Geiselnahme Iran: - DER SPIEGEL
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Geiselnahme in Iran 1979 Wie iranische Studenten die USA blamierten

Ajatollah-treue Studenten stürmten vor genau 40 Jahren die US-Botschaft, 52 Geiseln mussten ausharren und Demütigungen erdulden. Der Albtraum von Teheran führte Iran und die Vereinigten Staaten fast in einen Krieg.
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Sternenbanner in Flammen: "Tod für Amerika" lautete der Kampfruf iranischer Studenten, die vor 40 Jahren rituell US-Flaggen abfackelten. Das Foto zeigt die Besetzer der amerikanischen Botschaft fünf Tage, nachdem die Geiselnahme am 4. November 1979 begann. In Gefangenschaft und Ungewissheit mussten die Botschaftsmitarbeiter 444 Tage lang ausharren.

Foto: Bettmann Archive/ Getty Images
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Demütigung einer Weltmacht: Gefesselt und mit verbundenen Augen führten iranische Revolutionsgardisten Angehörige der US-Botschaft in Teheran vor. Mit der Geiselnahme erniedrigten die Iraner über die Botschaftsmitarbeiter hinaus die Vereinigten Staaten.

Foto: Bettmann Archive/ Getty Images
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Revolutionärer Rummel: Zwei Tage nach Erstürmung der US-Botschaft durch aufgeputschte Studenten marschierten bewaffnete Revolutionsgarden durch Teheran und bekundeten ihre Unterstützung für die Geiselnehmer.

Foto: Alex Bowie/ Getty Images
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Feudaler Prunk der Vergangenheit: Schah wurde Mohammad Reza Pahlavi bereits 1941 und krönte sich 1967 zum "Herrscher der Herrscher" - ein Kaiser von eigenen Gnaden. Das Foto vom Februar 1951 zeigt ihn bei der Hochzeit mit Soraya, seiner zweiten von drei Ehefrauen. Zu dieser Zeit war seine rechtliche und politische Rolle stark umstritten: Widersacher Mohammad Mossadegh, ab April 1951 Premierminister, versuchte, die Befugnisse des Schahs zu beschneiden, und sah ihn in einer nur symbolischen Herrscherrolle, ähnlich einer konstitutionellen Monarchie wie in Großbritannien.

Foto: Bettmann Archive/ Getty Images
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Die Vorgeschichte: Die Iraner vergaßen nicht, dass die CIA im Kalten Krieg immer wieder Umstürze im Ausland organisierte, um amerikanische Interessen durchzusetzen - auch in Iran. Dort war Mossadegh bis 1953 gewählter Premierminister, wollte die Erdölindustrie verstaatlichen und wurde im August 1953 aus dem Amt geputscht. Mit der "Operation Ajax" stürzten ihn die Nachrichtendienste der USA und Großbritanniens. Das Foto zeigt Unterstützer des Regierungschefs, wie sie am 17. August 1953 eine Statue des Schahs Reza in Teheran vom Sockel ziehen.

Foto: AP
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Auf dem Pfauenthron: Als Schah konnte Pahlavi, gestützt von den Amerikanern, fortan recht ungestört regieren, durch die sprudelnden Ölquellen Milliarden einsammeln und ungeniert protzen und prahlen. Seine Macht sicherte der gefürchtete Geheimdienst Savak, der ähnlich ungestört Oppositionelle verfolgte und folterte - der Schah behauptete, davon nichts zu wissen.

Foto: Central Press/ Getty Images
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Auf diesem Bild posiert der Schah noch mit Soraya, Tochter eines Vaters aus vornehmer persischer Familie und einer in Moskau geborenen Berliner Mutter, die sich in Berlin kennenlernten - zum Entzücken der deutschen Boulevardpresse. Von Soraya ließ er sich allerdings 1958 scheiden, weil die Ehe kinderlos blieb. Bald darauf heiratete er Farah Diba; das Paar bekam vier Kinder, mit Cyrus Reza Pahlavi als ältesten Sohn 1960 auch den ersehnten Thronfolger, der heute in den USA lebt. Zwei der Schah-Kinder töteten sich später selbst.

