Centralia, Pennsylvania Rauchschwaden und Schwefelgeruch
1981 bildeten sich auf der Route 61, die Centralia mit dem nahe gelegenen Ashland verbindet, die ersten Risse. Wenig später musste die Schnellstraße gesperrt werden: Auf gut 300 Metern war die Straße aufgebrochen, der Teer wölbte sich aufgrund der Hitze von unten. Aus den Spalten stieg Qualm auf.
Stadt auf glühenden Kohlen: Auf einem Hügel von Centralia zeigt sich das erschreckende Ausmaß der Katastrophe. Seit Mai 1962 lodert unter dem Bergbaustädtchen im östlichen Kohlerevier Pennsylvanias ein Minenfeuer. Giftiger Qualm und Dämpfe wabern in dichten Schwaden über das Brachland.
Unheil von unten: Der Minenbrand, der seit fast einem halben Jahrhundert unter Centralia lodert, gehört zu den schlimmsten in der Geschichte der USA. Etwa 1,4 Quadratkilometer, schätzen Experten, hat sich das Feuer unter Tage bereits einverleibt.
Mit dem Leben davongekommen: Am 14. Februar 1981 stürzte der damals zwölfjährige Todd Domboski in ein Erdloch. Zum Glück war die fast 50 Meter tiefe Spalte so schmal, dass er darin stecken blieb. Sein Cousin zog ihn wieder nach oben - Todd überlebte den Unfall unverletzt. Fassunglos starrte der Schüler am Tag des Unglücks auf das Loch, das ihn beinahe verschluckt hätte.
Centralia 1982: Die Einwohner hatten sich an Dampf und Rauch, die ihre Stadt einhüllte, gewöhnt. Als aber 1981 der Schüler Todd Domboski in ein Erdloch stürzte, war es mit der Sorglosigkeit bei den meisten Bürgern vorbei.
Zwei Mitarbeiter des U.S. Bureau of Mines kontrollieren im April 1981 an einem Überwachungsrohr auf der Hauptstraße in Centralia die Temperatur unter Tage. Zwei Jahre zuvor hatte ein Tankwart unter seinem Benzintank knapp 78 Grad Celsius gemessen. Wegen Explosionsgefahr musste er seine Zapfsäule stilllegen.
"Free The Mine Fire": In den achtziger Jahren gingen die Bewohner Centralias auf die Straße, um auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Die aufgebrachten Bürger warfen den Behörden vor, zu wenig unternommen und zu spät gehandelt zu haben. Etliche Versuche, das Minenfeuer zu löschen, waren bereits gescheitert - als letzte Maßnahmen sollten die Menschen nun umgesiedelt und die Stadt dem Erdboben gleichgemacht werden.
Zeichen des Widerstands: Einer der letzten Bewohner Centralias hat in seinem Garten einen Kohlenklumpen mit einem Plastik-Totenkopf und der US-Flagge aufgestellt.
Müllkippe: Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sollen das Minenfeuer unter Centralia ursprünglich entfacht haben, als sie im Mai 1962 Unrat auf einer Deponie verbrannten.
Ausdruck des Protests: Die Bewohner Centralias organisierten sich ab Anfang der achtziger Jahr in Bürgerbewegungen. Mit Schildern - aufgestellt in der ganzen Stadt - taten sie ihren Unmut kund.
Treppe ins Nichts: Diese Stufen führten einst zu einem Wohnhaus in Centralia. Die Besitzer hatten das Angebot der US-Regierung angenommen, Entschädigung erhalten und waren weggezogen. Ihr Heim gaben sie damit zum Abriss frei. Kurz vor Weihnachten 1983 rückten die ersten Bulldozer an und walzten auch die Kirchen und städtischen Gebäude nieder.
We were here: Auf neueren Landkarten ist Centralia nicht mehr eingezeichnet, zahlreiche Touristen finden dennoch den Weg in die verlassene Stadt. Wer allerdings hofft, dort in den glühenden Abgrund sehen zu können, wird enttäuscht.
Tom Dempsey, früher Chef des Postbüros von Centralia, zeigt von einem Hügel auf die leeren Straßen und wenigen Häuser, die noch stehen - alles, was von seiner geliebten Heimatstadt geblieben ist.
"To Centralia with Love": Ein Besucher aus Kingston hat ein Herz aus Holz aufgestellt - zur Erinnerung an den beschaulichen Ort, der zur Geisterstadt wurde.
Steinkohlewerk in Centralia: Einst gab es in der 1866 gegründeten Gemeinde Centralia drei Kohleabbaugesellschaften, hier die "J.M. Freck & Company". Die meisten Männer der Stadt arbeiteten in den Kohleminen.
Centralia in den Sechzigern: Einst gab es in der beschaulichen Kleinstadt etliche Geschäfte, Bars, Restaurants, Hotels und zwei Bahnhöfe.
Das Minenfeuer unter Centralia heizt den Boden auf. Der Dampf entsteht durch die Verdunstung von Schnee, Grund- und Regenwasser.
Gefährliche "Rauchzeichen": Löcher, aus denen gräulich-weißer Qualm und Dampf aufsteigen, sind fast die einzigen sichtbaren Zeichen, die auf das unterirdische Inferno hindeuten.
Brenzlige Wohnlage: Die meisten Einwohner verließen Centralia in Sorge um ihre Gesundheit, nachdem in einigen Gebäuden der Kohlenmonoxid-Gehalt lebensbedrohlich hoch gestiegen war.
Menschenleer: Außer ein paar Rentnern, die ihre Heimat nicht verlassen wollen, lebt in Centralia niemand mehr. Die einzigen Besuchern sind Touristen aus ganz Amerika, die den "Zorn Hades'" erleben wollen. Doch an einigen Plätzen hat der verlassene Ort gar nichts Bedrohliches, sondern eher etwas Beschauliches - hier eine Parkbank mit dem aufgepinselten Gründungsjahr.