Gerecht Der Kampf der Mütter
María del Rosario de Cerruti hat ihren Sohn Fernando vor 34 Jahren verloren. 1976 verschleppten sie den damals 23-Jährigen aus ihrem Haus in einem Vorort von Buenos Aires. Sie hat ihn nie wieder gesehen.
Auf der Suche nach Fernando traf María del Rosario de Cerruti, heute 84 Jahre alt, Mitte der siebziger Jahre andere Frauen. Auch sie forderten Auskunft über das Schicksal der Verschwundenen. 1977 beschlossen sie, sich immer donnerstags auf dem zentralen Platz "Plaza de Mayo" in Buenos Aires zu treffen.
Immer mehr Mütter strömten zur "Plaza de Mayo", hier marschieren sie 1980 vor dem Präsidentenpalast. Sie wollten zu Junta-Chef Jorge Videla vorgelassen werden, um von ihm Aufklärung zu fordern.
Im Regen hielten die "Madres" den Militärs die Fotos ihrer Kinder entgegen - Andersdenkende, die den Machthabern zu unbequem wurden. Mit ihrem Protest gerieten auch die Mütter in Gefahr: Einige Gründerinnen wurden 1977 entführt und ermordet.
Das Erkennungszeichen der Mütter: ihr weißes Kopftuch. Mit dem Zusammenbruch der Diktatur endete ihr Kampf nicht. Sie protestierten gegen die Straffreiheit der Täter, erinnerten immer wieder an das Schicksal der "Verschwundenen". "Wir weichen nicht", steht über dem Foto.
Viele Mütter hofften lange, dass ihre Kinder zurückkämen. Irgendwann wurde der Tod zur Gewissheit. Dann wollten sie wenigstens wissen, was mit ihren Kindern geschehen war - und deren Körper richtig begraben.
Sie begannen als einige wenige und sind heute viele Tausende: Bis heute üben die Mütter der Plaza de Mayo Druck auf die Politik aus, einige verstehen die Organisation auch als politische Bewegung. 2003 hob die Regierung die Amnestiegesetze auf, die in den achtziger Jahren erlassen wurden. Ein historischer Sieg für die Menschenrechtler.