Foto: Getty Images
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Achse Washington-Teheran: Der ölreiche Iran war lange ein wichtiger Verbündeter der USA. Richard Nixon, Präsident von 1969 bis 1974, begrüßte den Schah als zuverlässigen, antikommunistischen Freund.

Foto: Wally McNamee/ Corbis/ Getty Images
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Massendemo gegen den Schah: Per Einsetzung einer Militärregierung hatte der Schah den Umsturz 1978 noch zu verhindern versucht, doch in den letzten Monaten seiner Herrschaft wuchs der Protest gegen sein Regime und fand eine breite Basis. Das Foto (ohne Datumsangabe) zeigt Demonstranten mit Khomeini-Bildern. Der radikale Geistliche lebte zu dieser Zeit noch im Exil in Frankreich. Am 16. Januar 1979 verließ der bereits todkranke Schah das Land und kam über einige Zwischenstationen am 22. Oktober nach New York, um sich behandeln zu lassen. Die Nachricht von der Zuflucht in den USA spielte eine bedeutende Rolle für die Besetzung der Botschaft in Teheran.

Foto: Bettmann Archive/ Getty Images
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PLO übernimmt Israel-Botschaft: Nachdem sie den Schah im Januar 1979 verjagt hatten, übergaben die iranischen Revolutionäre Israels Botschaft an die PLO. Zur Einweihung kam im Februar Palästinenser-Chef Jassir Arafat (M.).

Foto: Bettmann Archive/ Getty Images
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Der Gegenspieler: Der radikale schiitische Geistliche Ruhollah Khomeini (SPIEGEL-Titel vom 22. Januar 1979) lebte jahrzehntelang im Exil, zuletzt in Paris, und kehrte am 1. Februar 1979 nach Teheran zurück. Mit allen Mitteln sicherte er seine neu gewonnene Macht und baute eine Diktatur auf: Etliche Oppositionsparteien und -gruppen sowie Zeitungen wurden verboten, Universitäten jahrelang geschlossen, Banken, Versicherungen und Industriebetriebe verstaatlicht. Zügig machten die Mullahs sich den Staat untertan. Khomeini blieb Staatsoberhaupt bis zu seinem Tod 1989.

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Pressekonferenz im Weißen Haus: Während der 444 Tage dauernden Geiselhaft von 52 US-Bürgern in Iran musste Jimmy Carter sich immer wieder bohrenden Fragen von Journalisten stellen. In der anhaltenden Krise verlor der Präsident zunehmend an Ansehen, seine Chancen schwanden, für eine zweite Amtszeit gewählt zu werden.

Foto: Rex Features/ Rex Shutterstock/ ullstein bild
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Macher im Hintergrund: Gerhard Ritzel, Deutschlands Botschafter im Iran, hatte während der Schah-Herrschaft Kontakte zur verfolgten Opposition aufgebaut. Nach dem Machtwechsel war er in der Lage, zwischen den Vereinigten Staaten und dem Khomeini-Regime zu vermitteln. Das Foto zeigt Ritzel vier Jahre später als neu ernannten Botschafter in Schweden; am 27. April 1984 absolvierte er seinen Antrittsbesuch bei König Carl Gustav in Stockholm.

Foto: Tobe Gustavsson/ AP
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Kanzler Helmut Schmidt ließ seinen Botschafter in Teheran in der USA-Iran-Konfrontation durch die Geiselnahme vermitteln. "Die Bundesrepublik", erklärte der bereits abgewählte Präsident Jimmy Carter am 21. Januar 1981, "hat uns in einer Art und Weise geholfen, die ich niemals der Weltöffentlichkeit gegenüber aufdecken kann."

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Irans Reichtum: Mit seinen Ölvorräten - das Foto zeigt Quellen auf der Insel Kharg - und seiner prowestlichen Politik galt der Iran des Schahs als Gegenkraft zu nahöstlichen Staaten mit Linksdrall wie Irak und Syrien.

