Flucht durch Entführung "Wer aussteigen will, kann raus!"
Flucht oder Rückkehr?: Die entführte polnische Verkehrsmaschine vom sowjetischen Typ TU 134 mit DDR-Bürgern an Bord nach der Landung auf dem US-Militärflughafen Berlin-Tempelhof am 30. August 1978. Der 33-jährige Detlev Tiede hatte den Piloten der Maschine auf dem Flug von Danzig nach Ost-Berlin zur Landung in West-Berlin gezwungen. Er, seine Bekannte Ingrid Ruske und deren Tochter werden anschließend von den Amerikanern in Gewahrsam genommen. Außer ihnen bleiben noch sechs weitere DDR-Bürger im Westen - die anderen 41 Passagiere des Flugs entscheiden sich gegen die unverhoffte Chance zur Flucht und kehren nach Ost-Berlin zurück.
Nach der Entführung: Die Passagiere der entführten Verkehrsmaschine der polnischen Fluggesellschaft LOT verlassen nach der Landung auf dem amerikanischen Militärflughafen in Berlin-Tempelhof am 30. August 1978 das Flugzeug. Amerikanische Soldaten begrüßen sie mit den Worten: "Willkommen im freien West-Berlin."
Flüchtling Ruske: Vor 32 Jahren wollte Ingrid Ruske, die heute Maron heißt, von Danzig mit gefälschten Papieren per Fähre in den Westen flüchten. Als der Plan scheiterte, entschloss sich ihr Komplize Detlev Tiede zur Entführung einer polnischen Passagiermaschine. Das Foto zeigt sie im Januar 2010 in ihrer Wohnung im Berliner Stadtteil Siemensstadt.
Die "Landshut" in Rom: Auf dem Flug von Mallorca nach Frankfurt am Main war die Lufthansa-Maschine "Landshut" (hier am 13. Oktober in Rom) 1977 von palästinensischen Terroristen entführt worden. Der Fall hatte weltweit die Angst vor Entführern geschürt. Dennoch gelingt es Detlef Tiede nur elf Monate nach dem "Landshut"-Kidnapping das LOT-Passagierflugzeug zu entführen.
Neue Heimat: Auch Constanze Schröder gelangte 1978 mit der entführten LOT-Maschine in den Westen. Das Foto vom Dezember 2009 zeigt sie vor einem Cockpit am Flughafen in Mannheim, wo sie heute lebt.
Entscheidung des Lebens: Die völlig überraschten Passagiere der entführten LOT-Maschine hatten nach der Landung in West-Berlin nur wenige Stunden Zeit, sich für die BRD oder für ihre alte Heimat zu entscheiden. Für die DDR wurde es ein Propagandaerfolg, dass nur 9 der 50 Passagiere im Westen blieben, darunter Constanze Schröder (rechts im Bild, mit ihrer Familie in Mannheim).
Notaufnahmelager Marienfelde: Familie Schröder kam zunächst in das Notaufnahmelager Marienfelde für Flüchtlinge aus der DDR. Zwei Tage nach der Entführung leitete die Stasi den Operativ-Vorgang "Rückkehr" ein und schickte auch den Vater von Constanze Schröder vor, um seine Tochter zur Rückkehr zu bewegen - vergebens.Das Foto aus den fünfziger Jahren zeigt Kinder geflüchteter Bauern in dem Lager.
Signatur im Bundesarchiv: B145Bild-P059016
Rückkehrerin Galonska: Weil ihr neunjähriger Sohn nicht in der Bundesrepublik bleiben wollte, entschied sich Barbara Galonska zur Rückkehr noch Ost-Berlin - obwohl sie lieber im Westen geblieben wäre. Das Foto von 2009 zeigt Galonska in der Abfertigungshalle des stillgelegten Flughafens Berlin-Tempelhof.
Entführer Tiede: Polizisten bringen Detlev Tiede am 1. Mai 1979 in Handschellen zum Gericht. Tiede hatte am 31. August 1978 kurzentschlossen eine polnische Verkehrsmaschine entführt und im Westen zur Landung gezwungen, nachdem die Stasi hinter seinen ursprünglichen Fluchtplan gekommen war.