Gescheiterte Autoträume - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Gescheiterte Autoträume Ein mal eins

Sie träumten von der Revolution - und kamen unter die Räder. Immer wieder versuchten Tüftler und Geschäftsleute, mit innovativen Konzepten die Automobilindustrie aufzumischen. Meist scheiterten sie. einestages über die schrägsten Ein-Automarken der Geschichte.
1 / 16

Vorbildfunktion: Der Tucker Torpedo kam, wie viele automobile Geniestreiche, erst zu späten Ehren. Gelangt mal eins der wenigen Exemplare auf den Markt, erzielt es Preise im sechsstelligen Bereich. Es ist ein erlesener Club, der sich dem Erhalt des Torpedo widmet. George Lucas zum Beispiel hat einen, Francis Ford Coppola auch. Der war von der Geschichte des Selfmade-Auto-Managers Tucker und seinem Torpedo so begeistert, dass er ihm 1988 mit "Tucker - ein Mann und sein Traumauto" ein cineastisches Denkmal setzte. Allerdings ging es dem Film kaum besser als dem Fahrzeugvorbild. An den Kinokassen fiel Coppolas Werk glatt durch.

2 / 16

Echte Lösungen: Während vergleichbare amerikanische Autos jener Zeit vor allem groß und schön waren, hatte der Tucker Torpedo innovative technische Features zu bieten - die in dieser Anzeige beworben wurden.

3 / 16

Pilotensitz: Artikel über den "Torpedo", erschienen am 20. Dezember 1945 in "Automotive News". Zu diesem Zeitpunkt plante Preston Tucker offensichtlich noch mit einem mittig angeordneten Fahrersitz, die Beifahrersitze sollten für den Einstieg zur Seite geklappt werden - ein Konzept, das bis zum Produktionsstart wieder verworfen wurde.

4 / 16

Bricklin SV-1: Malcom Bricklin verschrieb sich 20 Jahre nach Preston Tucker ebenfalls voll dem Gedanken eines sicheren Autos. Sein Bricklin SV-1 (für Safety Vehicle) hatte nicht nur eine atemberaubende Kunststoffkarosserie mit auf Knopfdruck öffnenden Flügeltüren - sondern darunter einen massiven Überrollbügel, außerdem spezielle Stoßfänger, die einen Aufprall mit Geschwindigkeiten bis 16 Stundenkilometer mühelos abfedern konnten. Doch auch Bricklin erreichte nie auch nur annähernd die angepeilten 100.000 produzierten Autos pro Jahr, nach knapp 3000 gefertigten Exemplaren war auch sein ...

5 / 16

... Traum ausgeträumt: Grund für die frühe Pleite waren technische Probleme, vor allem mit den Flügeltüren, die häufig undicht waren - feuchte Innenräume waren die Folge. Außerdem rächte sich der komplizierte Öffnungsmechanismus. Denn die Türen hoben und senkten sich elektrohydraulisch - streikte die Batterie, waren sie nur unter enormer Kraftanstrengung zu öffnen. Das erforderliche Redesign des Wagens ...

6 / 16

... hätte schlicht zu viel Geld verschlungen: Und so wurde nur knapp ein Jahr nach Verkaufssstart die Produktion des Bricklin SV-1 wieder eingestellt.

Foto: Getty Images
7 / 16

Da war die Welt noch in Ordnung: Der Bricklin SV-1 wird am 25. Juni 1974 in einem Restaurant in New York City zur Schau gestellt. Unter der atemberaubenden Kunststoffkarosserie mit den innovativen Sicherheitsfeatures steckte biedere amerikanische Großserientechnik. Ein hubraumstarker V8 von AMC beispielsweise, auch das Fahrwerk, Getriebe und Antriebsstrang stammten aus amerikanischer Produktion.

Foto: AP
8 / 16

ATS 2500 GT Coupé: Anfang der sechziger Jahre beschlossen sechs Ferrari-Mitarbeiter, die die italienische Sportwagenschmiede im Streit verlassen hatten, mit dem ATS 2500 GT in Eigenregie den besseren Ferrari auf die Straße zu stellen. Nach nur zwei Jahren ...

9 / 16

... war dann aber auch wieder Schluss: Vor allem deshalb, weil sich die Männer von ATS (für Automobili Turismo e Sport) auch auf das Abenteuer Formel 1 eingelassen - dort aber desaströs versagt hatten. Das Ziel, Ferrari auch auf der Rennstrecke zu schlagen, war zerschlagen, der Ruf des Unternehmens damit ruiniert und die Finanzdecke zu dünn, um den Imageschaden aussitzen zu können. Nach noch nicht einmal zehn gefertigten Exemplaren des Mittelmotorsportwagens schlossen 1964 wieder die Werkstore.

10 / 16

Manic GT: Jaques About hatte eine Mission - der PR-Profi im Auftrag des französischen Autoherstellers Renault sollte herausfinden, ob es sich lohnt, den Renault Alpine-Sportwagen nach Kanada zu importieren. Ende der sechziger Jahre startete er seine Umfragen, die zu einem klaren Ergebnis kamen: Ja. Renault entschied sich trotzdem dagegen. About aber ließ der Gedanke an ein schnittiges Sportcoupé nicht mehr los. Kurzerhand entschloss er sich, ...