Foto: Alain Nogues/ Sygma/ Getty Images
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Fataler Fehlschlag: Die Trümmer eines ausgebrannten Sikorsky-Hubschraubers der Amerikaner dokumentieren die gescheiterte "Operation Adlerkralle". Der Versuch, die Geiseln zu befreien, endete in der Wüste weit weg von Teheran.

Foto: Rolls Press/ Popperfoto/ Getty Images
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Tiefpunkt in Carters Karriere: Bei dieser Pressekonferenz im April 1980 musste Jimmy Carters Regierung das Scheitern der Befreiungsaktion für die Teheraner Geiseln bekannt geben.

Foto: Photo 12/ Universal Images Group/ Getty Images
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Amtseid des neuen Präsidenten: Ronald Reagan wurde am 20. Januar 1981 vom Obersten Richter Warren Burger als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt, nachdem Vorgänger Jimmy Carter wegen der Geiselkrise die Chance zur Wiederwahl verwirkt hatte (rechts neben Reagan seine Ehefrau Nancy).

Foto: Bill Pierce/ The LIFE Images Collection/ Getty Images
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Nach 444 Tagen wieder frei: Nach ihrer Rückkehr in die USA feierten viele Amerikaner die Geiseln als Helden. "Aber keiner von uns dachte, dass wir das verdienen", so der US-Marine-Wachmann Kevin Hermening. "In unseren Augen waren die einzigen Helden die acht Soldaten, die bei der gescheiterten Befreiungsaktion in der iranischen Wüste starben. Wir waren eher Überlebende."

Foto: Johnson Babela/ wikimedia commons
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Nutznießer der Geiselnahme: Ronald Reagan (hier bei einer Vertragsunterzeichnung mit Michail Gorbatschow) übernahm 1980 bald die Favoritenrolle im Wahlkampf um die Präsidentschaft. Amtsinhaber Jimmy Carter verlor vor allem wegen der Geiselkrise, die nicht enden wollte.

Foto: DPA/ ullstein bild
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Ex-Präsident bei Ex-Geiseln: Die in Teheran freigelassenen Geiseln wurden zunächst nach Frankfurt geflogen, dann zur medizinischen Untersuchung nach Wiesbaden gebracht. Dort begrüßte sie am 20. Januar 1981 der gerade abgewählte Präsident Jimmy Carter als Emissär der USA, denn die neue Regierung war beschäftigt - Ronald Reagan wurde am selben Tag vereidigt. Auch der deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher kam zu dem Treffen.

Foto: Ulrich Baumgarten/ ullstein bild
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Willkommen in Deutschland: Auf dem Balkon eines US-Militärhospitals in Wiesbaden schauen befreite Geiseln auf einen Kinderchor, der ihnen ein Ständchen bringt.

Foto: C. Tordesillas/ wikimedia commons
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Und seitdem? Haben die Beziehungen zwischen der amerikanischen und der iranischen Regierung immer neue Tiefpunkte erreicht. Präsident Donald Trump (Mitte; rechts sein Vize Mike Pence), der sich selbst als "sehr stabiles Genie" zu feiern pflegt, trat einseitig aus dem internationalen Atomvertrag aus, verkündete wiederholt noch schärfere Wirtschaftssanktionen gegen Iran und drohte mit Militärschlägen. Iranische Geistliche konterten mit ähnlichen Drohungen, auch mit der Vernichtung Israels - wieder ist ein Krieg nicht auszuschließen.

Foto: Mandel Ngan / AFP
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Und Iran? Ist heute eine sehr stabile Tyrannei - die Mullah-Diktatur hält die Bevölkerung fest im Griff und lässt sich in Sachen Hatz auf Oppositionelle, Unfreiheit oder Unterdrückung von Frauen von nur wenigen Staaten weltweit in den Schatten stellen. Ernsthafte Hoffnung auf einen Umsturz und ein Ende der umfassenden Bevormundung gab es 2009 bei der "Grünen Revolution" (auf dem Foto eine Demonstration in Teheran), die allerdings mit Gewalt niedergeschlagen wurde. Seitdem flackerten mehrfach Proteste auf, aber ein Ende der Theokratie scheint auch nach 40 Jahren nicht in Sicht.

Foto: A2800 epa Saber/ www.flickr.com/ dpa
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