87 Jahren. Er hatte die radikalen Studenten, die die US-Botschaft am 4. November stürmten, mit einer Rede kurz zuvor zum Kampf gegen die USA und Israel aufgerufen.

Foto: AFP
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Jimmy Carter war von 1977 bis 1981 Präsident der USA. Dass er es nicht geschafft hatte, die Geiseln in Teheran zu befreien, beschädigte ihn schwer. Carter verlor die Präsidentschaftswahl 1980 und Ronald Reagan kam an die Macht. Immerhin konnte Carter seinen Namen doch noch mit den freigelassenen US-Amerikanern verbinden. Als Emissär Reagans besuchte er die Geiseln in der Army-Base in Wiesbaden.

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Auch der SPIEGEL beschrieb im April 1980 "Carters Kampf um die Geiseln". Um die Titelgeschichte zu lesen, klicken Sie bitte hier.

Foto: DER SPIEGEL
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Schon im Januar 1978 schrieb der SPIEGEL über den "Schah-Bezwinger Chomeini". Um die Original-Titelgeschichte von damals zu lesen, klicken Sie bitte hier.

Foto: DER SPIEGEL
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Ronald Reagan (mit seiner Frau Nancy) bei seiner Amtseinführung als US-Präsident am 20. Januar 1981. Reagans Vorgänger Jimmy Carter war nach Ansicht vieler Beobachter im November 1980 auch wegen der ungelösten Geiselkrise abgewählt worden. Nur wenige Minuten nach der Vereidigung Reagans ließ Teheran die Geiseln dann frei.

Foto: AP
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Endlich frei: Gespannt warten Reporter und Angehörige am 1. Januar 1981 auf die Rückkehr der Geiseln aus Teheran.

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Gespannte Stimmung: Auf der Andrews Air Force Base, etwa 15 Kilometer südöstlich von Washington D.C., erwartete am 27. Januar 1981 der neugewählte Vizepräsident George Bush mit hochrangigen Militärs und Politikern die Rückkehr weiterer freigelassener Geiseln aus Teheran. Nachdem der Versuch, die Geiseln zu befreien, fehlgeschlagen war, waren es schließlich Verhandlungen, die die gefangenen Amerikaner nach 444 Tagen wieder unverletzt nach Hause brachten.

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Gelöste Stimmung: Die 52 ehemaligen Geiseln steigen am 20. Januar 1981 in die VC-137B Freedom One, um endlich in die USA zurückkehren zu können. Für 444 Tage waren die Amerikaner in Teheran gefangen gehalten worden. "Ich kann mich nicht erinnern, mit meinen Füßen die Treppen berührt zu haben", erinnert sich Kevin J. Hermening bei einestages an den Moment, in dem er das Flugzeug in die Freiheit bestieg.

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Anti-USA-Demonstration: Mit Bannern und Bildern Khomeinis demonstrieren diese Teheraner am 6. Januar 1980 gegen die USA. Die Amerikaner hatten nicht nur den iranischen Schah unterstützt, sondern boten ihm auch Asyl nach seinem Sturz und weigerten sich, ihn an das Revolutionsregime auszuliefern.

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Hass auf Amerika: Nachdem am 4. November 1979 etwa 400 iranische Studenten die US-Botschaft in Teheran besetzt und die Botschaftsmitarbeiter zu Gefangenen erklärt hatten, sammelten sich immer wieder Unterstützer vor dem Gebäude. So auch diese Demonstranten, die am 20. November 1979 ihren Hass auf Amerika zum Ausdruck bringen.

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Heimkehr: Eine jubelnde Menge empfing am 27. Januar 1981 die Busse mit den 52 freigelassenen Geiseln aus Teheran in Washington. Nachdem sie 444 Tagen in Iran gefangen gehalten worden waren, konnten sie endlich wieder nach Hause. In langen Verhandlungen hatten die USA schließlich zugestimmt, das von Iran verstaatlichte Vermögen des inzwischen gestorbenen Schahs freizugeben und auf weitere militärische und politische Interventionen zu verzichten.

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Bilderbuchstart: Nur eine Woche zuvor war Ronald Reagan als Präsident vereidigt worden, als er am 27. Januar 1981 eine Rede während der Willkommenszeremonie für die freigelassenen Geiseln hielt.

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Flaggenverbrennung: Eine junge Frau verbrennt im März 1980 in Teheran eine US-Flagge. Seitdem Khomeini im Februar 1979 das neue Oberhaupt des Staates geworden war, hatte sich die Stimmung gegen die USA immer weiter aufgeheizt und im November schließlich zu der Botschaftsbesetzung und Geiselnahme geführt.

