Gescheiterte Südpol-Expedition - DER SPIEGEL
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Zweiter am Ende der Welt In der Eishölle

Zweiter im ewigen Eis: 1912 erreichte Robert Scott den Südpol - einen Monat später als sein größter Rivale. Der Rückweg durch die Eishölle wurde für die Verlierer zum Horrortrip. Die Tagebücher des Abenteurers dokumentieren die Verzweiflung der Gruppe - und ihr schreckliches Schicksal.
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Sein letztes Abenteuer: Voller Hoffnung startete Robert F. Scott mit einem fünfköpfigen Team Ende 1911 in Richtung Südpol. Zu diesem Zeitpunkt hätte er allerdings bereits wissen können, dass sein Konkurrent Roald Amundsen das Ziel früher erreichen würde. Denn obwohl dieser etwa zur gleichen Zeit startete, hatte er doch sein Basislager sehr viel weiter südlich und damit näher am Pol errichtet.

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Der Sieger: Am 14. Dezember 1911 erreichten der norwegische Forscher Roald Amundsen und sein Team den geografischen Südpol und hatten das Rennen gegen Scott gewonnen. Hier nimmt Amundsen neben der norwegischen Flagge Vermessungen vor.

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Zu Fuß durch die Eiswüste: Bereits der Hinweg zum Südpol stellte sich für Scott und seine Begleiter schwieriger dar als gedacht. Zu dieser Zeit wurden sie noch von der Hoffnung getrieben, sie könnten den Wettlauf zum Pol gegen Roald Amundsen und sein Team gewinnen. Eine Wegmarkierung wenige Kilometer vor dem Ziel brachte jedoch schreckliche Gewissheit: Amundsen war schneller gewesen.

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Neuland im Eis: Durch ein Loch in einem Eisberg ist die "Terra Nova", das Schiff der Südpol-Expedition von Robert F. Scott, zu sehen. Das Schiff war ursprünglich als Walfänger eingesetzt und erst ab 1894, zehn Jahre nach ihrem Bau, als Expeditionsschiff genutzt worden.

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Durch Eis und Schnee: Die bizarren Eislandschaften der Antarktis ziehen bis heute Abenteurer in ihren Bann. Zur Zeit Scotts kam noch der Wunsch hinzu, der erste Mensch zu sein, der den südlichsten Punkt der Erde erreichte. Vor Scott und Amundsen hatte schon der Brite Ernest Shackleton sein Glück versucht - doch 1909 scheiterte er 180 Kilometer vor dem Ziel.

Hier ist einer der Hundeschlitten der Scott-Expedition vor einem gewaltigen Eisberg zu sehen.

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Hätte er Hunde...: Als größter Fehler Scotts bei der Planung der Expedition sollte sich die Wahl der Transporthelfer herausstellen. Seine Expedition war nur mit wenigen Hunden ausgestattet, denn Scott setzte zusätzlich auf Ponys und Motorschlitten. Diese stellten sich jedoch als ungeeignet heraus. Amundsen lag hingegen richtig, sich ausschließlich seiner Schlittenhunde zu bedienen. Diese hatten keine Probleme mit dem Klima und sparten Gewicht: Amundsen musste seine Expedition nicht mit Tierfutter belasten, die Hunde konnten einfach mit Robbenfleisch gefüttert werden.

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Motorisierte Fehlentscheidung: Einer der Expeditionsteilnehmer bereitet im Basislager einen der drei Motorschlitten auf die Reise zum Pol vor. Der erste davon war bereits bei der Ankunft auf Ross Island eingebrochen und im eisigen Wasser versunken. Die anderen beiden gaben dann viel zu früh ihren Dienst auf.

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Ein Pony am Pol: Einer der Expeditionsteilnehmer kümmert sich in Scotts Basislager um eines der Mandschurei-Ponys. Die Tiere erwiesen sich im Laufe der Expedition jedoch als unbrauchbar in der Antarktis. Nicht nur mussten Unmengen an Heu als Futter für sie mitgenommen werden, sie rutschten auch auf dem Eis aus und starben schließlich in dem unwirtlichen Klima. Am Ende dienten die verendeten Tiere den Forschern nur noch als Fleischlieferant.

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Mangelernährung: Robert F. Scott, rechts, sitzt mit seinen Kameraden im Basislager beim Essen zusammen. Die Verpflegung der Forscher wurde auf dem Rückweg zu einem echten Problem. Heute sind Historiker der Meinung, dass Scotts mangelhafte Planungen Schuld an der Situation waren, die letztlich zum Tod der Expeditionsteilnehmer führte.

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Motorisiert zum Pol: Expeditionsleiter Robert F. Scott posiert vor dem Aufbruch der Gruppe zum Südpol mit seinem Motorschlitten. Er glaubte an die Überlegenheit der Technik - und scheiterte genau deshalb.

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Gedenken im ewigen Eis: Wo das Grab von Robert F. Scott und seinen zwei letzten Begleitern liegt, ist nicht genau bekannt. Die Stelle ist heute mit Eis bedeckt und verschiebt sich durch den Gletscherdrift ständig. Der Geophysiker Charles Bentley hat berechnet, dass es um das Jahr 2275 den Nordrand des Schelfeises erreicht haben wird, wo es eventuell ins Ross-Meer entlassen werden könnte.