11 / 16

... mit dem Manic GT seinen eigenen Sportwagen zu bauen: Mit Renault fädelte er einen Deal ein, das Chassis des Renault R10 als Basis für seine Kreation nutzen zu können, auch die Motoren, in drei Tuning-Stufen von 65, 80 und 105 PS erhältlich, kamen aus Frankreich. Als PR-Profi hatte er im Handumdrehen Investoren wie Bombardier und die Supermarktkette Steinberg an Bord, auch die Regierung unterstützte sein Projekt. 1969 feierte der Manic GT sein Debüt auf der Montreal Auto Show, doch schon kurz darauf zogen sich die Investoren aus dem Projekt zurück. Immer wieder war es zu Problemen bei den Lieferungen von Motoren und anderen Teilen aus Frankreich gekommen, die Produktion des Manic lief deswegen nur schleppend an. Nach gerade mal 160 produzierten Exemplaren war das Abenteuer von Jaques About 1971 wieder vorbei.

12 / 16

Consulier GTP: Als Warren Mosler 1985 seinen Consulier GTP der Öffentlichkeit präsentierte, war die schockiert. Was für ein unfassbar hässliches Auto! Das Automagazin "Sports Car International" rief sogar zu einem Redesign-Wettbewerb auf. Dabei zählten bei der Flunder vor allem ...

13 / 16

... die inneren Werte: Als erstes Straßenfahrzeug besaß der Consulier GTP ein vollständig aus Carbon gefertigtes Monocoque-Chassis, wie man es sonst nur im Rennsport findet. Mit gerade mal knapp 900 Kilo Leergewicht hatte der 2.2 Liter Turbo-Motor im Heck des Consulier im wahrsten Sinne des Wortes leichtes Spiel - der GTP verblies mit seinen Fahrleistungen die meisten Sportwagen seiner Zeit. Erfolgreich war er aber nur auf der Rennstrecke, dort fuhr er bei verschiedenen Rennserien Sieg um Sieg ein. Auf öffentliche Straßen trauten sich die wenigsten der knapp hundert Besitzer. 1993 wurde die Produktion des Consulier GTP deswegen wieder eingestellt.

14 / 16

Unipower GT: Auf Basis eines Mini schufen die Briten Ernie Unger und Val Dare-Bryan dieses kleine Coupé. Beide hatten ihre Wurzeln im Rennsport, und das hinterließ seine Spuren bei ihrer Schöpfung. Über den Gitterrohrrahmen wurde eine Kunststoffkarosserie gezogen, der Motor saß, wie bei Sportwagen üblich, hinter dem Fahrer und das Fahrwerk war der Formel 3 entliehen. 1966 wurde der Wagen erstmals auf der London Racing Car Show präsentiert und frenetisch gefeiert. 1970 war jedoch nach gerade mal 75 gefertigten Fahrzeugen wieder Schluss. Was als kleines Hobbyabenteuer angefangen hatte, endete auch als solches. Die Erfinder und ihr Geldgeber hatten schlicht das Interesse an dem Projekt verloren.

Foto: Brian Snelson
15 / 16

De Lorean DMC-12: Flügeltüren, unlackierte Edelstahlkarosserie, ein einmaliges Design von Giugiaro - eigentlich hätte beim De Lorean DMC 12 nichts schiefgehen dürfen. Entsprechend strahlt John DeLorean bei der Vorstellung seines Schätzchens 1977 in New Orleans noch mit seiner Frau um die Wette. Doch einen Prototypen in Showrooms zu stellen und bejubelt zu werden, ist leicht. Ein Auto zur Serienreife zu bringen, ein ganz anderes Unterfangen. Und genau hier begann das Elend. Vom Chassis, das vom britischen Sportwagenhersteller Lotus (damals nicht gerade auf dem Zenit seiner Schaffenskraft) entwickelt wurde, über die mit Edelstahl beplankte Kunststoffkarosserie bis hin zum Motor ...

Foto: AP
16 / 16

... geriet der DMC 12 im Laufe seiner Entwicklung zu einem einzigen Kompromiss: Wobei am schwersten (im wahrsten Sinne des Wortes) die Wahl des Motors wog. Ein heiser fauchendes V12-Triebwerk oder eine böse brabbelnde V8-Maschine hätte zum Design gepasst - stattdessen versah im DMC 12 der sogenannte Euro V6, der auch von Peugeot, Volvo und Renault verbaut wurde, asthmatisch röchelnd seinen Dienst. Adrenalinfördernde Beschleunigung hatte sich mit den schlappen 132 PS erledigt, und weil der gusseiserne Klotz im Heck verstaut wurde, konnte man auch zu sportlichen Fahreigenschaften ebenfalls Bye-bye sagen. All das aber hätten die Fans vermutlich sogar noch verziehen. Den Exitus des Traumautos besorgten die Fertigungsmängel der ersten Exemplare. Undichte Türen, zickige Elektronik, Spaltmaße wie der Marianengraben, unzuverlässige Klimaanlage - die Mängelliste der ersten ausgelieferten Exemplare war so lang wie die Kritik der Fachpresse vernichtend. Die Konsequenz: Noch bevor die Produktion wirklich angelaufen war, wurde sie nach 18 Monaten und 8600 hergestellten Fahrzeugen wieder eingestellt.

Foto: Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?