Gerichtsreporterin Gabriele Tergit - DER SPIEGEL
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Gabriele Tergit Die einzige Frau im "Ort der Männer"

"Ein Beil lässt auf Wut schliessen, zum Revolver reicht Traurigkeit": Als bekannteste Gerichtsreporterin der zwanziger Jahre stellte Gabriele Tergit ihre eigenen Theorien auf, warum Menschen zu Mördern werden. Vor ihrer eigenen Ermordung retteten sie zwei Worte. Von Lydia Leipert
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Kleine Revolution: Die Gerichtsreporterin Gabriele Tergit war in den zwanziger Jahren die einzige Frau im "Ort der Männer", wie sie das Berliner Kriminalgericht selbst nannte. Mit langem Rock und die dunklen Haare zum Dutt hochgesteckt ließ sich die resolute Frau von Staatsanwälten, Richtern, Strafverteidigern und männlichen Kollegen nicht unterkriegen.

Foto: Jens Brüning
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Hoch zu Ross: Eine berittene Polizeistaffel 1925 in Berlin. Es ging in dieser Zeit brutal zu in den Straßen von Berlin, Massenarbeitslosigkeit und wirtschaftliche Unsicherheit als Folgen des Ersten Weltkriegs bestimmten das Leben aller. Die, die es sich leisten konnten, gingen in die Kinos, Varietés und auf Bälle und erlebten die "Roaring Twenties". Doch viele kämpften in dieser Zeit ums Überleben.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Herbert Hoffmann
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Markenzeichen: Die Gerichtsreporterin Gabriele Tergit konnte man immer an ihrer markanten runden Brille und ihrer journalistischen Vielseitigkeite erkennen. Sie schrieb Reportagen, Kurzgeschichten, Berichte, Portraits und sogar einen Roman.

Foto: Jens Brüning
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Männerdomäne: Eine Berliner Polizeistation im August 1928. Die Berichterstattung über Kriminalität war in dieser Zeit Männersache. Frauen, wenn sie es soweit gebracht hatten, wurden bei Zeitungen gern in den schöngeistigen Ressorts wie Feuilleton oder dem Reiseteil untergebracht.

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Fröhliche Runde: Anfang der dreißiger Jahre begann Gabriele Tergit damit sich immer mehr mit politischen Gerichtsfällen zu beschäftigen. Sie berichtete über Schlägereien zwischen Nazis und Kommunisten, Messerstechereien von Pfadfindern mit linken Jugendgruppen oder über einen Fall, in dem ein Zeitungsverkäufer ermordet wurde, weil er kommunistische Zeitungen im Sortiment hatte. Auf dem Bild sind (v.l.n.r.) Edith Hamann, Gabriele Tergit, Brigitte Helm und Ilse Langner 1930 in einem Fernsehstudio zu sehen.

Foto: Jens Brüning
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Auf offener Straße: Ein Polizeieinsatz in Berlin im Mai 1931. Die Reporterin Gabriele Tergit kritisierte die immer stärker werdende Verrohung der Gesellschaft zu Beginn der Dreißiger und machte sich so zur Feindin der Nationalsozialisten. In der Gauzeitung der Berliner NSDAP dem "Angriff", wurde sie von Joseph Goebbels als "miese Jüdin" bezeichnet.

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Befragung: Ein Polizist befragt 1934 Mütter auf einem Spielplatz in Berlin. Das Foto entstand mit einer versteckten Kamera im Auftrag der "Berliner Illustrierten Zeitung" zur Berichterstattung über einen Fall, in dem ein "böser Onkel" mit einem Jungen weggegangen ist.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Friedrich Seidenstücker
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Glückliche Zeit: Die als Elise Hirschmann geborene Gabriele Tergit, hier mit ihrem Mann Julius Reifenberg 1928 in der gemeinsamen Wohnung am Potsdamer Platz, lebte gern in Berlin. 1933 musste sie jedoch aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ins Ausland fliehen.

Foto: Jens Brüning
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Frühe Frauenrechtlerin: Die 1894 in Berlin geborene Gabriele Tergit als Schülerin 1910 in Berlin. Sie besuchte die "Soziale Frauenschule" und kam so bereits während ihrer Ausbildung mit Frauenrechtlerinnen in Kontakt. Später studierte sie Geschichte und machte sogar ihren Doktor, obwohl Universitäten zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch geschlossene Männerclubs waren.

Foto: Jens Brüning
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Hetze gegen Juden: SA-Männer bekleben das Schaufenster eines Möbelgeschäfts in der Uhlandstra?e nahe des Kurfürstendamms mit Boykott-Plakaten. Gleich nach der Machtergreifung der Nazis wurde der Ton rauer in Deutschland. Juden und anders Denkende wurden geächtet und wer konnte floh ins Ausland.

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Familienbild in Venedig: Gabriele Tergit mit ihrem Mann Julius Reifenberg und dem Sohn Peter Reifenberg 1948 in Venedig. Nach ihrer Flucht aus Deutschland 1933 versuchte sie immer wieder vergebens in den Journalismus zurückzukehren. Sie bot Texte an und schrieb Bittbriefe an Marion Gräfin Dönhoff von der "Zeit", doch sie starb 1982 ohne je wieder etwas veröffentlicht zu haben.

Foto: Jens Brüning
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Gabriele-Tergit-Promenade: Juliane Sucker promoviert über die bemerkenswerte Gerichtsreporterin Gabriele Tergit, die in den zwanziger und dreißiger Jahren in Berlin lebte und arbeitete. "Es ist seltsam, dass Gabriele Tergit heute selbst in germanistischen Fachkreisen kaum bekannt ist", so Sucker. Nur eine kleine Straße, die vom Potsdamer Platz zum Landwehrkanal führt, erinnert noch an die selbstbewusste Journalistin: Die Gabriele-Tergit-Promenade.

Foto: (C) Caplio R1 User
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?