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Protestpause: Iranische Demonstranten haben sich zu einer Besprechung vor der amerikanischen Botschaft versammelt. Auf die Botschaftsmauer im Hintergrund hat jemand "Down with Carter" geschrieben.

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Khomeini-Verehrung: Am 4. November 1979 hatten nicht nur iranische Studenten die US-Botschaft besetzt und das Personal gefangen genommen - auch Soldaten und Mitglieder der Revolutionären Garden beteiligten sich an dem Überfall. Hier hängt einer der selbsternannten Revolutionäre ein Poster seines Führers Khomeini an der Mauer vor dem Botschaftsgelände auf.

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Brennender Protest: Iranische Studenten verbrennen am 6. November 1979 die US-Flagge auf der Botschaftsmauer in Teheran, die sie seit zwei Tagen besetzt halten.

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Khomeini-Anhänger: Mit Bildern des Revolutionsführers Khomeini demonstrieren Iraner gegen den Schah. Mohammed Reza Pahlavi hatte nach seiner Absetzung 1979 Iran verlassen. Der letzte iranische Monarch starb am 27. Juli 1980 in Kairo an den Folgen einer Krebserkrankung. Der Tod des Schahs und der Angriff Iraks auf Iran im September ließ das Interesse des Mullah-Regimes an den Geiseln sinken.

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Abbruch: Am 7. April 1980 verkündete Präsident Jimmy Carter, dass er die diplomatischen Beziehungen zu Iran aufgrund der Geiselnahme in Teheran abgebrochen habe. Die kurz darauffolgende Befreiungsaktion "Eagle Claw" scheiterte allerdings, woraufhin die Geiseln auf verschiedenen Orten des Landes verteilt wurden, was einen weiteren Befreiungsversuch unmöglich machte. Carter musste daraufhin wieder verhandeln.

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Proteste in den USA: Nicht nur in Teheran, auch in Washington gingen die Menschen 1980 auf die Straße. Die 98 Tage, die die Geiseln zu diesem Zeitpunkt schon festgehalten wurden, sollten sich allerdings noch auf 444 Tage ausdehnen.

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Fehlschlag: In einer spektakulären Aktion sollten die Geiseln aus der US-Botschaft in Teheran befreit werden. Der Plan ging allerdings gründlich schief. Die Einheit, die ihn durchführen sollte, musste bereits auf dem Hinflug wieder umdrehen, da die Helikopter im Sandsturm nicht weiterfliegen konnten. Zusätzlich kollidierte noch eines der Transportflugzeuge mit einem Hubschrauber, wobei beide ausbrannten. Insgesamt starben acht Soldaten bei der Aktion.

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Feier in Wiesbaden: Nachdem die Geiseln im Januar 1981 endlich freigelassen worden waren, wurden sie zunächst nach Frankfurt am Main geflogen und in das Wiesbadener Militärkrankenhaus gebracht. "Der Empfang in Deutschland war großartig", erinnert sich die Geisel Kevin J. Hermening.

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Nach ihrer Freilassung wurden die ehemaligen Geiseln von Teheran vorerst in Wiesbaden in einem US-Militärkrankenhaus betreut. Die 52 Botschaftsangehörigen konnten schließlich äußerlich unverletzt nach Hause fliegen.

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Operation "Adlerkralle": Die sechs Sikorsky RH-53D Sea Stallion Hubschrauber der U.S. Navy, kurz nachdem sie am 25. April 1980 von dem Flugzeugträger "USS Nimitz" zur Operation "Eagle Claw" ("Adlerkralle") aufgebrochen waren, um die in der US-Botschaft in Teheran festgehaltenen Geiseln zu befreien. Die Helikopter kamen allerdings nie in der iranischen Hauptstadt an, da drei bereits auf dem Flug in die Salzwüste mit Problemen umkehren mussten.

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Pressekonferenz in Teheran: Bereits am 19. November 1979 waren die ersten Geiseln aus der Botschaft, 13 Frauen und Afroamerikaner, nach Vermittlung von PLO-Chef Jassir Arafat freigelassen worden. Nach einem der Plakate im Hintergrund sahen die Geiselnehmer die Freigelassenen offenbar als in den USA unterdrückt an und hofften wohl, sie so auf ihre Seite ziehen zu können.

Von links: Elizabeth Montagne, Terry Tedford, Jean Walsh, Lillian Johnson, David Walter, Lloyd Rawbin, Westley Williams, Terry Robinson, James Hughs und James Vincent.

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Empfang beim Präsidenten: Der Wachmann Kevin Hermening war die jüngste der Geiseln in der US-Botschaft. Nach seiner Freilassung wurde er am 25. Januar 1981 von Präsident Ronald Reagan im Weißen Haus empfangen.

Foto: Kevin Hermening
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?