Dieses Kreuz wurde im Januar 1913 von den Mitgliedern der Such-Expedition unter der Führung von Edward Atkinson errichtet, die noch versucht hatten, die verschollenen Entdecker zu finden. Am 12. November 1912 fanden sie schließlich die Leichen und begruben sie mit ihrem Zelt unter Schnee.

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Am Ende: Erschöpft und ausgezehrt bereitete sich Scott auf den Tod vor und schrieb noch mehrere Briefe an die Verwandten seiner Kameraden und seine Frau. Am 29. März 1912 machte Scott den letzten Eintrag in sein Tagebuch. Vermutlich starb er auch an diesem Tag. Seine letzten Worte: "Letzter Eintrag. Um Gottes Willen, kümmert Euch um unsere Leute." Tatsächlich gingen in den folgenden Jahren Tausende Pfund Spendengelder bei einer eigens gegründeten Stiftung für die Familien der verstorbenen Forscher ein.

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Dokument einer Niederlage: Am 18. Januar 1912 endete der Traum des Robert F. Scott, als erster Mensch den Südpol zu erreichen. Konkurrent Amundsen war schneller gewesen. Die fünf Männer posierten trotzdem auf einem Foto - es wurde zum bedrückenden Dokument ihrer Niederlage. Von links Edward A. Wilson, Henry R. Bowers, Robert F. Scott, Edgar Evans und Lawrence E. G. Oates.

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Schwerstarbeit in der Eiswüste: Scotts Männer mussten aufgrund der Fehlplanungen des Chefs am Ende ihre Schlitten selbst ziehen. Scott notierte in seinen Tagebüchern, welche Dramen sich deshalb auf dem Rückweg ereigneten.

Gott steh uns bei! Aber diesen Anstrengungen sind wir nicht mehr gewachsen.

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Ein verlorener Wettlauf: Als Scotts Expedition nach all den Entbehrungen und Schmerzen den Südpol endlich erreicht hatte, erwartete die Gruppe ein Zelt und die norwegische Flagge, beide aufgebaut von Roald Amundsen. Dessen Team war bereits einen Monat zuvor angekommen. Im Zelt hatte Amundsen einige Ausrüstungsgegenstände für Scott hinterlassen und einen Brief an den norwegischen König Haakon - mit der Bitte an Scott, diesen zu überbringen.

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Umstrittene Persönlichkeit: Robert F. Scott blickt im November 1911 in die Kamera. Ab 1966 nahm die ihm in England entgegengebrachte Verehrung ab. In Büchern wurde er plötzlich kritisiert - für die stümperhafte Vorbereitung seiner Mission, seine angeblich schlechten Führungsqualitäten und "allgemeine charakterlichen Schwächen".

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Festgefahren: Scotts Expedition hatte von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden. Schon bei der Anreise blieb die "Terra Nova" wochenlang im Packeis stecken.

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Scott-Autogramm: Robert F. Scott und seine Begleiter wurden posthum in Großbritannien zunächst als Helden verehrt. Die Truppe wurde zum Mythos verklärt, weil sie versucht habe, dem wankenden britischen Weltreich seinen Platz in der Geschichte zurückzuerobern.

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Die erste Pol-Expedition: Scott war bereits während der Discovery-Expedition von 1901 bis 1904 gemeinsam mit Ernest Shackleton und Edward A. Wilson - hier am 25. Dezember 1902 - in Richtung Südpol gewandert. Die Männer stellten dabei zwar einen Rekord auf, als sie am 30. Dezember 1902 am 82. Breitengrad ankamen. Bis zum Pol drangen sie jedoch nicht vor.

Shackleton versuchte dann zwischen 1907 und 1909 mit der Nimrod-Expedition an den Südpol zu kommen, scheiterte aber erneut.

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Museum im Eis: In der Hütte des einmaligen Basislagers am Cape Evans auf Ross Island in der Antarktis können bis heute die zurückgelassenen Ausrüstungsgegenstände besichtigt werden. Das meiste von dem, was Scott und seine Kameraden hier hinterließen, hat die letzten hundert Jahre fast unbeschadet überstanden.

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Tod im Eis: Das Skelett eines Hundes der Scott-Expedition liegt bis heute dort, wo das Tier 1912 in der Antarktis starb - samt Halsband.

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Zucker für Scott: Auch den Ausrüstungsgegenständen und Lebensmitteln im Innern von Scotts Basislagerhütte konnte die Zeit kaum etwas anhaben.

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Abschied vom Südpol: Bevor sich das Team um Roald Amundsen auf den Rückweg machte, posierte der Expeditionsteilnehmer Oskar Wisting noch für ein Foto mit seinen Schlittenhunden. Wisting, der auf Empfehlung eines engen Mitarbeiters Amundsens mitkommen durfte, hatte zu Beginn der Reise nur wenig Erfahrungen mit Schlittenhunden, bewährte sich am Ende aber sogar als Tierarzt. Am 12. Mai 1926 überflog er gemeinsam mit Amundsen in einem Flugzeug den Nordpol. Die beiden waren damit die ersten Menschen, die beide Pole selbst gesehen hatten.

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